Deutscher Gewerkschaftsbund

Vor der Geburt

Unterstützung wird eventuell nach der Geburt gewährt, Anträge sollte man aber frühzeitig stellen: Lies deswegen auch unsere Infos für die Zeit nach der Geburt, unter anderem das Themen ALG II/Sozialhilfe.

Mutterschutz vor der Geburt

Wenn du angestellt bist und schwanger wirst, bist du erst einmal so gut wie unkündbar, sobald dein_e Arbeitgeber_in von deiner Schwangerschaft weiß. Du solltest also deine_n Arbeitgeber_in so früh wie möglich über deine Schwangerschaft informieren. Im Falle einer Kündigung kannst du noch bis zu zwei Wochen nach Zugang der Kündigung bescheid sagen, dass du schwanger bist, damit der besondere Kündigungsschutz greift.

Allerdings ändert die Schwangerschaft nichts an einer (vorher festgelegten) Befristung deines Arbeitsverhältnisses. Eine Schwangerschaft ändert auch nichts an den Festlegungen im Werkvertrag oder im Vertrag für eine freie Mitarbeiterin.

Während der Schwangerschaft gelten für dich besondere, strengere Arbeitschutzregeln, Schwangere dürfen oder müssen nicht mehr alle Arbeiten erledigen, eventuell muss dein_e Arbeitgeber_in dir andere, einfachere Arbeiten zuweisen. Auch Nacht- und Mehrarbeit darf sie/er dir nicht verordnen. Von deiner Schwangerschaft darf dein_e Arbeitgeber_in aber niemandem erzählen. Wenn dir die Arbeit zu anstrengend wird, kann dich dein_e Ärzt_in bis zum Beginn des Mutterschutzes krankschreiben.

Sechs Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin beginnt die Mutterschutzzeit, in dieser Zeit musst du nicht arbeiten.

Falls du dich in einem freiwilligen oder einem Pflichtpraktikum befindest, ist der_die Praktikumsgeber_in natürlich auch an die Mutterschutzregeln gebunden. Anstrengende und gefährliche Tätitgkeiten sind auch für schwangere Praktikantinnen nicht erlaubt. Und innerhalb der gesetzlichen Mutterschutzfrist sollte ein Pflichtpraktikum nicht zwingend fortgesetzt werden - auch wenn es sich nicht um ein Arbeitsverhältnis im Sinne des Mutterschutzgesetzes handelt. Allerdings kann es sein, dass die in der Studienordnung vorgeschriebene Praktikumsdauer nicht erreicht wird, wenn das Praktikum durch Abwesenheit wegen Schwangerschaft verkürzt wird. Am Besten, du informierst dich rechtzeitig beim Prüfungsamt, ob es Sonderregeln für solche Fälle gibt.

Solange dein Arbeitsvertrag läuft, bekommst du während des Mutterschutzes weiter deinen Nettolohn: 13 Euro pro Tag zahlt die Krankenkasse, den Rest die_der Arbeitgeber_in. Bei der Höhe des Lohns werden auch üblicherweise gezahlte Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit berücksichtigt. Allerdings sind die hier nicht - wie üblich - von der Einkommensteuer befreit, weil sie nicht für tatsächlich geleistete Arbeit gezahlt werden. Das gilt (nach § 200 RVO) für alle für Beschäftigten, die selbst Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen (zum Beispiel auch studentisch Versicherte oder freiwillig Versicherte), auch wenn noch manche Krankenkasse das Gegenteil behauptet.

Es gilt hingegen nicht für Beschäftigte, die nicht selbst in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind (zum Beispiel Studentinnen mit Nebenjob, die familienversichert oder privatversichert sind). Ihnen zahlt das Bundesversicherungsamt auf Antrag bis zu 210 Euro "Mutterschaftsgeld" für die Zeit des Mutterschutzes. Der_die Arbeitgeber_in zahlt nichts dazu.

Studentinnen, die mehr als 450 Euro verdienen und lediglich privat krankenversichert sind, erhalten keinen Tagessatz von einer gesetzlichen Krankenkasse, sondern stattdessen nur bis zu 210 Euro Mutterschaftsgeld. Die_der Arbeitgeber_in berechnet seinen_ihren Zuschuss aber so, als wärst du gesetzlich versichert und bekämst den üblichen Kassensatz.

Den Antrag könnt ihr schon vor der Geburt einreichen, allerdings wird er erst bearbeitet, wenn die Geburtsbescheinigung vorliegt.

Urlaubssemester

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Eine Beurlaubung vom Studium wegen Schwangerschaft ist möglich. Bei Antragstellung musst du aber in jedem Fall einen Nachweis über die Schwangerschaft erbringen, zum Beispiel mit dem Mutterschaftspass.

