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Werkstudentenjob neben Pflichtpraktikum

Hallo,

neben meinem Studium arbeite ich zur Zeit als Werkstudentin 20 Stunden/Woche im Einzelhandel (ca. 950€ netto +gegebenenfalls Zuschläge). In ein paar Monaten habe ich seitens der Uni mein sechsmonatiges Pflichtpraktikum zu absolvieren. Dieses umfasst ca. 37 Stunden/Woche (Vollzeitpraktikum). Da ich beim Praktikum "nur" 350€ pro Monat erhalte, würde ich gerne weiterhin nebenbei meinen Werkstudentenjob ausüben (der mit 20 Stunden/Woche).

1. Ist dies möglich? (Also wenn es für mich nicht zu viel ist)
2. Muss ich dann mehr Abgaben zahlen? Oder ist das Pflichtpraktikum sv-frei und es bleibt bei meinen bisherigen Abgaben?

3. Muss ich meinem Praktikumsgeber und Arbeitgeber jeweils vom anderen in Kenntnis setzen?

4. Muss ich das der Krankenkasse melden (da ich ja dann 350€ mehr pro Monat verdiene)?

Vielen Dank für die Beantwortung im Voraus!

juju: 14.01.2021 |
  • RE: Werkstudentenjob neben Pflichtpraktikum

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    1.) Grundsätzlich ist es schon möglich, neben einem Vollzeit-)Pflichtpraktikum noch einen Job als Werkstudentin auszüben. Allerdings nicht in dem Stundenumfang.
    Die Regelungen nach dem Arbeitszeitgesetz sehen vor, dass du nicht mehr als 8h/Tag (10h/Tag bei Ausgleich) bei einer 6-Tage-Woche und damit nicht mehr als 48h/Woche abhängig beschäftigt werden darfst.
    Bei einem Pflichtpraktikum handelt es sich zwar eigentlich nicht um ein Arbeitsverhältnis, sondern um einen Teil deines Studiums. Da es hier aber um deinen Gesundheitsschutz geht, zählen auch Pflichtpraktika mit hinein.

    Übst du an 37h/Woche dein Pflichtpraktikum aus, kannst du also noch maximal 12h/Woche nebenbei als Werkstudentin arbeiten. Auch die gesetzlichen Pausen- und Ruhezeiten sind dabei einzuhalten. Du müsstest dann für die Zeit des Praktikums deinen Job entsprechend reduzieren.
    Vielleicht ist ja eine temporäre Teilfreistellung möglich, so dass du direkt nach dem Praktikum wieder auf deine 19h/Woche kommst? Sprich darüber am besten mal direkt mit deine_r/m Arbeitgeber_in.
    Je nachdem, wie groß das Unternehmen ist, kannst du ggf. auch Brückenteilzeit nehmen. Dann hast du einen Rechtsanspruch auf Rückkehr zu deiner alten Stundenzahl. Haken: Die Brückenteilzeit muss mindestens  1 Jahr lang andauern.
    Eine andere Alternative wäre zu schauen, ob es die Möglichkeit gibt, das Pflichtpraktikum mit reduzierter Wochenstundenzahl, aber dafür etwas länger zu absolvieren.

    2.) Die Stunden im Pflichtpraktikum zählen nicht als Arbeitszeit, sondern als Zeit für dein Studium und somit nicht in die 20h-Regel mit hinein. Das Pflichtpraktikum hat also keinen Einfluss auf deinen Status als Werkstudentin. Erhältst du eine Praktikumsvergütung, ist diese sozialversicherungsfrei (aber ggf. steuerpflichtig).

    3.) Ja, das musst du unbedingt. Gesetzlich sind deine Arbeit- bzw. Praktikumsgeber_innen für deine korrekte Anmeldung in der Sozialversicherung und beim Finanzamt zuständig. Damit sie dieser Pflicht auch nachkommen können, musst du ihnen alles für deine Anmeldung relevante mitteilen.

    4.) Deiner Krankenkasse musst du das nicht melden. Die Krankenversicherung ist Teil des Sozialversicherungssystems, da heißt, dass dich deine Arbeit- bzw. Praktikumsgeber_innen dort melden. Deine Krankenkasse weiß dann schon Bescheid.
    Da das Pflichtpraktikum keinen Einfluss auf deinen Werkstudent_innenstatus hat, kannst du auch in der Kombi weiterhin ganz regulär studentisch kranken- und pflegeversichert bleiben.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Tipp: Sollte es Probleme mit deinem Job geben und die dir keine Stundenreduzierung bewilligen wollen, hier der Hinweis darauf, dass du ggf. einen gesetzlichen Anspruch auf Verringerung deiner Arbeitszeit nach §8 Teilzeit- und Beristungsgesetz hast. Allerdings kannst du dann nicht einfach so wieder auf deine alte Studnenzahl zurück.
    Sollten alle Stricke reißen und du nur das Pflichtpraktikum ausüben, kannst du ggf. wieder zurück in die Familienversicherung. Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 470€/Monat (das entspricht ca. 553€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Sinkt dein Einkommen entsprechend, ist ein Wechsel möglich.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 14.01.2021


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