Deutscher Gewerkschaftsbund

Selbstständig, gewerbliche tätig und nun auch Werkstudent

Hallo liebes DGB-Team,

ich habe mehrere Fragen.
Seit einem guten Jahr bin ich neben dem Studium als Künstler selbstständig gemeldet und bekomme als solcher unregelmäßig freiberufliche Aufträge. Wenn ich solche bekomme arbeite ich Vollzeit daran. Auf den Rechnungen vermerke ich allerdings nicht meine Arbeitszeit, so dass für niemanden meine Arbeitswochenstunden nachvollziebar sein sollten. Seit Anfang des Jahres arbeite ich ebenfalls unregelmäßig für ein Museum im Ausstellungsauf- und abbau. Dies mache ich auf Rechnung. Da ich mir nicht sicher war, wie lange ich diese Tätigkeit ausführen werde, hatte ich bisher kein Gewerbe dafür angemeldet. Jetzt zeichnet sich doch ab, dass ich weiterhin unregelmäßig für das Museum arbeite und möchte nun doch ein dafür Gewerbe anmelden. Die Rechnungen des Museums weisen klar meine dort geleisteten Arbeitsstunden aus. Diese haben bisher auch vereinzelt die 20 Stunden pro Woche überschritten.
Ich habe mich außerdem auf eine Werkstudentenstelle beworben und jetzt auch eine Zusage bekommen. Dort würde ich im Semester 16 Stunden die Woche arbeiten. In dem Vorstellungsgespräch habe ich gesagt, dass ich freiberuflich tätig bin, wurde aber nicht nach dem Zeitumfang gefragt.
Ich denke, dass ich auch wärend des Semesters vereinzelt, mit meiner freiberuflichen und meiner gewerblichen Tätigkeit, mehr als 20 Stunden in der Woche arbeiten werde und möchte.
Ich bin bisher privat familienversichert. Gerne möchte ich aus dieser Versicherung rauskommen.

Meine Fragen:

- Da ich mich auf eine Stelle als Werkstudent beworben habe, aber wohl mit meinem Arbeitsvolumen nicht die Vorraussetzungen habe, als solcher zu gelten, will ich wissen, welche Nachteile es für meinen potenziellen Arbeitgeber hat, mich als Teilzeitbeschäftigten anzustellen? Muss er dann meine Krankenversicherung anteilig zahlen? Erhöht sich der Rentenversicherungs- und Arbeitslosenversicherungsbeitrag?

- Wenn ich mehr als 20 Stunden die Woche arbeite, gelte ich nicht mehr als Vollzeitstudent? Was ist dann meine Vollzeitbeschäftigung? Wem muss ich das melden? Meiner Krankenkasse?

- Als Freibeufler und Gewerbetreibender bin ich von der Umsatzsteuer befreit, solange ich weniger als 17 500 im Jahr Umsatz mache? Unabhängig davon muss ich auf mein gesamtes Einkommen aus den drei Beschäftigungen Einkommenssteuer zahlen oder werden die unterschiedlichen Tätigkeiten unterschiedlich besteuert?

- Wenn ich jetzt für mein Tätigkeit im Museum ein Gewerbe anmelde, deklariere ich das als Nebenerwerb? Ist Ausstellungsauf- und abbau ein Handwerksgewerbe oder fällt das in eine andere Kategorie? Ich habe keinerlei handwerkliche Ausbildung. Ist es für mich von Nachteil oder Vorteil das eine oder etwas anderes anzugeben?
In welche Berufsgenossenschaft muss ich mit dieser Tätigkeit eintreten.

Liebe Grüße & schonmal vielen Dank!

Caspar: 16.05.2019 13:28:36 |
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  • RE: Selbstständig, gewerbliche tätig und nun auch Werkstudent

    Hallo Caspar,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi dein eigener Chef und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgy und der Sozialversicherung https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgw zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung). Du hättest also bereits bei Aufnahme deiner künstlerischen Tätigkeit das auch deiner Krankenkasse und der Deutschen Rentenversicherung melden müssen (ggf. bist du rentenversicherungspflichtig). Das könnte auch für das Gewerbe gelten. https:/​/​www.deutsche-rentenversicherung.de/​Allgemein/​de/​Navigation/​1_Lebenslagen/​02_Start_ins_Berufsleben/​03_Existenzgruender/​01_Selbststaendig_und_pflichtversichert/​selbststaendig_und_pflichtversichert_nod​e.html
    Letzteres solltest du schnellstmöglich rückwirkend anmelden. Wenn du das unangemeldet machst, liegt sogenannte Schwarzarbeit vor!

