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Midijob, Minijob und Honorartätigkeit als Student

Hallo ihr Lieben, ich habe eine dringende Frage. Vorab: ich bin Privat studentisch versichert.
Ich habe gerade einen Midijob, bei dem ich 10h pro Woche arbeite und ca. 550€ im Monat verdiene. Das ist mein Hauptnebenjob, also geht über Steuerklasse 1. Da ich in diesem Job bis zu 1300€ verdienen dürfte, habe ich noch einen 450€ angenommen, bei dem ich ca 6hpro Woche und nur ca. 240€ im Monat verdiene. Über welche Steuerklasse läuft der dann?
Zusätzlich möchte ich noch eine Honorartätigkeit als Pädagogische Aushilfe in einem Kindergarten annehmen, bei dem ich ca. 12h pro Woche arbeiten würde, ich bekomme dort 12€ pro Stunde. Darf ich das überhaupt als Studentin oder darf ich garnicht so viel pro Woche arbeiten, damit das als nebenberuflich gilt?...oder gilt diese Regelung garnicht für Studenten? Über welche Steuerklasse geht das und wie funktioniert das mit dem Finanzamt? Oder funktioniert das über einen jährlichen Freibetrag?
Bis jetzt hatte ich noch nie eine Honorartätigkeit und musste bei der einfachen Steuererklärung nichts weiter beachten...
Ich freue mich auf eure Rückmeldung!

Liebe Grüße
Mailin

Mailin: 18.11.2020 |
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  • RE: Midijob, Minijob und Honorartätigkeit als Student

    Hallo Mailin,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

    Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung dann hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Jobs und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

    Ich versuch das mal aufzudröseln:
    Kombinierst du einen Midijob (450,01 bis 1300€/Monat) mit einem Minijob (bis 450€/Monat), werden beide in der Sozialversicherung getrennt betrachtet und nach den jeweils für die Jobart geltenden Regelungen abgerechnet.
    Solange du mit allen Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du im Midijob als Werkstudentin angemeldet. Dann fallen auf dein Gehalt dort nur die 9,3% Rentenversicherung (RV) an.

    Was steuerlich passiert, kommt darauf an, wie dein Minijob versteuert wird. Minijobs werden nämlich in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi "steuerfrei" obendrauf dazuverdient werden!

    Wird dein Minijob aber über deine Steuer-ID abgerechnet, fällst du dort in die ungünstige Lohnsteuerklasse 6. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über deinen Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest oder nur leicht drüberkommst.
    Du kannst aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    Um den doch recht hohen Steuereinzug über deine LSK 6 zu vermeiden, kannst du auch versuchen, beim zuständigen Finanzamt einen Übertrag eines Teils deines Freibetrags auf die LSK 6 zu beantragen. Schau mal hier unter Freibeträge flexibel handhaben.

    Ob und wenn ja, welche Auswirkungen bereits diese Kombi auf deine Krankenversicherung haben könnte, können wir nicht einschätzen. Private Krankenversicherungen unterliegen nicht den Regelungen der Sozialgesetzgebung, Einkommens- und Altersgrenzen aus der gesetzlichen Familienversicherung müssen nicht gelten. Ausschlaggebend ist euer Versicherungsvertag. Erkundige dich dazu am besten direkt bei eurer PKV.

    Wenn du dann noch eine zusätzliche selbstständige Tätigkeit aufnimmst und somit deine regelmäßge Arbeitszeit über 20h/Woche liegt, entfällt der Werkstudent_innenstatus in der Sozialversicherung.
    Das bedeutet, dass von deinem Gehalt im Midijob dann nicht mehr nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, sondern auch in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV) - insgesamt ca. 20%. Du bist dann über den Job gesetzlich krankenversichert und zudem auch arbeitslosenversichert, die private KV entfällt.
    Damit dich deine Arbeitgeber_innen korrekt anmelden können, musst du beiden jeweils alle deine anderen Jobs melden.

    Die Selbstständigkeit selbst wird nach eigenen Regeln abgerechnet. Denn wenn du selbstständig tätig bist, bist du in dem Bereich quasi deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich, falls welche fällig werden (Stichwort Steuererklärung).

    Der Steuergrundfreibetrag für die Einkommenssteuer beträgt 9408€/Jahr (2020). Wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und zwar auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben etc.) übersteigt.
    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant. Hier gibt es keine Steuerklassen. Eine eventuelle Steuerschuld errechnet sich erst im Folgejahr anhand deiner Steuererklärung und wird mit dem in abhängiger Beschäftigung ggf. erfolgten Lohnsteuereinzug verrechnet. Zur Sicherheit solltest du also einen Teil deiner Einkünfte aus der selbstständigen Tätigkeit zurücklegen.

    Dann gibt es noch die Umsatzsteuer. Hier ist nicht dein Gewinn, sondern dein Umsatz ausschlaggebend. Liegt dieser unter 22.000€/Jahr, kannst du von der sogenannten Kleinunternehmer_inenregel Gebrauch machen. Dann musst keine Umsatzsteuer ausweisen und vorabführen.
    Dass du die Kleinunternehmer_innenregel anwenden möchtest, kannst du direkt bei deiner Anmeldung beim Finanzamt angeben.

    In der Sozialversicherung gibt es besondere Regelungen für Selbstständige. Solange du von deiner Krankenkasse als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du in der Kombi ausschließlich über deinen Midijob krankenversichert sein. Hauptberuflich Selbstständige müssen sich selbst als solche krankenversichern. Manche Selbstständige sind außerdem rentenversicherungspflichtig (mit 18,6%). Dazu gehören auch freiberufliche Pädagogische Tätigkeiten. Hier musst du dich bei der Deutschen Rentenversicherung anmelden.

    (Fortsetzung aus technischen Gründen in Folgeantwort)

    dgb-jugend: 20.11.2020


  • RE: Midijob, Minijob und Honorartätigkeit als Student

    Beachte außerdem, dass für Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 20.11.2020


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