Deutscher Gewerkschaftsbund

Steuern und Sozialversicherung bei zwei Nebenjobs

Hallo,

ich habe derzeit einen Werkstudentenjob und verdiene dabei 740 Euro im Monat. Circa 60 Euro gehen für die Rentenversicherung weg. Da demnächst mein Bafög wegfällt, brauche ich dringend noch einen weiteren Job. Mit meinen derzeitigen Fixkosten muss ich auf 1300 Euro pro Monat kommen, da mir das Geld mit meinen derzeitigen Lebensumständen sonst nicht zum Leben reicht. Was wäre die beste Alternative, um mit relativ wenig Stunden, da ich ja noch Zeit zum Studieren brauche, auf einen möglichst hohen Stundenlohn zu kommen (also kurz gesagt, mit welcher Variante habe ich am wenigsten Abzüge?).
1) Ich hätte eventuell die Möglichkeit eine 2te Werkstudententätigkeit zu bekommen. Dann würde ich ab August auf 30 h die Woche kommen. Die erste Werkstudententätigkeit endet Ende November. Das heißt, meiner Ansicht nach wären die 30 h für die Sozialversicherungsbeiträge bis Mitte Oktober erstmal uninteressant und würden nicht steigen, da es sich dabei um die Semesterferien dreht. Wie würde das dann von Mitte Oktober bis Ende November aussehen? Ich habe mal gelesen, dass man solange man nicht mehr als ich meine 26 Kalendertage im Jahr über 20 h die Woche kommt, die Sozialversicherungsbeiträge nicht steigen würden. Das wäre ja der Fall. Wäre das dann sozialversicherungsfrei? Alternativ fällt mir noch ein, dass ich Urlaub nehme für zwei Wochen im Oktober und den November im August und September vorarbeite, so dass ich im November zwar noch für 10 h die Woche angestellt bin, aber an sich gar nicht mehr arbeite (ich habe Gleitzeit).
Wie sähe dieser Fall dann mit Steuern aus? Mit dem ersten Job (lief seit Januar dieses Jahres), wäre ich um ein paar Euro noch unter dem Steuerfreibetrag von 9000 Euro. Mit der zweiten Stelle natürlich nicht mehr. Wie viel Würde da dann abgezogen oder gibt es da einen Weg die Abzüge zu umgehen oder zumindest so gering wie möglich zu halten.
2) Ich suche mir eine Werkstudentenstelle mit nur 10 h die Woche. Mit der aktuellen Stelle wäre ich dann bei 20 h. Dann müsste es ja wieder passen, oder? Also von den ganzen Versicherungen her würde es nichts ändern (muss halt die 90 Euro KV zahlen, da ich über 25 Jahre bin), aber sonst nichts außer regulär der RV, oder? Müsste ich dann mit den Steuern eben das versteuern, was alles über 9000 Euro im Jahr liegt? Oder komme ich da, was die Steuern betrifft, schlechter weg, weil es zwei Werkstudentenstellen sind?
3) Ich behalte die erste Werkstudentenstelle und arbeite in einem Nachhilfeinstitut auf Honorarbasis und suche mir dann ab Ende November eine Werkstudentenstelle mit 20 h die Woche? Dabei habe ich gelesen, dass sofern man regelmäßig unter 6 h die Woche bleibt, man keine Sozialversicherungen zahlen muss. Was heißt hier regelmäßig? Und stimmt das? Und wie sieht es mit Steuern aus? Hier habe ich gelesen, dass man, sofern man unter 2400 Euro im Jahr bleibt, was das Arbeiten auf Honorarbasis betrifft, man keine Steuern zahlen muss, auch wenn die 9000 Euro schon anderweitig verdient hat. Stimmt das?

Die erste Werkstudentenstelle zu kündigen, ist im Moment leider keine Option.

Anja: 09.07.2019 22:50:38 |
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  • RE: Steuern und Sozialversicherung bei zwei Nebenjobs

    Hallo Anja,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Finanziell am günstigsten ist meistens die Kombinationen aus einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung (Job 1) plus einer geringfügige Beschäftigung (450€-Minijob oder kurzfristige Beschäftigung, Job 2a/Job 2b).
    Bis zu einem Bruttogehalt in Job 1 von ca. 1000€/Monat ist zudem eine volle Sozialversicherungspflicht finanziell günstiger als der Werkstudistatus: Im Werkstudent_innenstatus fallen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die stud. KV (immerhin um die 90€/Monat) tragen. Wenn du aus der stud. KV fällst, sind es sogar mind. 170€/Monat für die freiwillige KV ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz).
    Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür keine weiteren Kosten für die KV. Du bist dann über den Job krankenversichert und zudem auch arbeitslosenversichert und erwirbst Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I).
    Es kann sich also lohnen, dauerhaft über die 20h/Woche zu kommen.
    Mehr hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi und hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Die zusätzliche geringfügige Beschäftigung ist sozialversicherungsfrei.
    Im 450€-Minijob fallen dann höchstens 3,6% RV an. Von diesen kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge
    In der kurzfristigen Beschäftigung kommt es zu gar keinen SV-Abzügen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhU

    Nimmst du zu Job 1 eine zweite nicht-geringfügige Stelle an, werden die SV-Abzüge auf beide Gehälter fällig.

    Steuerlich ist die Kombi mit einem 450€-Minijob meist etwas günstiger, zumindest wenn man schon mit dem ersten Job über den Steuergrundfreibetrag kommt.
    Steuerlich werden Minijobs nämlich in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.

    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6. Das würde auch mit einer kurzfristigen Beschäftigung passieren (hier ist eine Pauschalversteuerung zwar unter Umständen auch möglich, läge aber 25%, was sich erst lohnt, wenn man schon recht viel verdient) und ebenso mit einer weiteren nicht-geringfügigen Beschäftigung.
    Das mit der Lohnsteuerklasse 6 ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über die Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest oder nur geringfügig drüber kommst.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Die 26-Wochen-Regel für den Werkstudistatus gilt übrigens nur für befristete Beschäftigungen oder befristete Arbeitszeiterhöhungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt. Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien zählen auch in die 26 Wochen mit hinein. Die Jobs, mit denen es zu einer Überschreitung der 20h/Woche kommt, dürfen dann also nicht auf Dauer angelegt oder auf länger als ein halbes Jahr (entspricht 26 Wochen) befristet sein.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inS
    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 12.07.2019 12:15:39


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