Deutscher Gewerkschaftsbund

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Frage PDM, Bafög, KV

Hey,

hier die Grunddaten. Ich bekomme Bafög und bin über 25 in der Studentischen Krankenversicherung in Baden Würtemberg. Meine Frage ist wenn ich bei PDM arbeite und unter 3000€ Übungsleiterpauschale dafür im Jahr bekomme, aber im Monat mehr als Minijob arbeite. Funktioniert das dann mit Bafög und Studentischer Krankenversicherung. Muss ich dann noch weitere Bürokratie machen oder kann ich das dann so belassen also Steuer, Sozialabgaben oder steuererklärungszeug?

A: 17.01.2023 |
  • RE: Frage PDM, Bafög, KV

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du den PDM teamst, kannst du (meiner Erfahrung nach) eigentlich nicht die Übungsleiter*innenpauschale geltend machen. Denn: Gewerkschaften gelten steuerrechtlich weder als öffentlich-rechtliche Institutionen, noch dienen sie als Interessenvertretung der „Förderung gemeinnütziger, mildtätiger oder kirchlicher Zwecke“. Deswegen bist du als Teamer*in einer Gewerkschaft rein formal selbstständig tätig und musst diese Tätigkeit auch beim Finanzamt anmelden. Außerdem musst du deine Einnahmen versteuern bzw. bist verpflichtet, eine Steuererklärung zu machen.

    Nehmen wir mal aber an, dass das Finanzamt deine Tätigkeit über die Übungsleiter*innenpauschale laufen lässt:

    Die Pauschale gilt als steuerfreie Einkunft und ist beim Bafög anrechnungsfrei. Trotzdem muss sie beim Finanzamt als selbstständige Tätigkeit angemeldet werden. Du bist außerdem verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben.

    Außerdem zählen die Einnahmen, die unter die Pauschale fallen, auch in der Sozialversicherung nicht zum Einkommen. Zur Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge werden beide Tätigkeiten also getrennt voneinander betrachten.

    Allerdings gilt als Studierende die 20h-Regel: somit wird die Arbeitszeit aus beiden Jobs (PDM+Midijob) bei der 20h-Regel mit einberechnet.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort im Job. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudent*in oder voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer*in angemeldet. Auf deinen Studierendenstatus innerhalb der Uni hat das alles keinen Einfluss.

    Solange deine regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit (aus allen Jobs zusammen) insgesamt nicht mehr als 20h/Woche beträgt, wirst du im Midijob als Werkstudent*in angemeldet. Dann fallen auf dein Gehalt dort 9,3% Rentenversicherungsbeiträge (RV) an und du musst dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern.
    Sollte deine regelmäßige Arbeitszeit aus allen Jobs über 20h/Woche liegen, entfällt der Werkstudierendenstatus und du wirst voll sozialversicherungspflichtig als Arbeitnehmer*in angemeldet.

    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status im Job ist deine regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit und daran orientiert, ob im Sinne der Sozialversicherung dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Daher gibt es von dieser 20h-Regel auch noch Ausnahmen, nach denen du mehr als 20h/Woche arbeiten kannst, ohne dass sich dein Status von Werkstudent*in auf Arbeitnehmer*in verändert (weil für die SV dann noch immer dein Studium im Vordergrund steht). Dies ist z.B. der Fall, wenn durch befristete Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr aufs Wochenende, nachts oder die Semesterferien fällt.
    Abends/nachts arbeiten alleine, reicht also noch nicht, um eine der Ausnahmen zu erfüllen. Arbeitest du unbefristet mehr als 20h/Woche, wird auch die Zeit, die du abends oder nachts arbeitest, als regelmäßige Arbeitszeit angesehen. Arbeitest du aber nur befristet mehr als 20h/Woche (höchstens ein halbes Jahr, das entspricht 26 Wochen), kann eine der Ausnahmen greifen.

    Ansonsten ist eine volle SV-Pflicht aber gar nicht so schlimm, wie manche denken. Im Werkstudent*innenstatus fallen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV. Du bist dann über den Job krankenversichert und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent*in. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I), auf die Werkstudent*innen sonst keinen Anspruch haben.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Cecilia
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 20.01.2023


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