Deutscher Gewerkschaftsbund

Urlaubssemester und 850€ Job

hallo :) 
Ich habe folgendes Problem: 
Mein Studium hat mir nicht mehr gefallen und habe dann nicht mehr weiter machen wollen. Ich habe das 1. Semster gemacht, aber nicht alle Prüfungen mitgeschrieben. Und dann habe ich mein 2. Semster als Urlaubssemester angemeldet, weil ich gerne alle Vorteile des Studentenlebens nutzen wollte bis dann (theoretisch 3. Semster) mein neuer Studiengang beginnt. Mein Plan war es dann einfach in einem Urlaubssemster als Prakrikant zu arbeiten. Jetzt habe ich eine Zusage bekommen für einen 850€ Praktikantenjob bekommen. Und mein Praktikum könnte dann auch als Grund für das Urlaubssemster angegeben werden, aber jetzt habe ich das Problem, dass ich ja nicht als Werkstudent arbeiten kann. 
Was ist der Unterschied zwischen einem Praktikum mit 850€ Bezahlung und einem Midijob?
Eigentlich heißt es ja dass man im Urlaubssemster als Praktikant arbeiten kann, aber gilt das nicht mehr wenn man 850€ verdient ? Und wenn man so viel verdient wird man ja auch aus der gesetzlichen Krankenversicherung über die Eltern rausgeschmissen, aber eigentlich darf man da ja drinnen bleiben, wenn man ein Urlaubssemster macht oder? 
Bekommt man dann noch Kindergeld? 
Geht das, dass man im Urlaubssemster als Praktikant 850€ verdient, über die Eltern mitversichert ist und Kindergeld bekommt?
und wie viele Steuerlich Abgaben muss man selber und die Firma dann machen?

Das sind sehr viele Fragen, aber ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen! Ich brauche dringend Hilfe 

dankeeee :)

Mkh: 12.02.2020 |
Tags:
  • RE: Urlaubssemester und 850€ Job

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du ein freiwilliges Praktikum absolvierst, wird das in der Sozialversuicherung wie ein reguläres Beschäftigungsverhältnis angesehen. Je nach Umfang und Einkommenhöhe musst du dann entsprechend angemeldet werden. Ein freiwilliges Praktikum kann also - je nachdem, welcher Kriterien erfüllt sind - als Minijob, als kurzfristige Beschäftigung, als Werkstudijob oder voll sv-pflichtig abgerechnet werden.

    Im Urlaubssemester sind allerdings weder eine Anmeldung als kurzfristig Beschäftige_r noch als Werkstudent_in möglich, da dein Studierendenstatus ruht, so dass du ab einem Verdienst von über 450€/Monat voll sv-pflichtig angemeldet werden musst. Das bedeutet, dass in alle Zweige der Sozialversicherung Beiträge vom Gehalt abgeführt werden.
    Der Verbleib in der Familienversicherung ist dann auch nicht möglich. Das hat aber nichts mit dem Urlaubssemester zu tun, sondern mit deiner Einkommenshöhe: Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt nämlich 455€/Monat (das entspricht ca. 538€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich entweder selbst studentisch kranken- und pflegeversichern bzw. bist um Urlaubssemster über den Job versichert.

    Der Unterschied zwischen Werkstudierendenstatus und voller SV-Pflicht ist aber gar nicht so groß, wie manche denken.
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent_in. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Bei den Regelungen zum Midijob wiederum geht es darum, dass innerhalb einer bestimmten Einkommensspanne (450,01 – 1.300€/Monat) SV-Beiträge anhand der Midijobformel für die Arbeitnehmer_innenseite günstiger berechnet werden. Dies gilt für freiwillige Praktika, deren Vergütung in der Einkommensspanne liegt, genau so wie für einen normalen Teilzeitjob. In dieser Formel reduziert ein Faktor die Höhe des Arbeitsentgelts als Grundlage für die Beitragsberechnung. Das gilt für Werkstudent_innen (hier nur für die Berechnung der RV) ebenso wie für voll sv-pflichtig Beschäftigte (hier dann auch für die KV-Beiträge).

    Beim Kindergeld kommt es darauf an, ob dein Praktikum als Ausbildung gesehen wird. Im Urlaubssemester gilt deine Ausbildung als unterbrochen und es besteht grundsätzlich kein Anspruch auf Kindergeld.
    Wenn aber das Praktikum von der Familienkasse als Ausbildung anerkannt wird, kannst du weiterhin Kindergeld beziehen. In der Erstausbildung gibt es weder eine Einkommensgrenze noch eine Begernzung der möglichen Arbeitszeit.

    Ich hoffe, das hilft dir, etwas mehr Überblick zu bekommen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 13.02.2020


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