Deutscher Gewerkschaftsbund

Nach der Geburt

Auch wenn sich immer mehr Hochschulen auf Studierende mit Kind(ern) einrichten, ist und bleibt ein solches Studium eine finanzielle, zeitliche und organisatorische Herausforderung. Oft müssen studierende Elternteile nicht nur Kind(er) und Studium unter einen Hut bringen, sondern auch die Finanzierung über Jobs und unterschiedlichste Sozialleistungen bewältigen.

Hier findest du Antworten auf viele Fragen – zum Mutterschutz für Student_innen über die Finanzierung eines Studiums mit Kind(ern) bis hin zu Entlastungsmöglichkeiten im Job und an der Uni.

Mutterschutz nach der Geburt

Die ersten acht Wochen nach der Entbindung, bei Mehrlingsgeburten sogar länger, darfst du als frischgebackene Mutter nicht abhängig beschäftigt werden. Das gilt auch für Minijobs, kurzfristige Beschäftigungen und Werkstudent_innenjobs. Selbstständige sind allerdings von den Mutterschutzregelungen ausgenommen. Für die Bezahlung gelten dieselben Regeln wie beim vorgeburtlichen Mutterschutz. Nach Ende der Mutterschutzfrist muss dich dein_e Arbeitgeber_in wieder beschäftigen und bezahlen wie vor der Schwangerschaft, wenn du keinen befristeten Vertrag hattest, der vorher regulär ausgelaufen ist.

Auch musst du in der Zeit des Mutterschutzes keine Studienleistungen erbringen und/oder Prüfungen ablegen. Anders als beim Job kannst du dich hier aber freiwillig dazu entscheiden, in dem Zeitraum trotzdem zur Uni zu gehen und/oder Prüfungen abzulegen. Dir darf aber kein Nachteil daraus entstehen, wenn du dich dagegen entscheidest!

Bei Problemen lass dich beraten. Ansprechbar sind u.a. die Frauenbeauftragte an deiner Hochschule, das Familienbüro oder die Studierendenvertretung.

Weitere Infos findest du im Leitfaden zum Mutterschutz des Bundesfamilienministeriums.

Elternzeit

Nach oben

Wer in einem abhängigen Arbeitsverhältnis steht, kann nach der Geburt eines Kindes bis zu 36 Monate Elternzeit (früher auch Erziehungs“urlaub“ genannt) nehmen. Dies gilt auch in befristeten Nebenjobs, geringfügigen Beschäftigungen und für Werkstudent_innen. Voraussetzung ist, dass dein Beschäftigungsverhältnis zu Beginn der Elternzeit andauert und du selbst für die Betreuung und Erziehung deines Kindes in deinem Haushalt zuständig bist.

Elternzeit kann von einem Elternteil allein, aber auch von beiden Eltern (ganz oder teilweise) zusammen genommen werden. Elternzeit muss nicht am Stück, sondern kann bei Bedarf auch in Abschnitten genommen werden. Wenn du die vollen 36 Monate ausschöpfen möchtest, musst du aber mindestens 12 dieser 36 Monate vor dem dritten Geburtstag des Kindes nehmen.

Für Kinder, die bis zum 30. Juni 2015 geboren wurden, konntest du mit Zustimmung deine_r/s Arbeitgeber_in bis zu zwölf Monaten der Elternzeit auf die Zeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag übertragen lassen. Für Kinder, die ab dem 1. Juli 2015 geboren wurden/werden, kannst du sogar bis zu 24 Monate Elternzeit auf die Zeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag übertragen lassen.

Dafür brauchst du keine Zustimmung deine_r/s Arbeitgeber_in mehr. Diese_r darf die Übertragung der Elternzeit auf die Zeit nach dem dritten Geburtstag nur aus dringenden betrieblichen Gründen ablehnen.

Elternzeit bedeutet, dass du unbezahlt von der Arbeit freigestellt bist, du bist also nicht verpflichtet zu arbeiten, bekommst allerdings – ggf. abgesehen vom Elterngeld – in der Zeit auch keinen Lohn bezahlt. Du kannst aber, wenn du möchtest, auch in der Elternzeit bis zu 30h/Woche Teilzeit arbeiten. Da die meisten Studierenden aber sowieso nicht mehr als 20h/Woche arbeiten, spielt diese Regelung nur für die wenigsten eine Rolle. Sie kann aber für diejenigen Studierenden relevant sein, die trotz Studium (ggf. in Teilzeit) einem Vollzeitjob nachgehen.

