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Zwei Minijobs + Honorar möglich?

Hallo liebes Team,

ich befinde mich in folgender Situation:

Ich arbeite neben dem Studium als freier Mitarbeiter bei einer Zeitung, da verdiene ich mal mehr mal weniger, auch mal gar nichts, je nach Auftragslage. Dazu habe ich einen Minijob auf 450 Euro Basis als Verkäufer, der leider wegen Corona momentan still liegt.

Da ich aber auf das Geld angewiesen bin, habe ich mich jetzt nach einem zweiten Job umgesehen, ich weiß ja noch nicht, wie lange die Geschäfte noch geschlossen bleiben.

Kann ich nun einfach einen zweiten Minijob annehmen, oder muss ich vorher den ersten kündigen, wenn ich keine Steuern zahlen will?

Und wieviel, bzw welche Abgaben müsste ich zahlen, wenn ich nach Corona beide parallel laufen lassen würde und jeweils die vollen 450 Euro verdienen würde?

Macht es dann Sinn, in dem einen Job nur 400 Euro zu verdienen um im Midijob-Rahmen zu bleiben?

Zur Info: Ich bin studentisch versichert und bekomme Halbwaisenrente, falls das mit reinspielen sollte. 

Vielen Dank schon einmal für die Antworten!!

LG Gerrit

Gerrit: 07.04.2020 |
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  • RE: Zwei Minijobs + Honorar möglich?

    Hallo Gerrit,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Student darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung und beim Finanzamt angemeldet sein.
    Dabei gelten für die unterschiedlichen Bereiche Steuern und Sozialversicherung, vor allem in Hinsicht auf Selbstständigkeit und abhängige Beschäftigung unterschiedliche Regelungen.

    Ich fang mal mit Steuern an:
    Hier kommt es darauf an, wieviel du insgesamt verdienst. Je höher dein Einkommen, desto höher die Einkommenssteuer. Dabei werden aber nicht bereits ab dem ersten Cent Steuern fällig. Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9408€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung über Steuer-ID). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt.

    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.
    Für Minijobs gibt es zudem noch eine Besonderheit: Sie werden in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi noch obendrauf dazuverdient werden.

    Nur wenn Minijobs über die Steuer-ID abgerechnet werden, zählt das Gehalt daraus in den Steuerfreibetrag mit hinein und es kann bei mehreren abhängigen Beschäftigungen in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen zu hohen Abzügen kommen. Du kannst dann aber sämtliche zu viel eingezogenen Steuern am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückbekommen bzw. verrechnet sich das mit der Steuerschuld auf deine Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit. 

    Nun zum Bereich Sozialversicherung:
    Grundsätzlich werden abhängige Beschäftigungen und selbstständige Tätigkeiten getrennt betrachtet. Auf deine selbstständige Tätiigkeit hat es keine Auswirkung, ob du einen oder 2 Minijobs ausübst. Auch andersherum hat die selbstständige Tätigkeit keinen direkten Einfluss auf die Beurteilung deiner Minijobs, weshalb ich mich hier auf die Minijobkombi konzentriere. Nur bei der 20h-Regel (dazu gleich mehr) spielt die Arbeitszeit aus der Selbstständigkeit eine Rolle.

    Wenn du in beiden Jobs nicht mehr als jeweils 450€/Monat verdienst, handelt es sich bei beiden um geringfügige Beschäftigungen/Minijobs. Diese werden in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet. Solange du in beiden Jobs zusammen nicht mehr als 450€/Monat verdienst, werden beide nach Minijobregeln abgerechnet. Hier spielt es also keine Rolle, ob du deinen ersten Minijob kündigst oder erstmal freigestellt weiterlaufen lässt. Aufs Minijobgehalt fallen 3,6% Rentenversicherungsbeiträge an. Von diesen kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. Auch ist in der Kombi eine Pauschalversteuerung beider Minijobs möglich.

    Kommst du irgendwann, wenn du im aktuell ruhenden Minijob wieder verdienst, insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs.
    Solange du mit allen deinen Jobs (Minijobs + Selbstständigkeit) zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest ( = 20h-Regel), wirst du in den beiden Minijobs als Werkstudent angemeldet. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge (RV) an. Dann ändert sich auch an deiner Krankenversicherung nichts.

