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Honorartätigkeit und Minijob

Guten Tag, ich habe einige Fragen.

Ich bin Studentin und arbeite nebenbei als Honorarkraft (Kursleitung) an einer Schule. Der Grundfreibetrag liegt ja bei 9408 Euro, d.h. ich darf pro Monat nur 784 Euro verdienen, ohne, dass Steuern anfallen. 

Mein Problem ist, dass ich familienversichert bin und ca. 100 Euro selber zahlen muss, wenn ich mich studentisch versichern lassen sollte. Mein Einkommen wäre dann ja nur ca. 684 Euro. Daher würde ich gerne eine weitere Tätigkeit aufnehmen und nebenbei als Minijobber arbeiten. Ich würde mit dem Honorarjob und Minijob auch nicht mehr als 20 Stunden die Woche arbeiten. 

Dann würde ich allerdings über den Grundfreibetrag kommen. Werde ich der Steuerklasse 6 zugeordnet, da ich 2 Jobs habe? Ich habe gelesen, dass bei der Steuerklasse 6 alle Grundfreibeträge wegfallen. Ich habe bei der Minijobzentrale angerufen und eine Mitarbeiterin hat mir erklärt, dass bei dem Minijob lediglich 2% Pauschalsteuer anfallen. Das ist ja nicht viel, aber muss ich von meinem Honorarjob Steuern zahlen? Und wie ist das mit der Rentenversicherung? Ab wann muss ich Beiträge zur Rentenversicherung zahlen und wie hoch sind diese? Ich würde einfach nur gerne wissen, ob sich der 2. Minijob überhaupt lohnt. 

Liebe Grüße 

PriKa: 12.09.2020 |
  • RE: Honorartätigkeit und Minijob

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Steuern:
    Wenn dein Minijob pauschal mit 2% versteuert wird, zählt das Gehalt daraus nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.

    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, zählt das Einkommen daraus zum Freibetrag dazu. Wenn du unverheiratet bist und kein(e) Kind(er) hast,  wirst du in Steuerklasse 1 abgerechnet. Die Steuerklasse 6 ist nur relevant, wenn du mehrere abhängige Beschäftigungen hast.

    Für die Versteuerung von Einkünften aus Selbstständigkeit gibt es keine Lohnsteuerklassen. Hier wird die eventuelle Einkommenssteuerschuld erst im Folgejahr mit deiner Steuererklärung berechnet.

    In der Steuererklärung kannst du dann ggf. auch noch Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten geltend machen, so dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, auch bei einem Gesamtbruttoeinkommen von z.B. 12.000 € im Jahr noch keine Einkommenssteuer zahlen zu müssen.

    Bei selbstständiger Tätigkeit ist außerdem nur dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) und nicht dein Gesamthonorar relevant.
    Du musst also keine Angst vor der Einkommenssteuer haben. Und selbst wenn du über den Freibetrag kommst und Steuern zahlen musst: Einkommenssteuer wird nur fällig auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. Der Eingangssteuersatz beträgt 14%, das bedeutet: Bist du 100€ drüber, fallen darauf 14€ Steuern an. Mit der Höhe deines Einkommens steigt dann aber auch der Steuersatz.

    Die Rentenversicherung gehört zum Bereich Sozialversicherung:
    Im Minijob fallen auf dein Gehalt daraus 3,6% Rentenversicherungsbeiträge an. Davon kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus.

    In einigen Fällen sind auch Selbständige rentenversicherungspflichtig. Das düfte dich ebenfalls betreffen, denn wer gegen Honorar wie eine Lehrerin arbeitet und damit mehr als 450€/Monat verdient, ist in der Regel rentenversicherungspflichtig.
    Da du als Selbstständige quasi deine eigene Chefin bist, musst du eventuell anfallende SV-Beiträge allein bezahlen (während sie bei abhängig Beschäftigten mit der Arbeitgeber_innenseite paritätisch geteilt werden).
    Für die RV bedeutet das: Du musst dich selbst bei der Deutschen Rentenversicherung melden und ggf. den regulären Beitragssatz in Höhe von 18,6% von deinem Honorar entrichten. Und so, wie du auch für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt selbst zuständig bist, bist du das auch im Bereich Sozialversicherung.

    Auch deiner Krankenkasse musst du die Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit melden. Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, aber zu viel für die gesetzlichen Familienversicherung verdienst, kannst du dich während des Studiums dann studentisch krankenversichern.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 15.09.2020


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