Beachte, dass du spätestens sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit diese schriftlich von deine_r/m Arbeitgeber_in verlangen und verbindlich erklären musst, für welche Zeiten in den nächsten zwei Jahren du die Elternzeit nehmen möchtest. Du kannst dies selbstverständlich auch schon früher machen, nur nicht nach der Frist. Das bedeutet, dass du Elternzeit, die direkt an die Mutterschutzfrist anschließen soll, spätestens eine Woche nach der Geburt des Kindes erklären musst. Für Kinder, die ab 1. Juli 2015 geboren wurden, beträgt die Frist für die Anmeldung der Elternzeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes 13 Wochen.

Am Ende der Elternzeit kannst du wieder in dein altes (Voll- oder Teilzeit-)Arbeitsverhältnis zurückkehren. Wenn dieses befristet war, verlängert sich der Vertrag entsprechend. Der Ausfall von Lohn oder Gehalt soll zum Teil durch die Zahlung des Elterngeldes (siehe oben) kompensiert werden.

Achtung: Für jeden Monat Elternzeit wird der Urlaubsanspruch um ein Zwölftel des Jahresurlaubs gekürzt. Übrigens: Wer eigene Kinder erzieht, erhöht auch seinen Rentenanspruch. Pro Kind werden bis zu drei Jahre angerechnet.

Elterngeld und ElterngeldPlus

Nach oben

Elterngeld erhält ein Elternteil, wenn es einen großen Teil seiner Zeit für die Betreuung des Kindes aufwendet. Elterngeld kann für die ersten 12 Monate nach der Geburt in Anspruch genommen werden. Alleinerziehende und Paare, bei denen sich beide Elternteile Zeit für die Betreuung nehmen, haben bis zu 14 Monate Anspruch.

Wenn Eltern(teile) noch während des Elterngeldbezugs wieder in Teilzeit arbeiten wollen, haben sie Anspruch auf ElterngeldPlus. Dass bedeutet, dass sich die Elterngeldbezugszeit verdoppelt – dann wird monatlich aber nur halb so viel ausgezahlt.

Wenn beide Elternteile gleichzeitig für vier Monate jeweils nicht mehr als 25 und 30 Stunden in der Woche arbeiten und sich damit auch die Zeit mit ihrem Nachwuchs teilen, gibt es einen zusätzlichen Partner_innenschaftsbonus in Form von vier zusätzlichen ElterngeldPlus-Monaten pro Elternteil.

Alleinerziehende können ebenfalls von dem Partner_innenschaftsbonus profitieren: Auch sie können diese Monate zusätzlich erhalten, wenn sie die Voraussetzungen für den steuerlichen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende, wie insb. Kindergeldbezug (§ 24b EStG) erfüllen.

Die Höhe des Elterngeldes richtet sich nach dem Einkommen, das ein Elternteil vor der Betreuung des Kindes hatte (aus abhängiger Beschäftigung oder selbständiger Arbeit).

Dabei wird das Durchschnittseinkommen des betreuenden Elternteiles der letzten 12 Monaten vor der Geburt zu Grunde gelegt. Das Elterngeld beträgt mindestens 300 und höchstens 1.800 Euro im Monat, beim ElterngeldPlus mindestens 150 Euro und maximal 900 Euro im Monat. Student_innen und Promovierende, die vor der Geburt ihres Kindes kein oder nur ein geringfügiges Erwerbseinkommen hatten, haben in der Regel Anspruch auf den Mindestbetrag von 300 Euro pro Monat bzw. 150 Euro im Monat bei ElterngeldPlus.

Auf ein Stipendium, BAföG oder Wohngeld wird Elterngeld bis zu einer Höhe von 300 Euro im Monat und ElterngeldPlus bis zu einer Höhe von 150 Euro im Monat nicht angerechnet. Übersteigt dein Elterngeldanspruch den Mindestbetrag, wird der über den 300 bzw. 150 Euro liegende Teil angerechnet.

Ein Arbeitsverhältnis muss einem Anspruch auf Elterngeld nicht entgegenstehen. Wer selbständig oder angestellt, in einem oder mehreren Jobs insgesamt höchstens 30 Stunden je Woche arbeitet, gilt nicht als voll erwerbstätig, sondern als teilzeitbeschäftigt – und kann Elterngeld beziehen. Da die viele Studierende ohnehin nicht mehr als 20 Stunden in der Woche arbeiten, können Job und Elterngeldbezug kombiniert werden.

