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Minijob neben Studium

Hallo, 

mich hätte eine Frage und zwar: Ich bin Studentin und übe derzeit einen 450€ Job aus, welcher nicht versteuert wird, da ich keine anderen Jobs habe. Nun steht mir ein weiterer 450€ Job in Aussicht, jedoch würde ich dann ja Steuern zahlen müssen. Meine Frage ist nun, ob ich dann in die Steuerklasse 6 komme( da ich momentan in der 1 bin)? Würden dann die Verdienste der beiden Jobs zusammengerechnet werden und gemeinsam versteuert werden? Oder nur der zweite 450€ Job? Wie wäre es wenn der erste Job ein 450€ Job also minijob bleibt und der zweite ein midijob? Welche Steuerklasse wäre ich dann und mit wie viel steuern müsste ich rechnen? Nun gibt es ja auch die Möglichkeit die zwei Minijobs pauschal zu versteuern, demnach würde der erste minijob mit 2% versteuert werden und der zweite minijob mit 20%? Eventuell könnten Sie mir auch mitteilen, wie es denn dann mit der Krankenversicherung ist, da ich momentan familienversichert bin? Vielen Dank im Voraus für ihre Antworten 

jsek00: 11.01.2021 |
  • RE: Minijob neben Studium

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du in beiden Jobs nicht mehr als jeweils 450€/Monat verdienst, handelt es sich bei beiden um geringfügige Beschäftigungen/Minijobs. Diese werden in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet. Kommst du dann insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs. Dann kann auch keiner der Jobs pauschal versteuert werden.

    Doch bleiben wir erstmal bei der Sozialversicherung:
    Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du in beiden als Werkstudentin angemeldet. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an.
    Bis zur Grenze von 1300€/Monat wird aber nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der Rentenversicherungsbeiträge heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Das nennt sich Übergangsbereich bzw. Midijob. Wie groß dieser Anteil im Werkstudijob ist, kannst du mit unserem Midijobrechner ausrechnen (gib hier dein Gehalt aus beiden Jobs zusammen ein).

    Einen Job als Minijob anzumelden und den anderen als Midijob ist nur möglich, wenn du in einem nicht mehr als 450€/Monat und im anderen über 450€/Monat verdienst. Solange du in beiden jeweils nicht mehr als 450€/Monat verdienst, ist das ausgeschlossen.
    Sollte es möglöich sein, dass du einen der Jobs so aufstockst, dass du dort über 450€/Monat verdienst, der Job also zum Midijob werden, fallen die 9,3% Rentenversicherungsbeiträge nur auf das gehalt des Midijobs an. Beim Minijob bleibt dann alles wie bisher.

    In der gesetzlichen Familienversicherung liegt die Einkommensgrenze bei 470€/Monat (das entspricht ca. 553€/Monat brutto) ODER 450€/Monat im Minijob. Verdienst du insgesamt mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat). Hier ist es egal, ob du mit zwei Minijobs, die zusammen einen Midijob ergeben, mehr verdienst oder mit der Kombi aus Mini- und Midijob.

    Nun zum Thema Steuern:
    In der Kombi aus zwei (für sich betrachtet) Minijobs, die zusammen mehr als 450€/Monat bringen, müssen beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über deine Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. Das Geld ist also nicht weg, die Auszahlung verzögert sich quasi.
    Wie hoch der Lohnsteuereinzug bei dem Job über LSK 6 ausfällt, können wir nicht einschätzen, da das an der Gehaltshöhe liegt. Um einen Eindruck zu bekommen, kannst du aber die gängigen Brutto-Netto-Rechner im Internet nutzen. Dort musst du lediglich die LSK 6 anklicken und bei der Abfrage zu den Sozialversicherungsbeiträgen überall "nicht versichert" oder "privat versichert" anklicken - außer bei der Renetnversicherung, dort gibst du "gesetzlich versichert" an.

    Das alles trifft so auch auf die Kombi aus Mini- und Midijob zu, wenn beide über die Steuer-ID abgerechnet werden. Nur wenn der Minijob tatsächlich pauschal mit 2% versteuert wird, zählt das Gehalt daraus nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.

    Und noch ein Tipp: Um den doch recht hohen Steuereinzug über deine LSK 6 zu vermeiden, kannst du versuchen, beim zuständigen Finanzamt einen Übertrag eines Teils deines Freibetrags auf die LSK 6 zu beantragen. Schau mal hier unter Freibeträge flexibel handhaben. Wenn das klappt, kannst du auch zwei Jobs über deine Steuer-ID ohne oder zumindest mit geringeren Lohnsteuereinzügen ausüben.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 12.01.2021


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