Deutscher Gewerkschaftsbund

Werkstudent und minijob

Liebes DGB Team,
Mein Anliegen ist folgendes. Ich arbeite seit mehreren Jahren in einem Unternehmen, wo ich jeden Monat einen neuen 10h/woche vertrag als werkstudent unterschreibe, letztes Jahr im März hab ich nebenzu angefangen als 450 Euro minijob Kraft in einer bar zu arbeiten. Ich bin als Student immatrikuliert. Mein verdienst in dem Werkstudenten Job ist immer unterschiedlich es kann von 600 bis 1000 Euro variieren und beim minijob komm ich vllt grad noch so über 300 Euro. Bei meinem Werkstudenten job arbeite ich meisten im Schnitt pro Woche 17,5h und habe am Wochenende 4 mal im Monat als Barkeeper zwischen 8 und 10 Stunden gearbeitet. Muss ich mit irgendwelchen riesen Nachzahlungen rechnen, wenn ich eine lohnsteuerabrechnung mache oder genauer was kann auf mich zukommen.
Danke schon mal im voraus.

Martin: 05.06.2019 18:52:56 |
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  • RE: Werkstudent und minijob

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zunächst einmal zu deinem bisherigen Vertrag:
    Mich wundert sehr, dass du jeden Monat einen neuen Vertrag unterschreibst. Ohne Sachgrund ist eine Befristung maximal auf einen Zeitraum von zwei Jahren möglich und innerhalb dessen darf ein Vertrag nur dreimal verlängert werden. Bei Überschreiten dieser beiden Grenzen muss dein Vertrag entfristet werden.
    Wenn du bisher ohne Sachgrund befristet wurdest, hast du demnach einen Anspruch auf einen unbefristeten Vertrag.

    Nun zur Sozialversicherung:
    Grundsätzlich kannst du neben einem Minijob eine reguläre Beschäftigung (auch im Werkstudent_innenstatus) ausüben. Der Minijob bleibt geringfügig (mit 3,6 Prozent Abgaben für die Rentenversicherung für dich als Arbeitnehmer_in), solange die Einkommensgrenze von 450 Euro monatlich eingehalten wird. Mehr zu Minijobs und ihren Kombinationsmöglichkeiten auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Zum Werkstudent_innenstatus und der Arbeitszeit am Wochenende:
    Dieser Status besagt, dass du aus deinem Arbeitseinkommen lediglich in die Rentenversicherung (in Höhe von 9,3 Prozent für dich als Arbeitnehmer_in, deine Arbeitgeber_innen zahlen ebensoviel für dich ein) einzahlen musst, wenn dein Studium zeitlich im Vordergrund steht. Davon wird ausgegangen, wenn du regelmäßig nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitest. Es zählt dabei immer die gesamte Arbeitszeit aus allen Jobs. Abends und nachts, am Wochenende, in der vorlesungsfreien Zeit sowie im Rahmen einer kurzfristigen Tätigkeit darf auch mehr gearbeitet werden, wenn das Studium insgesamt noch im Vordergrund steht. Dafür wird die 26 Wochen Grenze heran gezogen: Im Zeitraum von einem Jahr (vom Ende der aufzunehmenden Tätigkeit her rückwärts betrachtet) darf in nicht mehr als 26 Wochen über 20 Stunden gearbeitet werden. Dabei werden alle Tätigkeiten mit mehr als 20 Wochenstunden Arbeitszeit betrachtet - unabhängig des Sozialversicherungsstatus. Ab Zeitpunkt des Überschreitens der Grenze würde volle Sozialversicherungspflicht eintreten. Mehr zu den Hintergründen, Ausnahmen und Regeln: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Nun zu den Steuern:
    Du hast, wie alle Steuerpflichtigen, einen jährlichen Grundfreibetrag von aktuell (2019) 9.168,00 Euro + 1.000 Euro Werbungskostenpauschale. Erst auf den darüber liegenden Teil deines Einkommens zahlst du Steuern.
    Dieser Freibetrag wird jedoch nur auf den zeitlich zuerst aufgenommenen Job angewendet. Ein zweiter/dritter/weiterer Job wird in der Lohnsteuerklasse VI angemeldet, was zu recht hohen Abzügen führt. Wenn du bis zum 31. Juli des Folgejahres eine Einkommenssteuererklärung einreichst, kannst du zu viel gezahlte Lohnsteuern zurückbekommen. Alternativ kannst du bei deinem zuständigen Finanzamt beantragen einen Teil deines Freibetrages auf den weiteren Job zu übertragen. Zudem kannst du auch beantragen die Lohnsteuerklassen durch zu tauschen.
    Wie das geht und mehr zu Steuern auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​steuern

    Bei Minijobs und kurzfristigen Beschäftigungen gibt es die Möglichkeit der pauschalen Versteuerung. Die Pauschalsteuern liegen im Minijobstatus bei 2 Prozent und bei kurzfristigen Beschäftigungen bei 25 Prozent (!). Mit den Pauschalsteuern ist die Steuerschuld für den Job erledigt und das Einkommen taucht nicht bei der Berechnung deiner Einkommenssteuer auf. Du kannst die Pauschalsteuern aber nicht zurückbekommen, wenn du unterhalb des Freibetrages geblieben bist. Also solltest du vor der Aufnahme der Beschäftigung mit deinen Arbeitgeber_innen darüber sprechen, wie sie dich beim Finanzamt anmelden.

    Für die richtige Anmeldung beim Finanzamt und in der Sozialversicherung sind deine Arbeitgeber_innen zuständig. Du musst diesen dafür die richtigen Angaben liefern, Nachweise erbringen (im Werkstudent_innenstatus beispielsweise die Immatrikulationsbescheinigung) und insbesondere auch Veränderungen bei weiteren Beschäftigungen mitteilen.
    Mehr zur Kombination von Beschäftigungen auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße

    Matthias
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 11.06.2019 15:41:37


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