Bafög gibt es im Urlaubssemester nicht. Allerdings kann während der Beurlaubung Sozialhilfe beantragt werden. Sie wird für ein Semester gewährt. Die Höhe ist je nach Antragsteller unterschiedlich.

Ansonsten gibt es beim Thema Urlaubssemester ein paar wichtige Eckpunkte, die immer gelten, ganz gleich, ob es wegen Schwangerschaft oder aus anderen Gründen angetreten wird.

Mutter-Kind-Stiftung

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Um werdende Mütter zu unterstützen, die wenig Geld haben, wurde 1984 vom Bund die Stiftung "Mutter und Kind - Schutz des ungeborenen Lebens", kurz: Mutter-Kind-Stiftung, gegründet.

Sie hilft, wenn andere Sozialleistungen wie zum Beispiel Sozialhilfe, Wohngeld, Mittel aus der Unterhaltsvorschusskasse nicht, nicht ausreichend oder nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen.

Detaillierte Beratung und Antragstellung erfolgen meist im örtlichen Sozialamt oder bei kirchlichen Einrichtungen wie Diakonischem Werk, Caritas, Sozialdienst Katholischer Frauen.

Erkundigt euch beim Sozialamt, der Caritas oder dem Diakonischem Werk, wer die Verteilung der Mittel übernommen hat. Wer nur wenig verdient oder wegen der Schwangerschaft nicht mehr arbeitet, kann - meist in Form einmaliger, in wenigen Fällen auch monatlicher Beihilfen - Geld beantragen, und zwar für Umstandskleidung, Erstausstattung des Kindes, Waschmaschine, Weiterführen des Haushaltes, Einrichtung einer Wohnung, Betreuung des Kindes etc.

Auf diese Zuschüsse besteht jedoch kein Rechtsanspruch, ihre Höhe ist von Fall zu Fall verschieden. Finanzielle Zuwendungen aus der Stiftung dürfen nicht angerechnet werden auf Sozialhilfe, Arbeitslosengeld und -hilfe, Kindergeld, Wohngeld und andere soziale Leistungen.

Aber Achtung: Die Erstausstattung zum Beispiel (dazu gehören die Wiege oder erste Kleidung) muss vom Vater des Kindes bezahlt werden. Hat der kein Geld, kann die Mutter sich an die Mutter-Kind-Stiftung wenden. Wenn der Vater genug verdient oder Vermögen hat, ist der Antrag meist zwecklos.

Achtung auch hier: Einige Stellen zahlen nach Ablauf des dritten Schwangerschaftsmonats nichts mehr aus, andere akzeptieren keine Belege, die vor Antragstellung erstellt wurden. Es lohnt, sich früh zu informieren.

Vorher schon an Nachher denken

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Wer sich rechtzeitig informiert, kann mehr Rente bekommen oder Geld sparen.

Gemeinsame Kindererziehung - Einsame Rentenanrechnung

Wer Kinder erzieht, die seit 1992 geboren wurden, erhöht damit ihren_seinen Rentenspruch. Die ersten drei Jahre nach der Geburt werden der Frau als Kindererziehungszeit angerechnet. Sie wird so gestellt, als hätte sie in der Zeit gearbeitet und das durchschnittliche Einkommen eines Rentenversicherten erzielt.

Erziehen die Eltern das Kind gemeinsam oder ist der Vater dafür zuständig, können die Kindererziehungszeiten zu Gunsten des Vaters statt zu Gunsten der Mutter gehen. Darauf müssen sich die Eltern vorab einigen und dies der Deutschen Rentenversicherung mitteilen.

Uneheliches Kind - Spartipp Vaterschaftsanerkennung

Wenn die Eltern des Kindes nicht verheiratet sind, wird der Vater nur in die Geburtsurkunde eingetragen, wenn er die Vaterschaft auf dem zuständigen Jugendamt anerkannt hat. Ohne Vaterschaftsanerkennung erhält der Vater kein Sorge- oder Umgangsrecht, kein Erziehungsgeld etc., die Mutter keinen Unterhaltsanspruch gegen den Vater. Eine nachträgliche Änderung der Geburtsurkunde ist gebührenpflichtig und kostet ab fünf Euro aufwärts. Wer also vor der Geburt die Vaterschaftsanerkennung beim Jugendamt vornimmt, spart Geld.

Sonstiges

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Alle medizinischen Maßnahmen (Krankenhausbesuche, Medikamente, Heilmaßnahmen, Arztbesuche) wegen einer Schwangerschaft sollten übrigens von der Zuzahlungspflicht befreit sein.

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