Deutscher Gewerkschaftsbund

Zwei Jobs - mehr als 20h/Woche - steuerliche Behandlung

Liebes Jugend DGB Team,

ich habe seit zwei Jahren einen Werkstudentenjob mit 15h/Woche und 718€/Monat (nach Abzügen).

Da ich im kommenden Semester nur noch 2 Veranstaltungen besuche und gerne noch Praxiserfahrung sammeln und etwas mehr verdienen möchte, möchte ich gerne einen zweiten Nebenjob ausüben und habe nun ein Angebot an der Uni für 8h/Woche bekommen. Der Job wäre befristet auf 5 Monate und ich könnte teilweise im Home Office arbeiten - also auch am Wochenende (so wie bei meinem ersten Werkstudentenjob auch) - zusätzlich fallen die ersten 2,5 Monate das zweiten Jobs in die Semesterferien. Wenn ich das richtig verstehe, sollte ich damit die Regel, dass man nur für max. 26 Wochen im Jahr mehr als 20h/Woche arbeiten darf, wenn diese Arbeit am Wochenende/nachts/Semesterferien stattfindet, erfüllen.

Ich bin mir nur unsicher, wie ich steuerlich am Besten damit umgehe.

Job 1: Werkstudentenstelle mit 15h/Woche - Brutto 777,60€ - abzüglich RV: 718,10

Jobs 2: wissenschafltiche Hilfskraft mit 8h/Woche - Brutto 369,75€

Mit Job 1 bin ich in Steuerklasse 1, mit Job 2 würde ich ja in Steuerklasse 6 fallen. 

Wäre es besser für Job 2, der ja einkommensmäßig ein Minijob ist, die pauschale Versteuerung von 2% zu beantragen und dort auf RV Beiträge zu verzichten? Diese zahle ich ja über meinen Job 1 ein. Oder ist das bei dieser Konstellation so gar nicht möglich?

So oder so, komme ich ja über den Steuerfreibetrag und müsste mir die Steuern dann teilweise über die Steuererklärung wiederholen oder?

Vielen Dank für eure Hilfe und liebe Grüße, Sophie :-)

Sophie: 23.06.2022 |
  • RE: Zwei Jobs - mehr als 20h/Woche - steuerliche Behandlung

    Hallo Sophie,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    So wie du es beschreibst, könnte deine geplante Jobkombination tatsächlich unter die Ausnahmen der 20h-Regel fallen.
    Das muss im Zweifel aber dein*e Arbeitgeber*in im Werkstudijob - anhand deiner Angaben - entscheiden.

    Der zweite Job ist ein Minijob, solange du dort nicht mehr als 450€/Monat verdienst (bzw. ab Oktober 520€/Monat). Dieser muss auch als solcher abgerechnet werden. Minijob fallen nur 3,6% Rentenversicherungsbeiträge an, wofür du aber die vollen Rentenanspruch erwirbst. Wenn du dich befreien lässt, erwirbst du dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. Da 3,6% nicht viel ist, überleg dir gut, ob du dich deshalb tatsächlich befreien lassen willst. Weitere Sozialversicherungsabgaben fallen im Minijob grundsätzlich nicht an.

    Ob der Minijob dann auch pauschal mit 2% versteuert wird, musst du mit der Uni klären. Die entscheidt als Arbeitgeberin über die Art der Versteuerung. Wenn du aber gleich um Pauschalversteuerung bittest, fällt mir kein Grund ein, warum die das ablehnen sollten. Das Gehalt aus dem Minijob zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi noch obendrauf dazuverdient werden.

    Wird der Minijob aber über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in die ungünstige Lohnsteuerklasse 6. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 10.347€/Jahr (plus 1200€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine oder geringere Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest oder nur leicht drüber kommst.
    Du kannst aber im Folgejahr mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    In der Steuererklärung kannst du dann auch noch Vorsorgeaufwendungen und ggf. Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten geltend machen, so dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, auch bei einem Gesamtbruttoeinkommen von 13.000 oder 14.000 € im Jahr noch keine Einkommenssteuer zahlen zu müssen.

    Nun nochmal zurück zur Sozialversicherung: Sollte festgestellt werden, dass die Kombi beider Jobs doch nicht unter die Ausnahmen zur 20h-Regel fällt, ist das nicht schlimm.
    Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Studierendenstatus innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss. Du musst dann nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

    "Schlimmstenfalls" entfällt dann der Werkstudistatus im ersten Job - was für dich aber finanziell sogar vorteilhafter wäre als eine Abrechnung als Werkstudentin.
    Im Werkstudent*innenstatus fallen aufs Gehalt nämlich 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 110€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an und die SV-Beiträge werden für dich im Midijob sogar noch günstiger berechnet. Du wärst dann über den Job renten-, kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert! Außerdem würdest du so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erwerben, auf die Werkstudent*innen sonst keinen Anspruch haben.

    Du siehts, ein Wegfall des Werkstudistatus wäre für dich bei der Höhe deines Gehalts sogar deutlich günstiger. Beim Minijob bliebe sowieso alles gleich - egal ob du im ersten Job als Werkstudentin oder voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet wärst.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 23.06.2022


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