Deutscher Gewerkschaftsbund

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Arbeitszeit als Werkstudent

Hallo ihr Lieben,

Liebes IG Metall-Team,

Ich arbeite seit Oktober als Werkstudent.
Die Arbeitszeit ist ja während des Semesters auf 20 Stunden pro Woche festgelegt.
Trotz meines Vertrags von 19,5 Stunden die Woche teilt mich mein Arbeitgeber nach belieben ein.
So arbeite ich eine Woche beispielsweise 13 Stunden, eine andere wieder 26 Stunden, sodass am Ende zwar die korrekte Anzahl der monatlichen Stunden gewährleistet ist, edoch das Prinzip der 20 Stunden Woche ignoriert wird.
Die Abteilung, die bei uns für die Abrechnung zuständig ist, hat mir versichert, dass dies keine steuerlichen Nachteile mit sich bringt und ich trotzdem von den Sozialabgaben befreit bin. Jedoch möchte ich mich lieber noch einmal bei euch absichern.
Könnt ihr mir da bitte weiterhelfen?

N.: 27.10.2020 |
  • RE: Arbeitszeit als Werkstudent

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal sind die Bereiche Sozialversicherung, Steuern und Arbeitsrecht zu unterscheiden.

    Sozialversicherung:
    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort im Job. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudent oder als voll sv-pflichtiger Arbeitnehmer angemeldet.

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Man ist dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe könnte eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich sein als der Status als Werkstudent oder zumindest nicht sehr viel teurer, so dass du dir keine Sorgen machen musst, falls sich dein Status doch ändern sollte. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.

    Die Einschätzung, in welchem Status du in der SV anzumelden bist, obliegt deinen Arbeitgeber_innen. Wenn du der Ansicht bist, dass du nicht korrekt angemeldet bist und eigentlich durch die scheinbar häufiger vorkommende Überschreitung der 20h/Woche voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer anzumelden wärst, kannst du bei der Deutschen Rentenversicherung ein Statusfeststellungsverfahren beantragen. Dort wird das dann rechtssicher geprüft. Solange weder du noch dein_e Arbeitgeber_in ein solches Verfahren beantragen und im Schnitt die 20h/Woche nicht überschritten wird, bleibt für dich alles wie bisher.

    Steuern:
    Hier spielt weder die 20h-Regel noch dein Studierendensttaus eine Rolle. Ausschlaggebend ist, wieviel du verdienst.

    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und zwar auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. Je mehr du verdienst, desto höher steigt dein Steuersatz.
    Ausführlicheres zum Thema Steuern kannst du hier nachlesen.

    Arbeitsrecht:
    Normalerweise ist es so, dass das, was im Arbeitsvertrag zur Arbeitszeit geregelt ist, für beide Seiten gilt. Sind 19,5h/Woche fest vereinbart und greifen keine abweichenden Gleitzeitregeln, tarifvertragliche Regelungen oder eine Betriebsvereinbarung, musst du auch nur 19,5h/Woche arbeiten und nicht die eine Woche weniger, die andere mehr. Auch die Lage deiner Arbeitszeit kann im Arbeitsvertrag bereits fest geregelt sein. Was für dich gilt, hängt aber an den konkreten Formulierungen im Arbeitsvertrag, das lässt sich aus der Ferne nicht einschätzen. Hier solltest du bei deiner Gewerkschaft deinen Arbeitsvertrag prüfen lassen. 
    Wenn es bei euch einen Betriebsrat gibt, kannst du auch dort mal nachfragen.

    Wenn es dir nur um den Bereich Sozialversicherung geht und du sonst kein Problem damit hast, dass deine tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit schwankt, kannst aber auch alles so belassen wie bisher.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich persönlich bei deiner Mitgliedsgewerkschaft beraten lassen oder dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook!
    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 27.10.2020


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