In der Regel wird Elterngeld auch dann gewährt, wenn das Studium nicht unterbrochen wird.

Das Elterngeld wird allerdings vollständig auf ALG II-Leistungen angerechnet. Sollte mehr als 300 Euro Elterngeld gezahlt werden, wird der Mehrertrag auch auf andere Sozialleistungen (Kinderzuschlag, Wohngeld, Waisenrente etc.) angerechnet. Bei ElterngeldPlus-Bezug gilt das entsprechend.

Zudem wird Mutterschaftsgeld und ein zugehöriger Arbeitgeber_innenzuschuss auf die ersten beiden Bezugsmonate des Elterngeldes angerechnet. Elterngeld wird zum steuerpflichtigen Einkommen hinzugerechnet.

Elterngeld oder ElterngeldPlus können gleich nach der Geburt und bis zu drei Monate rückwirkend beantragt werden. Die Elterngeldstelle ist meistens beim Jugendamt angegliedert, im Zweifel kannst du dich direkt bei der Stadt informieren. Können beide Eltern Elterngeld erhalten, müssen sie entscheiden, wer es nun tatsächlich bekommt. Das Jugendamt bietet auch ausführliche Beratung zum Thema.

Kindergeld und Kinderzuschlag

Nach oben

Das Kindergeld ist ein Zuschuss des Staates zu den Kosten, die Eltern entstehen, solange das Kind noch nicht 18 Jahre alt oder in Ausbildung ist. Der Anspruch besteht unabhängig vom Einkommen ab der Geburt des Kindes. Anträge gibt es bei der Kindergeldstelle der Familienkasse des Arbeitsamtes.

Die Geburtsbescheinigung sowie die Steueridentifikationsnummer des Kindes müssen mit eingereicht werden. Die Höhe des Kindergelds wird regelmäßig angepasst. Die aktuelle Höhe des Kindergeldes findest du im oben verlinkten Artikel zum Thema Kindergeld.

Studierende Eltern(teile) minderjähriger Kinder, die über ausreichend Einkommen verfügen, um den eigenen Lebensunterhalt (Bedarf nach SGB II) zu decken, aber rechnerisch nicht genug für den Unterhalt des eigenen Kindes/der Kinder haben, können zusätzlich auf Antrag den sogenannten Kinderzuschlag beziehen. Zusammen mit dem Kindergeld soll dieser den durchschnittlichen Bedarf des Kindes abdecken.

Ein Anspruch auf Kinderzuschlag für jedes minderjährige Kind im Haushalt der Eltern/des Elternteils besteht, wenn

  •  für das Kind Kindergeld bezogen wird
  • das elterliche Einkommen das monatliche Mindesteinkommen in Höhe von 900 Euro brutto für Paare oder 600 Euro brutto für Alleinerziehende erreicht
  • die Höchsteinkommensgrenze nicht überschritten wird
  • durch das verfügbare Einkommen sowie den Kinderzuschlag Hilfebedürftigkeit im Sinne des SGB II vermieden wird.

Dabei müssen alle Punkte erfüllt sein, um einen Anspruch auf Kinderzuschlag geltend machen zu können. Dieser kann pro Kind bis zu 185 Euro im Monat betragen und wird gemeinsam mit dem Kindergeld ausgezahlt.

Beträgt das Einkommen der Eltern bzw. des alleinerziehenden Elternteils genau den Mindestbedarf, wird der Kinderzuschlag in der Regel in voller Höhe gewährt. Zum Einkommen werden dabei auch Unterhaltszahlungen oder BAföG gezählt.

Überschreitet das Einkommen der Eltern ihren eigenen Mindestbedarf, wird es aber nur zu 50 Prozent angerechnet. Einkommen des Kindes ist zu 45 Prozent auf den Kinderzuschlag anzurechnen. Das gilt auch für Unterhaltszahlungen an das Kind und für den Unterhaltsvorschuss.

Kinderzuschlag muss schriftlich bei der Familienkasse des Arbeitsamtes beantragt werden und kann – soweit die Anspruchsbedingungen vorliegen – die komplette Zeit von Geburt bis zum Erreichen der Volljährigkeit des Kindes gezahlt werden. Hier geht's zum Info-Flyer des DGB für Eltern mit geringem Einkommen.

