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Jobs und Steuern

Hallo,

Seit längerem arbeite ich als Nachhilfelehrer, hier bin ich auf Honorarbasis angestellt. Seit zwei Wochen habe ich einen zweiten Job begonnen, bei welchem ich als Übungsleiter angestellt bin.

Jeweils beziehe ich das Gehalt steuerfrei. Muss ich meine Honkrartätigkeit nun versteuern.? Was muss ich beachten, das heißt wie viel darf ich maximal im Jahr verdienen um Familienversichert und hauptberuflich Student zu bleiben.?

Über Antworten und Hinweise freue ich mich. 

Vielen Dank.

R.

R. : 29.03.2021 |
  • RE: Jobs und Steuern

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du auf Honorarbasis arbeitest, bist du in der Regel nicht angestellt, sondern selbstständig tätig.
    Formal bist du dann quasi dein eigener Chef und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich, falls welche anfallen (Stichwort Steuererklärung). Einkommenssteuer wird allerdings erst fällig, wenn du oberhalb Steuergrundfreibetrag des verdienst.

    Wenn du gegen Honorar einer unterrichtenden Tätigkeit nachgehst, handelt es sich um eine freiberufliche Tätigkeit. Dann musst du nicht zusätzlich noch ein Gewerbe anmelden.
    Beim Finanzamt meldest du dich mit dem Formular "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" an. Nach deiner Anmeldung erhältst du eine Steuernummer (das ist etwas anderes als deine Steuer-ID!), die dann zukünftig zwingend auf deine Rechnungen drauf muss.
    Du kannst also erst eine rechtsgültige Rechnung schreiben, wenn du angemeldet bist.

    Mit dem "zweiten Job" hast du dann auch formal keinen Zweitjob, sondern einen zweiten Auftrag und entsprechend auch nicht zwei Arbeit-, sondern zwei Auftraggeber_innen - innerhalb eines Jobs (deiner selbstständigen Tätigkeit).

    Auch bei deiner Krankenkasse musst du die Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit melden. Solange du von dieser als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe familienversichert bleiben. Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 470€/Monat ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat).
    Eine eindeutige Grenze gibt es hier nicht, je nach Einkommenshöhe kannst du auch schon mit unter 20h/Woche als hauptberuflich selbstständig eingestuft werden - da musst du dann aber schon eine Menge verdienen.
    Wenn du mehr als 450€/Monat verdienst, musst du dich außerdem bei der Deutschen Rentenversicherung melden. Freiberufliche Lehrtätigkeiten sind nämlich rentenversicherungspflichtig.
    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant. Hier kannst du auch von der Übungsleiter_innenpauschale profitieren. Über die Übungsleiter_innenpauschale kannst du bis zu 3000€/Jahr zusätzlich zum Steuerfreibetrag (aktuell 9744€/Jahr) steuerfrei dazuverdienen. Einkommen, das unter die Übungsleiter_innenpauschale fällt, wird bei der Familienversicherung und bei der Rentenversicherungspflicht nicht miteingerechnet.

    Beachte außerdem, dass für Selbstständigen die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das 2,5fache dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 29.03.2021


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