Deutscher Gewerkschaftsbund

Steuerabgabe während des Pflichtpraktikums

Hallo, 

ich werde bald mein Pflichtpraktikum machen, bin mir aber nicht sicher, ob ich für diesen Zeitraum Steuern zahlen muss (1.000 Bruttogehalt). In diesem Jahr habe ich aber schon jeweils pro Monat 112 € als Gehalt erhalten und ich bin mir jetzt nicht sicher, wie das mit den Steuern zusammenhängt (ob ich unter dieser Grenze von 8.000 € liege oder nicht). 

Bin über jede Hilfe dankbar. 

keks_123: 23.06.2022 |
  • RE: Steuerabgabe während des Pflichtpraktikums

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Bei einem Pflichtpraktikum handelt es sich formal nicht um ein Arbeitsverhältnis, sondern um einen Teil deines Studiums. Erhältst du eine Praktikumsvergütung, ist diese sozialversicherungsfrei, aber steuerpflichtig.

    Was in deinem Fall nun genau steuerlich passiert, hängt davon ab, wie dein anderer Job versteuert wird. Solange du dort nicht mehr als 450€/Monat verdienst, handelt es sich um einen Minijob.
    Dieser wird in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi noch obendrauf dazuverdient werden.

    Wird der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet, fällst du dort mit Aufnahme des Praktikums (das dann als "Hauptjob" gilt) in die ungünstige Lohnsteuerklasse 6. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Einkünfte über deine Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 10.347€/Jahr (plus 1200€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine oder geringere Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleibst.
    Du kannst aber im Folgejahr mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    Wenn das Praktikum beendet ist und dein Minijob nicht eh Ppauschal versteuert sein sollte, kannst du mit diesem danach wieder in die LSK 1 zurückwechseln.

    Beachte allerdings auch die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung in Höhe von 470€/Monat (das entspricht unter Berücksichtigung der Werbungskostenpauschale 570€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Da du während der Dauer des Praktikums mehr verdienst, wirst du dich voraussichtlich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 110€/Monat) müssen.Um unnötige Nachzahlungen zu vermeiden, setz dich am besten rechtzeitig mit deiner Krankenkasse in Verbindung.
    Auch hier kannst du nach Beendigung des Praktikums, wenn die Voraussetzungen wieder vorliegen, in die Familienversicherung zurückwechseln.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 23.06.2022


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