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HiWi und Nebenjob - wie anmelden, damit keine Probleme mit Studentenstatus und Steuern

Liebes Beraterteam,

Corona bedingt hat sich meine Studium etwas verschoben, weswegen ich nun im 7. FS Bachelor bin. Ich bekomme kein BAföG. Nun habe ich einen HiWi-Vertrag angeboten bekommen über 85 h im Monat von Mitte Oktober bis Ende Februar. Diesen Vertrag würde ich sehr gerne annehmen. Jedoch arbeite ich seit Dezember 2019 auf 450 € Basis auf (Wochen-/Weihnachts-) Märkten. Die letzten Monate fanden keine Märkte statt und Weihnachtsmärkte sind ungewiss, weswegen ich seit März auch kein Einkommen hatte. Angemeldet war ich aber weiterhin. Nun stellt sich die Frage, wie muss mich mein Markt-Chef ummelden, damit ich meinen Studentestatus für die Sozialversicherung nicht verliere und die Uni als auch mein Markt-Chef, keine zusätzlichen Abgaben für mich leisten muss, da ich ja von ihr vergleichsweise mehr Geld bekomme als vom Markt. Wie viele Stunden (oder Gehalt) dürfte ich denn dann noch im Dezember auf dem Weihnachtsmarkt arbeiten. Steuerlich müsste das Konstrukt leider auch noch irgendwie händelbar sein. Steuererklärungen sind kein Problem, sofern was dabei herauskommt... ;)


Zusätzlich stellt sich mir die Frage, ob es vlt nicht praktischer wäre, wenn mein Markt-Chef mich ab jetzt abmeldet und erst wieder im Dezember anmeldet, falls Weihnachtsmärkte überhaupt stattfinden. Dann müsste ich auch auf dem Uni-Vertrag jetzt keinen momentanen Nebenjob angeben und könnte diesen nachreichen, oder?

Ist leider ein wenig verzwickt, da es so langsam ohne Einnahmen schwierig wird und ich meinen flexiblen Job auf dem Markt nicht verlieren möchte, gleichzeitig den sicheren Job an der Uni annehmen möchte (muss). Ich entschuldige mich für eventuelles Chaos im Text, hoffe aber, dass das Problem trotzdem verstanden wird.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir eine Antwort hätten. Alleine habe ich mich im Labyrinth der Regularien und Möglichkeiten völlig verirrt. Vielen herzlichen Dank im Voraus.

L. Anna

L. Anna: 14.10.2020 |
  • RE: HiWi und Nebenjob - wie anmelden, damit keine Probleme mit Studentenstatus und Steuern

    Hallo Anna,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Studierendenstatus innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

    Kombinierst du nun einen Job als Werkstudentin mit einem 450€-Minijob, bleibt der Minijob für dich sozialversicherungsfrei.
    Ob der Minijob Einfluss auf deinen Job an der Uni hat, hängt davon ab, ob/wieviel du tatsächlich arbeiten wirst. Solange du einen Minijob mit Null Stunden und ohne Einkommen neben deinem Job an der Uni hast, ist das für deine sozialversicherungsrechtliche Beurteilung genau so, als ob du keinen zusätzlichen Minijob hättest. 

    Kommt es dann doch zu Einsätzen auf dem Markt, wird die sogenannte 20h-Regel als Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort herangezogen. Solange du mit den zusätzlichen Arbeitsstunden unter die Ausnahmen fällst, bleibt der Werkstudent_innenstatus erhalten.

    Beachte jedoch die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung in Höhe von 455€/Monat (das entspricht ca. 538€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat).

    Im Bereich Steuern kommt es wiederum darauf an, wieviel du verdienst (hier spielt die 20h-Regel keine Rolle). Je mehr du verdienst, um so mehr Steuer wird fällig - jedoch nicht schon ab dem 1. Cent.
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und zwar auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt.

    Minijobs werden in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in die ungünstige Steuerklasse 6.
    Hast du bei mehreren Beschäftigungen in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen ggf. hohe Abzüge, kannst du aber sämtliche zu viel eingezogenen Steuern am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückbekommen.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Schau dir auch mal unsere Corona-FAQs für Studierende an und besonders die Teile zu Kurzarbeit und Entgeltfortzahlung nach §615 BGB.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 15.10.2020


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