Deutscher Gewerkschaftsbund

Minijob (Werkstudierender) + einmalige Honorartätigkeit

Hallo ihr Lieben,

erstmal vielen Dank für das Beratungsangebot. Ich habe mich bereits durch einige andere Beiträge durchgelesen, die mir recht viel geholfen haben, aber ich bräuchte trotzdem eure Hilfe.

Ich arbeite neben meinem Vollzeitstudium auf 450€-Basis für 43 Stunden im Monat als Werkstudierender. Mir wurde nun von einem ehemaligen Arbeitgeber die Möglichkeit angeboten für zwei Tage auf Honorarbasis bei ihm mitzuarbeiten, das ganze wäre eine einmalige, freiberufliche Tätigkeit. Dadurch würde ich nicht über den Steuerfreibetrag von 2022 fallen.

Was ich aber dabei nicht ganz verstehe, ist doch, dass diese Honorartätigkeit eigentlich in Steuerklasse 6 abgegolten werden müsste, oder? Das heißt ich müsste diese bei vollen Bezügen besteuern.

Außerdem wurde mir jetzt empfohlen, dass ich einfach ein Kleinunternehmen anmelde und das Honorar dann ohne Steuern in Rechnung stelle. Müsste ich hier trotzdem Steuern (siehe Frage zu Steuerklasse 6) abführen?

Reicht es auch aus, wenn ich einfach meine Steuernummer beantrage oder ist das gar diese Anmeldung zum Kleinunternehmen?

Wie genau funktioniert das, führe ich die Steuern dann einfach "ab" indem ich die normale jährliche Steuererklärung mache und mir das Finanzamt dann sagt, wie viel ich zahlen muss?

Nochmal besten Dank für eure Hilfe und viele Grüße

Luis

Luisch: 13.09.2022 |
  • RE: Minijob (Werkstudierender) + einmalige Honorartätigkeit

    Hallo Luis,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Die unterschiedlichen Lohnsteuerklassen sind dazu da, Arbeitslohn aus abhängiger Beschäftigung vereinfacht zu versteuern und schon beim Lohnsteuereinzug bestimmte Umstände berücksichtigen zu können, die sonst erst mit einer Steuererklärung geltend gemacht werden könnten (wie z.B. Freibeträge, Werbungskosten etc.). Das soll dabei helfen, dass Arbeitnehmer*innen eben nicht alle eine Steuererklärung machen müssen.

    Bei selbstständig Tätigen hingegen ist es so, dass diese üblicherweise erst am Ende des Jahres wissen, was sie tatsächlich verdient haben, welche Ausgaben angefallen sind etc.. Deshalb machen Selbstständige in der Regel im Folgejahr eine Steuererklärung und werden anhand der Angaben dort individuell besteuert. Daher gibt es für Selbstständige gar keine Lohnsteuerklassen.
    Diese sind nur für die Versteuerung von Lohn aus abhängiger Beschäftigung relevant.

    Das heißt, wenn du auf Honorarbasis einer freiberuflichen Tätigkeit nachgehst, spielt die Steuerklasse 6 überhaupt keine Rolle. Das zusätzliche Honorar wird dann erst nach Abgabe deiner Steuererklärung besteuert - sofern du insgesamt über den Steuergrundfreibetrag hinaus verdient hast. Liegt dein steuerpflichtiges Geamteinkommen darunter, fällt keine Einkommenssteuer an.

    Anmelden musst du dich bei Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit aber dennoch. Beim Finanzamt meldest du dich mit dem Formular "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" an. Nach deiner Anmeldung erhältst du eine Steuernummer (das ist etwas anderes als deine Steuer-ID!), die dann zukünftig zwingend auf deine Rechnungen drauf muss.
    Du kannst also erst eine rechtsgültige Rechnung schreiben, wenn du angemeldet bist.

    Wenn du gegen Honorar einer wissenschaftlichen, erzieherischen, unterrichtenden, schriftstellerischen oder künstlerischen Tätigkeit nachgehst, handelt es sich um eine freiberufliche Tätigkeit. Dann musst du nicht zusätzlich noch ein Gewerbe anmelden.
    Handelt es sich aber z.B. um eine kaufmännische, handwerkliche oder eine Verwaltungstätigkeit, musst du dich zusätzlich noch beim zuständigen Ordnungs-/Gewerbeamt anmelden.

    Die sogenannte Kleinunternehmer*innenregel ist nochmal was anderes. Dabei geht es nicht um die Einkommenssteuer, sondern um die Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht. Machst du davon Gebrauch, musst du in deinen Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen und auch keine Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen. Das ist möglich, solange dein Umsatz unter 22.000€/Jahr beträgt. Einkommenssteuer kann aber dennoch anfallen, wenn deine Einkünfte entsprechend hoch sind.
    Die Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht kannst du direkt bei deiner Anmeldung beim Finanzamt veranlassen, indem du im Formular "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" ankreuzt, dass du von der Kleinunternehmer*innenregel Gebrauch machst. Damit bist du dann automatisch Kleinunternehmer.

    Ich hoffe, meine Antworten bringen dir mehr Klarheit. Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium. Weitere Infos zum Thema Steuern findest du hier.

    Und wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 13.09.2022


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