Hinweis: Zum 1. Januar 2020 wird die bisherige "Abbruchkante" (so nennt man die obere Einkommensgrenze) entfallen. Das bedeutet, dass zukünftig nicht bereits ab dem ersten Cent oberhalb der Einkommensgrenze der Anspruch auf Kinderzuschlag entfällt. Und das eigene Einkommen der Eltern/des alleinerziehenden Elternteils mindert die Leistung ab diesem Zeitpunkt nur noch zu 45 Prozent statt wie bisher zu 50 Prozent.

Zudem wird für Eltern(teile), die in verdeckter Armut leben, ein erweiterter Zugang zum Kinderzuschlag geschaffen: Die Anspruchsvoraussetzung, Hilfebedürftigkeit im Sinne des SGB II zu vermeiden, entfällt dann, so dass Familien den Kinderzuschlag auch erhalten können, wenn sie mit dem Kinderzuschlag und Wohngeld zusammen bis zu 100 Euro unter dem SGB II-Anspruch bleiben.

Davon werden voraussichtlich viele studierende Eltern(teile) profitieren, die bislang nur deshalb keinen Anspruch auf Kinderzuschlag geltend machen konnten, weil ihr Gesamteinkommen leicht unterhalb der Bedarfe im SGB II lag.

Leistungen zur Bildung und Teilhabe

Nach oben

Das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) ist eine staatliche Leistung, die anspruchsberechtigten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen leichteren Zugang zur soziokulturellen Teilhabe und Bildung ermöglichen soll.

Auf die Leistungen zur Bildung und Teilhabe haben Kinder von Student_innen Anspruch, wenn sie und/oder die sorgeberechtigten Eltern(teile) Sozialgeld, ALG II, Sozialhilfe, Leistungen nach dem Asylbewerber_innenleistungsgesetz, Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen. Auf Antrag können bei entsprechend geringem Einkommen aber auch ohne entsprechenden Leistungsbezug Leistungen aus dem BuT gewährt werden.

Diese BuT-Leistungen umfassen unter anderem die finanzielle Unterstützung bei notwendiger Nachhilfe (ab August 2019 auch ohne, dass zwingend die Versetzung gefährdet sein muss), die Kosten von Klassenfahrten und eintägigen Schulausflügen, angemessene Kosten der Schüler_innenbeförderung in tatsächlicher Höhe, die Kosten des gemeinsamen Mittagessens in Kita oder Schule sowie einen Teilhabe-Zuschuss in Höhe von 10 Euro bzw. ab August 2019 von 15 Euro im Monat für die Mitgliedschaft in einem Sport- oder Musikverein oder anderen geeigneten Organisationen.

Auch ein persönlicher Schulbedarf kann über das BuT bezogen werden. Dieser beträgt insgesamt 100 Euro jährlich, steigt zum 01. August auf insgesamt 150 Euro jährlich und soll in den Folgejahren dynamisiert werden.

Leistungen zur Bildung und Teilhabe werden in der Regel bei der Behörde beantragt, von der die anspruchsauslösende Leistung bezogen wird. Bei Alg II oder Sozialgeld Bezug ist das z.B. das örtliche JobCenter. Wenn du unsicher bist, wer in deinem Fall für die Antragstellung zuständig ist, kannst du dich direkt bei der Stadt/Gemeinde, dem Bezirksamt oder dem Bürger_innenservice erkundigen.

Mit Kind an der Hochschule

Nach oben

Immer mehr Hochschulen richten sich auf Studierende mit Kindern ein. Vielerorts gibt es Wickelräume, hin und wieder sogar einen Kindergarten. Manche Studienordnungen erlauben besondere Rücksicht auf oder Fristen für Studierende mit Kind. Immer öfter gründen sich auch studentische Elterninitiativen, in denen Studierende mit Kind(ern) Erfahrungen austauschen, sich gegenseitig unterstützen und sich gemeinsam für Verbesserungen an ihrer Hochschule einsetzen.

Auch viele Studierendenwerke tun mittlerweile mehr, als Kinderstühle in die Mensa zu stellen. An einigen Orten werden eigene Wohnheimplätze für Eltern mit Kindern angeboten und in etlichen Mensen – wie z.B. in ganz Baden-Württemberg oder in Berlin – können Kinder von Studierenden kostenlos mitessen. Die Mensen bieten dafür spezielle Kinderteller an.