    Bei gesetzlichen Krankenkassen wäre es dann so, dass die prüfen, ob du haupt- oder nebenberuflich selbstständig bist (davon hängt ab, ob du studentisch krankenversichert sein kannst oder dich als Selbstständiger versichern müsstest). Dort wird dann normalerweise auch der Umfang, also deine Arbeitszeit abgefragt, die du selbst angibst/einschätzt. Wie das läuft, wenn man privat krankenversichert ist, kann ich dir nicht sagen. Solltest du als hauptberuflich selbstständig eingestuft werden, kannst du aber vermutlich wegen fehlender Vorversicherungszeiten nicht in die gesetzliche KV wechseln und müsstest dich weiterhin privat krankenversichern.

    Auch wie deine gewerbliche Tätigkeit genau definiert wird, kann ich dir nicht sagen. Am besten fragst du mal bei der örtlichen Handwerkskammer nach, die müssten dir das sagen können, vermutlich sowas ähnliches wie "Messebauhelfer" (da werden ja auch Ausstellungen aufgebaut) oder "Veranstaltungshelfer". Die wissen auch, welche Berufsgenossenschaft dann zuständig ist.

    Bei Umsatz- und Einkommenssteuer gilt jeweils dein gesamter Umsatz bzw. dein gesamtes Einkommen (bei letzterem aus Selbststänigkeit und abhängiger Beschäftigung zusammen).
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und zwar auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb
    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant. Die Einkommenssteuer fällt also je nach Höhe deiner Einkünfte an, der Freibetrag nur einmal für alle drei Jobs zusammen.
    Bei der Umsatzsteuer geht es um deinen gesamten Umsatz. Liegt dieser aus allen deinen selbstständigen Tätigkeiten (Freiberuf UND Gewerbe) insgesmat unter 17.500€/Jahr, kannst du weiterhin von der Kleinunternehmer_innenregel gebrauch machen.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

    Nun zu deiner neuen abhängigen Beschäftigung:
    Auch als Student darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das erstmal keinen Einfluss. Du kannst also auch als Vollzeitstudent innerhalb der Uni gelten und gleichzeit in der gesetzlichen Sozialversicherung nicht mehr den Status als "ordentlicher Student" haben.
    Bei diesem, auch Werkstudent_innenstatus genannt, handelt es sich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV), den Vollzeitstudent_innen i.d.R. immer dann innehaben, wenn sie insgesamt regelmäßig nicht mehr als 20h/Woche arbeiten https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi
    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich also um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV). Der Unterschied:
    Arbeitest du als Vollzeit immatrikulierter Student nicht mehr als 20h/Woche, wirst du in der SV bei abhängiger Beschäftigung über 450€/Monat als Werkstudent angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur die Rentenversicherung (RV) in Höhe von 9,3% eingezogen wird, aber keine Beiträge in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht. Arbeitgeber_innen zahlen für Werkstudent_innen entsprechend auch nur 9,3% RV.

    Arbeitest du insgesmat regelmäßig mehr als 20h/Woche, musst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer angemeldet. Dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, dafür keine weiteren Kosten für KV/PV.
    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent. Außerdem kommst du so in die gesetzliche Krankenversicherung und erwirbst Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina
    Arbeitgeber_innen müssen für voll sv-pflichtige Arbeitnehmer_innen selbstverständlich ebenfalls ihren anteiligen Beitrag in die Sozialversicherung bezahlen. Anstatt der 9,3% RV für Werkstudent_innen zahlen auch Arbeitgeber_innen dann insgesamt ca. 20% SV-Abgaben - du wirst also "teuerer". Das ist allerdings eine gesetzliche Verpflichtung, die auch dein_e zukünftige_r Arbeitgeber_in erfüllen muss.
    Arbeitsrechtlich giltst du auch als Werkstudent als Teilzeitbeschäftigter, mit allen Rechten und Pflichten, da ändert sich nichts. https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​rechte-im-job

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir in der Nähe: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium
    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork!

    S@W: 16.05.2019 15:08:59


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