    Arbeitest du mit allen Jobs (Minijobs + Selbstständigkeit) zusammen regelmäßig mehr als 20h/Woche, wirst du in den beiden Minijobs nicht als Werkstudent, sondern voll sozialversicherungspflichtig als Arbeitnehmer angemeldet.
    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat, hier wundert es mich, dass du nicht über deine Halbwaisenrente versichert bist) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld, Kurzarbeitsgeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Bis zur Grenze von 1300€/Monat (hier ist nur das Gehalt aus abhängiger Beschäftigung relevant) wird außerdem nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der SV-Abgaben bzw. im Werkstudierendenstatus der RV-Abgaben heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Das nennt sich Übergangsbereich bzw. Midijob-Status. Wie groß dieser Anteil im Werkstudijob ist, kannst du mit unserem Midijobrechner ausrechnen. Diesen und weitere Infos zum Midijob-Status findest du hier. Die 850€ waren früher mal die Obergrenze in der sogenannten Gleitzone. Diese wurde mit der Einführung des Übergangsbereichs bis 1300€/Monat abgeschafft.

    Jetzt nochmal zurück zum Thema Steuern:
    In der Kombi aus 2 Minijobs mit zusammen >450€/Monat ist eine Pauschalversteuerung nicht möglich und beide Jobs müssen über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.
    Um den doch recht hohen Steuereinzug über deine LSK 6 zu vermeiden, kannst du versuchen, beim zuständigen Finanzamt einen Übertrag eines Teils deines Freibetrags auf die LSK 6 zu beantragen. Schau mal hier unter Freibeträge flexibel handhaben.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.
    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.
    Schau außerdem auch gerne mal in unsere Corona-FAQs. Dort findest du u.a Antworten zu speziellen Jobkonstellationen durch die Corona-Krise.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 07.04.2020


  • RE: Zwei Minijobs + Honorar möglich?

    Hallo, erstmal vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort! 

    Wenn ich das jetzt alles richtig durchblickt habe, dann kann ich also in allen drei Jobs arbeiten, solange ich nicht mehr als 20h die Woche arbeite oder über 850€ verdiene. Das einzige was ich dann zahlen muss sind jeweils bei den beiden Minijobs 9,3% Rentenversicherungsbeiträge, richtig? 

    Und ja, natürlich bin ich über meine Halbwaisenrente versichert, da hab ich mich vertan, sorry! 

    VG Gerrit 

    Gerrit: 08.04.2020


  • RE: Zwei Minijobs + Honorar möglich?

    Hallo Gerrit,

    zum Teil scheinst du es richtig verstanden zu haben. Solange du mit beiden Minijobs zusammen nicht mehr als 450€/Monat verdienst, greifen aber weiterhin die Minijobregeln (3,6% RV, ggf. RV-Befreiung und Pauschalversteuerung). Verdienst du mit beiden zusammen über 450€/Monat UND arbeitest insgesamt (Minijobs + Selbstständigkeit) nicht mehr als regelmäßig 20h/Woche, fallen die 9,3% RV auf die beiden Minijobgehälter an PLUS ggf. Steuern (über den Lohnsteuereinzug, mit der Möglichkeit, sämtliche zu viel eingezogenen Steuern mit deiner Steuererklärung zurück zu bekommen).
    Krankenversichert bleibst du über deine Halbwaisenrente.

    Dabei sind die 850€ aber völlig irrelevant. Wie geschrieben war das früher mal die Obergrenze für die Abrechnung von Jobs in der sogenannten Gleitzone, die gibt es aber mittlerweile nicht mehr.
    Stattdessen ist für die Anwendung der Midijobregeln die ehemalige Gleizone durch den Übergangsbereich von 450,01€ bis 1300€/Monat ersetzt worden. Die Minijobs werden mit zusammen >450€/Monat also auch dann wie ein Midijob abgerechnet, wenn du mit beiden 900€/Monat verdienst.

    Außerdem kannst du auch alle drei Jobs machen, wenn du insgesamt mehr als 20h/Woche arbeitest, dann wirst du in den beiden Minijobs >450€/Monat lediglich nicht als Werkstudent, sondern voll sozialversicherungspflichtig angemeldet (Vor- und Nachteile siehe oben).
    Verdienst du in beiden Minijobs </= 450€/Monat plus selbstständigen Tätigkeit, spielt die 20h-Regel gar keine Rolle, da der Werkstudistatus nur für nicht geringfügige abhängige Beschäftigungen relevant ist.

    Ich weiß, Sozialversicherungsregelungen sind ziemlich komplex und auf den ersten Blick schwer nachzuvollziehen, da sich unterschiedliche Regelungen überlagern. Lies dir bei Bedarf nochmal in Ruhe die verlinkten Artikel zu Minijobs, Midijobs, dem Werkstudistatus und Jobkombinationen durch. Mit der Zeit wird es dann bestimmt verständlicher.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

    dgb-jugend: 09.04.2020


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