Ansprechpartner_innen für Unterstützung an der Hochschule sind die Gleichstellungsbeauftragten der Hochschule, das Familienbüro, der AStA oder StuRa sowie die Sozialberatung des Studierendenwerks.

Nachteilsausgleich

Nach oben

Auch wenn sich in der Gestaltung des Studienbetriebs an der Hochschule, der Planung der Lehrveranstaltungen der Fakultäten und auch im Denken vieler Hochschuldozent_innen bereits einiges geändert hat, so haben studierende Eltern immer noch häufig unter Benachteiligungen zu leiden.

Pflichtlehrveranstaltungen die außerhalb der üblichen Betreuungszeiten stattfinden, knapp bemessene Abgabefristen für Hausarbeiten und ähnliches sind für studierende Eltern problematisch. Der so genannte Nachteilsausgleich soll hier etwas Abhilfe schaffen.

Dazu gehört z.B., dass du nach Absprache die Form der zu erbringenden Studienleistung ändern lassen, eine längere Frist zur Abgabe der Hausarbeit beantragen oder eine Verlegung einer Prüfung oder Klausur auf eine vom Kindergarten/dem Hort/der Schule abgedeckte Zeit verlangen kannst.

Nachteilsausgleiche werden grundsätzlich nur auf begründeten Antrag gewährt. Je nachdem, welcher Nachteil ausgeglichen werden soll, ist der Antrag beim Prüfungsbüro, dem_der Prüfer_in direkt, dem Dekanat o .ä. zu stellen. Wer an deiner Hochschule zuständig ist, dich bei Bedarf zu unterstützen, erfährst du im Familienbüro der Hochschule, bei der Frauenbeauftragten oder der Studierendenvertretung.

Urlaubssemester

Nach oben

Für die Erziehung eines Kindes können sich die Eltern (auch abwechselnd) im Studium für ein oder mehrere Semester beurlauben lassen. Im Studienbüro/ Immatrikulationsbüro sollten dafür Geburtsurkunde und gegebenenfalls die Sorgerechtserklärung vorgelegt werden.

Der Antrag muss für jedes Semester, für das beurlaubt werden soll, neu gestellt werden. BAföG-Zahlungen entfallen während der Beurlaubung. Allerdings kann während der Beurlaubung Anspruch auf ALG II bestehen. Lass Dich am besten vor Ort beraten, ob/wann ein Urlaubssemester sinnvoll ist. Ansprechpartner_innen können deine Studienfachberatung, das Familienbüro/die Frauenbeauftragte der Hochschule, die Studierendenvertretung oder die Sozialberatung des Studierendenwerks sein.

Wer sich beurlauben lässt, sollte – insbesondere bei längerer Beurlaubung – trotzdem Kontakt zu ihrem_seinem Institut halten. Je nach Prüfungsordnung ist es außerdem möglich, an Prüfungen teilzunehmen, wenn diese nicht Teil einer regulären Lehrveranstaltung sind. Dies kann allerdings zu Problemen bei einem eventuellen ALG-II-Bezug führen, mehr dazu hier.

BAföG

Nach oben

BAföG-Bezieher_innen, die mit eigenen oder Adoptivkindern im Alter von bis zu 14 Jahre (bis einschließlich Sommersemester 2019 bis 10 Jahre) in einem Haushalt leben, erhalten einen zusätzlichen monatlichen Zuschuss, den sogenannten Kinderbetreuungszuschlag. Dieser wird pauschal gewährt, zusätzliche Kosten müssen nicht extra nachgewiesen werden.

Für jedes Kind werden zusätzlich zum eigenen Bedarf ab dem Wintersemester 2019/20 monatlich 140 Euro gezahlt (bis einschließlich Sommersemester 2019 sind es 130 Euro monatlich) und ab Wintersemester 2020/21 monatlich 150 Euro. Ob auch noch andere Sozialleistungen für das Kind gezahlt werden, spielt dabei keine Rolle. Der Kinderbetreuungszuschlag wird pro Kind nur einmal gewährt, auch wenn beide Eltern BAföG beziehen.

Die Eltern können sich mit dem Bezug vom Kinderbetreuungszuschlag aber abwechseln, sie müssen dann lediglich erklären, wer aktuell für die Betreuung des Kindes/der Kinder zuständig ist. Er wird als Zuschuss gewährt und muss nicht zurückgezahlt werden. Auch darf der Kinderbetreuungszuschlag nicht auf andere Sozialleistungen angerechnet werden und kann auch neben der Hilfe zum Studienabschluss oder anderen Volldarlehen nach BAföG als Zuschuss bezogen werden.

