Deutscher Gewerkschaftsbund

Urlaubspause

 Winterpause- keine Onlineberatung

Wir versuchen immer so schnell es geht zu helfen, aber auch wir brauchen mal Urlaub. Daher findet vom 21.12.18 bis 7.01.2019 keine Onlineberatung statt.

Für schnelle und direkte Hilfe schaut einfach persönlich vorbei. Die Öffnungszeiten unserer lokalen Hochschulinformationsbüros und Campus-Offices findet ihr direkt vor Ort.

Nach der Urlaubspause beantworten wir Eure Anfragen chronologisch. Habt bitte Verständnis für Wartezeiten.

Werkstudent + Projekt

Hallo,
ich bin zur Zeit Werkstudent und arbeite 20h/Woche. Ich habe jetzt vor kurzem das Angebot bekommen, dass ich für eine andere Firma bei einem Projekt mitarbeiten darf. Es handelt sich dabei um ein 3D Model zu entwerfen. Meine Frage dazu lautet, ob ich für so ein Projekt einen Vertrag unterschreiben muss, sodass ich für die Zeit angestellt bin oder ob ich das Model der Firma für ein gewissen Betrag verkaufen kann? Wie sieht das steuerlich aus, wenn ich für die Zeit bei 2 verschiedenen Firmen arbeite und gilt dann überhaupt noch mein Status als Werkstudent ?
Falls es möglich ist der Firma mein Model zu verkaufen, bin ich dann gleichzeitig ein Freelancer und muss dementsprechend auch mehr Steuern zahlen? Mein Jahreseinkommen liegt im Moment bei ca. 13.000€ Mit dem Projekt wäre ich dann bei ca. 16.000€ . Falls ich als Freelancer gelte, was müsste ich dann beachten? Ich hatte was gelesen, dass man dem Finanzamt, der KV, den Arbeitgeber (wo man als Werkstudent angestellt ist ) in Kenntnis setzen muss. Ich hatte zwar auch schon den Feed http:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​beratung/​students-at-work/​index.html?fp.l=t&fp.d=81160 gelesen, wo ähnliche Probleme dargestellt wurden, allerdings bin ich durch die ganze Rechtslage immer noch leicht verwirrt und hoffe ihr könnt mir da weiterhelfen.
Mit freundlichen Grüßen
Toby

Tobias : 06.10.2018 21:02:40 |
Tags:
  • RE: Werkstudent + Projekt

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du für das Projekt mit einem festen Arbeitsvertrag angestellt bist, hast du ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis. In diesem Fall sind deine Arbeitgeber_innen für die richtige Anmeldung bei Finanzamt und Sozialversicherung sowie das Abführen der jeweiligen Abgaben verantwortlich.

    Grundsätzlich darfst du auch als Student_in selbstständig tätig sein, wenn die Tätigkeit nicht den Merkmalen einer abhängigen Beschäftigung entspricht. Dafür muss sichergestellt sein, dass du in der Durchführung freien Gestaltungsraum hast und nicht wie ein üblicher Beschäftigter an Ort und Zeit sowie Betriebsablauf eingebunden bist. Falls du und dein Auftraggeber euch unsicher seid, könnt ihr bei der Deutschen Rentenversicherung ein Feststellung beantragen: https:/​/​www.deutsche-rentenversicherung.de/​Allgemein/​de/​Inhalt/​2_Rente_Reha/​01_rente/​01_grundwissen/​01_wer_ist_pflichtversichert/​03_bin_ich_tatsaechlich_selbststaendig.h​tml?cms_templateQueryString=clearingstel​le&cms_submit=Los&cms_resultsPerPage=5
    Wenn du selbstständig bist, trägst du selber die Verantwortung für die Steuern und Sozialversicherung.

    Zuerst zu den Steuern:
    Um selbstständig tätig zu sein musst du deine Tätigkeit beim Finanzamt anmelden und dein Einkommen selber melden. Dafür brauchst du eine Steuernummer vom Finanzamt. Du beantragst die Steuernummer mit dem Formular "Anzeige einer Betriebsaufnahme bzw. einer freiberuflichen Tätigkeit".

    Es gibt zwei Sorten Selbständige: Gewerbetreibende und Freiberufler_innen. Die Freiberufler_innen haben besonders bei der Steuer Vorteile - so fällt keine Gewerbesteuer an. Auch eine Mitgliedschaft in einer Kammer ist für viele Freiberufler_innen nicht nötig - für Gewerbetreibende ist sie immer Pflicht.

