Deutscher Gewerkschaftsbund

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Honorartätigkeit + Minijob

Hallo Ihr Lieben,

ich bin ziemlich verzweifelt, weil ich mich mit dem ganzen Zeug hier gar nicht auskenne:

Ich arbeite seit bald einem Jahr als Werkstudentin (600 Eur/Brutto), ab diesem Monat wird dieser Job jedoch auf einen Minijob runtergestuft. Studentin bin ich allerdings noch immer. Zusätzlich arbeite ich seit zwei Monaten nebenher auch auf Honorarbasis als Sozialarbeiterin (im Schnitt so etwa 1000-1200 Euro monatlich, je nach Stundenzahl). 

Wie wirken sich diese Tätigkeiten aufeinander aus? Was muss ich bedenken? Wem muss ich was melden? Da ich noch nie selbstständig war, habe ich auch noch keine Steuernummer (beantragt). Mein Auftraggeber (für die Honorartätigkeit) meinte, das sei noch nicht nötig, weil es eh einen Freibetrag gebe. Stimmt das? Oder verdiene ich vielleicht schon zu viel? Ich habe wie gesagt davor noch nie selbstständig gearbeitet und weiß gerade nicht, was ich formell alles erledigen muss und was für Abgaben (und in welcher Höhe) da noch auf mich zukommen werden. Was ist mit der Rentenversicherung & Co? Muss ich da irgendetwas veranlassen? 

Ich bin für jede Erklärung / jeden Rat sehr dankbar! 

Liebe Grüße

Olga

Olga: 20.04.2022 |
  • RE: Honorartätigkeit + Minijob

    Hallo Olga,

    vielen Dank für deine Anfrage!

    Erstmal ein paar Infos zur Selbstständigkeit, die du unbedingt beachten solltest. Die Info, dass du dich beim Finanzamt erst später melden musst, stimmt nämlich so nicht und könnte später auch zu Problemen führen.

    Also erstmal bist du als Selbstständige deine eigene Chefin und somit für alles selbst verantwortlich: die korrekte Anmeldung beim Finanzamt und bei der Sozialversicherung. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

    Wenn du gegen Honorar einer wissenschaftlichen, erzieherischen, unterrichtenden, schriftstellerischen oder künstlerischen Tätigkeit nachgehst, handelt es sich um eine freiberufliche Tätigkeit. Dann musst du nicht zusätzlich noch ein Gewerbe anmelden.
    Handelt es sich aber z.B. um eine handwerkliche oder eine Verwaltungstätigkeit, musst du dich zusätzlich noch beim zuständigen Ordnungs-/Gewerbeamt anmelden.
    Beim Finanzamt meldest du dich mit dem Formular "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" an. Nach deiner Anmeldung erhältst du eine Steuernummer (das ist etwas anderes als deine Steuer-ID!), die dann zukünftig zwingend auf deine Rechnungen drauf muss.
    Du kannst also erst eine rechtsgültige Rechnung schreiben, wenn du angemeldet bist.

    Sodann gibst du deine selbstständige Tätigkeit auch bei der Sozialversicherung an, die dich entweder als nebenberuflich selbstständig oder hauptberuflich selbstständig einstuft. Davon hängt dementsprechend auch ab, ob du dich als Selbstständige krankenversicherung musst oder weiterhin studentisch versichert sein kannst.

    Einkommenssteuer zahlst du erst für den Teil deines Einkommens, der den Freibetrag von aktuell 9.984 Euro pro Kalenderjahr überschreitet. Dabei wird dein Einkommen aus abhängiger und selbstständiger Tätigkeit gemeinsam betrachtet. Als Einkommen zählt bei Selbstständigen nur der Gewinn, du kannst also alle Ausgaben von den Einnahmen abziehen. Dein Einkommen teilst du dem Finanzamt mit einer Steuererklärung mit, wenn du über dem Freibetrag verdient hast. Meistens musst du aber auch eine einreichen, wenn du weniger verdient hast. Zum Beispiel, wenn du neben einer abhängigen Beschäftigung mehr als 410 Euro pro Jahr (!) aus einer selbstständigen Tätigkeit verdient hast. Oder immer dann, wenn das Finanzamt dich dazu auffordert.

    Neben der Einkommensteuer fällt auch Umsatzsteuer an, wenn du im vergangenen Jahr mehr als 17.500 Euro Umsatz hattest und im laufenden Jahr voraussichtlich mehr als 50.000 Euro Umsatz haben wirst. Wenn du vorhersehbar einen geringeren Umsatz haben wirst, kannst du gleich mit der Anmeldung beim Finanzamt die Befreiung von der Umsatzsteuer beantragen. Du machst dann Gebrauch von der Kleinunternehmer_innenregelung und musst das auch entsprechend so in deinen Rechnungen kennzeichnen.

    Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab. Ggf. brauchst du eine Berufshaftpflicht, wirst rentenversicherungspflichtig oder musst Mitglied einer Kammer werden.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https://jugend.dgb.de/-/Xgf sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Cecilia
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 10.05.2022


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