Der Zuschlag kann für den jeweils laufenden Bewilligungszeitraum rückwirkend beantragt werden.

Weitere Vorteile für BAföG-Bezieher_innen mit Kind: Der Nettofreibetrag für Nebeneinkünfte von 290 Euro je Monat erhöht sich zum Wintersemester 2019/20 pro Kind um 555 Euro je Monat (bis einschließlich Sommersemester 2019 sind es 520 Euro im Monat).

Außerdem kann die Förderungshöchstdauer wegen Kindererziehung verlängert werden, wenn diese ursächlich für die Verzögerung war. Dabei ist eine Verlängerung der BAföG-Förderung um bis zu ein Semester pro Jahr bis zur Vollendung des 5. Lebensjahres des Kindes, um ein Semester fürs 6. und 7. Lebensjahr, um ein Semester fürs 8. bis 10. Lebensjahr des Kindes sowie um ein Semester fürs 11. bis 14. Lebensjahr des Kindes möglich.

Die BAföG-Förderung, die wegen Kindererziehung über die Förderungshöchstdauer hinaus geleistet wird, wird als Zuschuss geleistet und muss nicht zurückgezahlt werden!

Krankenversicherung

Nach oben

Jedes Kind muss krankenversichert werden. Ist ein Elternteil selbst gesetzlich versichert, kann das Kind als familienversichert bei der Krankenkasse angemeldet werden. Sind beide Elternteile über ihre eigenen Eltern oder die Großeltern familienversichert, gibt es zwei Möglichkeiten.

Ein Elternteil kann sich selbst bei einer Krankenkasse gesetzlich versichern und lässt das Kind bei sich familienversichern. Je nach Voraussetzung kann das eine studentische Pflichtversicherung oder eine freiwillige Versicherung sein – über beide ist die gesetzliche Familienversicherung des Kindes/der Kinder möglich. Diese Kosten werden zwar bei der Berechnung des BAföG-Satzes berücksichtigt, müssen aber – wie andere BAföG-Leistungen auch – ggf. zur Hälfte wieder zurückgezahlt werden.

Wenn du im Urlaubssemester oder in einem Teilzeitstudium selbst ALG II beziehst, bist du über das JobCenter gesetzlich krankenversichert. Dein(e) Kind(er) sind dann über dich gesetzliche familienversichert. Wenn du voll sozialversicherungspflichtig arbeitest, läuft die Familienversicherung über deine reguläre Krankenversicherung über den Job.

Ein Kind kann unter bestimmten Umständen aber auch bei seinen Großeltern oder Urgroßeltern familienversichert werden. Voraussetzung ist hierfür, dass der Lebensunterhalt des Kindes von diesen (Ur-)Großeltern hauptsächlich bestritten wird. Viele Krankenkassen verlangen dafür, dass das Kind im Haushalt der (Ur-) Großeltern lebt.

Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres sind Kinder von allen Zuzahlungen in der gesetzlichen Krankenkasse befreit. Ausnahme sind die Zuzahlungen bei Fahrkosten, die auch von nicht volljährigen Versicherten zu entrichten sind.

Wohngeld

Nach oben

Grundsätzlich haben Studierende keinen Anspruch auf Wohngeld, solange sie dem Grunde nach Anspruch auf Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) haben. Das bedeutet, dass du auch dann keinen Anspruch auf Wohngeld hast, wenn dein BAföG-Antrag zwar auf Null Euro (z.B. wegen Einkommen deiner Eltern und/oder deine_r/s Partner_in/s), aber sonst grundsätzlich positiv beschieden wurde. Unabhängig davon kann aber für das Kind ein Wohngeldanspruch bestehen.

Ein Antrag sollte also schnell nach der Geburt des Kindes gestellt werden, denn wie beim BAföG gilt: Gezahlt wird frühestens für den Monat der Antragstellung.

Wenn du BAföG ausschließlich als Volldarlehen, z.B. im Rahmen der Studienabschlusshilfe oder wegen mehrmaligem Fachrichtungswechsel, beziehst oder gar keinen BAföG-Anspruch (mehr) hast, z.B. wegen Überschreiten der Förderungshöchstdauer oder der Altersgrenze, kannst du aber auch selbst einen Wohngeldanspruch haben. Lies dazu auch unseren Artikel zu Wohngeld.