    Die bei der Steuer relevante Definition freiberuflicher Tätigkeit findet sich in Paragraf 18 des Einkommensteuergesetzes. Danach gehören zur freiberuflichen Tätigkeit die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit.
    Das könnte für deine Tätigkeiten also durchaus passen. Wenn du Zweifel hast, frage am besten beim zuständigen Finanzamt nach.

    Einkommenssteuer zahlst du erst für den Teil deines Einkommens, der den Freibetrag von aktuell 9.000 Euro pro Kalenderjahr überschreitet. Dabei wird dein Einkommen aus abhängiger und selbstständiger Tätigkeit gemeinsam betrachtet. Als Einkommen zählt bei Selbstständigen nur der Gewinn, du kannst also alle Ausgaben von den Einnahmen abziehen. Dein Einkommen teilst du dem Finanzamt mit einer Steuererklärung mit, wenn du über dem Freibetrag verdient hast. Meistens musst du aber auch eine einreichen, wenn du weniger verdient hast. Zum Beispiel, wenn du neben einer abhängigen Beschäftigung mehr als 410 Euro pro Jahr (!) aus einer selbstständigen Tätigkeit verdient hast. Oder immer dann, wenn das Finanzamt dich dazu auffordert. Die Steuererklärung für 2018 ist bis zum 31. Juli 2019 fällig.

    Neben der Einkommensteuer fällt auch Umsatzsteuer an, wenn du im vergangenen Jahr mehr als 17.500 Euro Umsatz hattest und im laufenden Jahr voraussichtlich mehr als 50.000 Euro Umsatz haben wirst. Wenn du vorhersehbar einen geringeren Umsatz haben wirst, kannst du gleich mit der Anmeldung beim Finanzamt die Befreiung von der Umsatzsteuer beantragen. Du machst dann Gebrauch von der Kleinunternehmer_innenregelung und musst das auch entsprechend so in deinen Rechnungen kennzeichnen.

    Auf deine Rechnungen gehört in jedem Fall deine Steuernummer (die vom Finanzamt für deine selbstständige Tätigkeit; nicht zu verwechseln mit deiner persönlichen Steuer-ID). Auch bei den Rechnungen für deine ehrenamtliche Tätigkeit braucht es eine Steuernummer, denn Rechnungen haben zwingende Inhalten. Was da sonst noch reingehört, haben wir in unserer Broschüre zur Selbstständigkeit (auf S. 11) aufgelistet. Du findest auch zahlreiche Vorlagen im Netz. Zur Broschüre gehts hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

    Nun zur Sozialversicherung:

    Damit die Sozialversicherungsträger_innen davon ausgehen können, dass dein Studium weiterhin im Vordergrund steht, ist die 20-Stunden-Regel wichtig. Leider gibt es bei selbstständig Tätigen oftmals verschiedene Handhabungen zu dieser Regel. Denn einige Krankenkassen unterstellen noch Vor- und Nachbereitungszeiten. Deshalb wird als weiche Grenze eher 15-18h pro Woche angesetzt.
    Es gelten aber auch bei Selbstständigen die Ausnahmen der abhängig Beschäftigten: Arbeitszeit nachts, am Wochenende sowie in der vorlesungsfreien Zeit wird nicht betrachtet. Dabei darf aber nicht mehr als 26 Wochen in einem Zeitraum von einem Jahr über 20 Stunden wöchentlich gearbeitet werden. Bei dieser Grenzen werden dann die Arbeitszeiten aus all deinen Tätigkeiten zusammen gerechnet.

    Frage aber am besten auch bei deiner Krankenkasse, wie sie konkret verfährt. Es gibt zwar allgemeine Richtlinien, aber im Endeffekt trifft die Krankenkasse die Entscheidung, wie sie dich versichert.
    Schaue dich auch gerne noch mal auf unseren Seiten zur Selbstständigkeit um: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf

    Für weitere Beratung speziell für Solo-Selbstständige solltest du über eine Gewerkschaftsmitgliedschaft nachdenken. Die Gewerkschaft ver.di bietet beispielsweise spezielle Beratung an: https:/​/​selbststaendige.verdi.de/​

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße

    Matthias
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 08.10.2018 14:36:39


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