Deutscher Gewerkschaftsbund

Werkstudent + Minijob

Liebes Team,

ich arbeite 20 Stunden in der Woche als Werkstudent im Personal und würde gerne zusätzlich noch einem 450€ Minijob nachgehen. Was muss ich hierbei beachten und wie ist das Steuertechnisch geregelt?Danke vorab!

Julia G.: 07.02.2019 12:11:21 |
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  • RE: Werkstudent + Minijob

    Hallo Julia,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du zwei Jobs miteinander kombinierst, die beide über deine Steuer-ID abgerechnet werden, musst du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9168€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Bei Minijobs gibt es aber eine steuerliche Besonderheit: Minijobs können nämlich (und werden es in der Regel auch) pauschal mit 2% versteuert werden. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6.
    Welche Variante für dich günstiger kommt, hängt davon ab, was du insgesamt genau verdienst und was du eventuell noch an Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen oder zusätzlichen Freibeträgen geltend machen kannst.
    Die Pauschalsteuer kannst du nämlich nicht mit einer Steuererklärung zurückbekommen, über die Steuer-ID zu viel eingezogene Steuern aber ggf. schon.

    Größere Auswirkungen dürfte diese Jobkombi allerdings im Bereich Sozialversicherung haben.
    Hier gibt es ja den sogenannten Werkstudent_innenstatus. Dabei handelt es sich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV), den Vollzeitstudent_innen i.d.R. immer dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi
    Dabei wird die sogenannte 20h-Regel als Orientierungsgrenze herangezogen. Wenn du nun durch einen zweiten Job eine regelmäßige Wochenarbeitszeit von mehr als 20h/Woche hast, entfällt der Werkstudent_innenstatus und du wirst in deinem bisherigen Werkstudijob voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin.

    Das muss für dich aber gar kein Nachteil sein, hier der Unterschied:
    Wirst du in der SV als Werkstudent abgerechnet, werden von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat)
    Arbeitest du mehr als 20h/Woche und wirst daher voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet, werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, dafür keine weiteren Kosten für KV/PV.

    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Der Werkstudent_innenstatus bleibt in der Regel nur dann bei einer Arbeitszeit von über 20h/Woche erhalten, wenn die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr durch befristete (!) Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen auf abends, nachts oder das Wochenende fällt. Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien zählen auch in die 26 Wochen mit hinein.
    Arbeitest du aber ganz regulär neben dem Studium z.B. 25h/Woche (das ist dann der Fall, wenn der Minijob unbefristet oder auf länger als ein halbes Jahr befristet ist und/oder du mehr als 20h/Woche unter der Woche arbeitest), wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin. Die 26-Wochen-Regel spielt dann keine Rolle.

    Der Minijob bleibt davon unberührt, weil die Sonderregelungen für geringfügig Beschäftigte unabhängig vom Studierendenstatus sind. Hier fallen grundsätzlich nur 3,6% Rentenversicherungsbeiträge an. Von diesen kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

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    S@W: 12.02.2019 14:07:48


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