Unterhaltsvorschuss

Nach oben

Solltest du dein Kind allein erziehen und der andere Elternteil kann oder will keinen angemessenen Unterhalt zahlen oder zahlt zu wenig oder unregelmäßig, kannst du beim Jugendamt sogenannten Unterhaltsvorschuss beantragen. Der wird pro Kind unter bestimmten Voraussetzungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr gezahlt.

 Wenn möglich, holt sich das Jugendamt das Geld beim anderen Elternteil dann wieder zurück. Seit dem 1. Juli 2019 beträgt die Höhe des Unterhaltsvorschusses monatlich:

  • 150 Euro für Kinder von 0 bis 5 Jahren
  • 202 Euro für Kinder von 6 bis 11 Jahren und
  • 272 Euro für Kinder von 12 bis 17 Jahren

Unterhaltsleistungen des anderen Elternteiles werden darauf angerechnet. Ausführlichere Infos bekommst du beim zuständigen Jugendamt und auf der Seite des Bundesfamilienministeriums.

ALG II/Sozialhilfe

Nach oben

Seit 2005 stehen "Arbeitslosengeld II" (ALG II, für Erwerbsfähige) und Sozialhilfe (für Menschen, die nicht erwerbsfähig sind) nebeneinander. In bestimmten Fällen können auch Studierende Anspruch auf diese Leistungen haben.

Studierende mit Kind(ern) können für ihr(e) Kind(er) Sozialgeld nach SGB II Paragraf 28 beantragen und bei Schwangerschaft und/oder Alleinerziehung auch während des Studiums einen entsprechenden Mehrbedarf beziehen.

Beurlaubte Studierende können reguläre ALG-II-Leistungen beantragen, da sie nicht als ordentliche Studierende eingeschrieben sind und keinen BAföG-Anspruch haben. Auch Teilzeitstudierende können reguläre ALG-II-Leistungen beantragen, da sie ebenfalls keiner BAföG-förderungsfähigen Ausbildung nachgehen.

Beachte: Kindergeld und Unterhalt(svorschuss) gehen in der Regel in voller Höhe in die Bedarfsberechnung mit ein. Wichtig ist es, sämtliche Leistungen frühzeitig zu beantragen, da sie in der Regel nicht rückwirkend in Anspruch genommen werden können, aber vom JobCenter auch dann als Einkommen angerechnet werden, wenn grundsätzlich ein Anspruch besteht und sie nur wegen einer vergessenen Beantragung nicht bezogen werden.

Da die Beantragung von ALG II nicht ohne Fallstricke ist, sollte man sich vorher bei einer spezialisierten Beratung, der Sozialberatungen des AStAs/StuRas oder beim Studierendenwerk beraten lassen.

Job und krankes Kind

Nach oben

Wer ein krankes Kind bis zum Alter von 12 Jahren hat und außerdem abhängig beschäftigt ist, kann zur Pflege des Kindes zuhause bleiben, wenn das kein anderes Haushaltsmitglied kann. Wenn in dieser Zeit nicht nach Arbeits- oder Tarifvertrag weiter Lohn gezahlt wird, zahlt die gesetzliche Krankenkasse für mitversicherte Kinder in der Regel sogenanntes Kinderkrankengeld.

Voraussetzung ist aber, dass das Kind gesetzlich krankenversichert ist – private Krankenversicherungen zahlen meist nichts. Sind beide Elternteile gesetzlich versichert, jedoch in unterschiedlichen Krankenkassen, so zahlt die Krankenkasse der Person das Kinderkrankengeld, die sich um die Betreuung des kranken Kindes kümmert, auch wenn das Kind beim anderen Kind mitversichert sein sollte.

Pro Kind gilt diese Regelung (mit Ausnahmen) für zehn Arbeitstage im Jahr (je Elternteil), insgesamt aber für höchstens 25 Tage (für alle Kinder je Elternteil). Alleinerziehende haben einen Tage-Anspruch in doppelter Höhe.

Achtung: Wird ein Kind während des Urlaubs krank, gilt der Urlaub trotzdem als genommen. Im Gegensatz zur Regelung für Arbeitnehmer_innen, nach der diese, wenn sie selbst im Urlaub krank werden, die dadurch verlorenen Urlaubstage nachholen können, werden Urlaubstage, in denen man ein krankes Kind beaufsichtigen musste, nicht ersetzt.

Weiterführende Links