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Werkstudent + Minijob Anmeldung

Hallo zusammen,

ich habe seit dem 01.03. einen Minjob bei dem ich 450€ monatlich verdiene und möchte nun ab dem 01.04. einen Werkstudentenjob (befristet auf 10 Wochen) mit ~500€ im Monat annehmen. Die 20h-Regel ist mir bekannt und wird nicht überschritten.

Dazu habe ich ein paar Fragen:

1. Wenn mein Minijob momentan RV-befreit ist, kann er das bleiben?

2. Ändert sich für meinen Minijob und seinen Arbeitgeber irgendetwas?
Den Werkstudentenjob würde ich dann ja in Steuerklasse I anmelden können oder?

3. Mein Minijob ist nicht pauschalversteuert, ist es möglich das nachträglich umstellen zu lassen?

4. Könnte ich theoretisch beim Werkstudenten-Job mehr arbeiten (>20h), da er befristet ist (10 Wochen) solange ich die Einkommenssteuerfreigrenze nicht überschreite? 

5. Zählen die Einkünfte aus dem Minijob zum Einkommenssteuerfreibetrag? Auch die aus Monaten in denen ich nur einen Minijob hatte?

Ich bin für jede Hilfe dankbar! :)

melissa: 24.03.2021 |
  • RE: Werkstudent + Minijob Anmeldung

    Hallo Melissa,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    1. Die Aufnahme des zweiten Jobs hat keinen Einfluss auf deinen 450€-Minijob. Dort bleibt alles wie bisher. Hast du dich im Minijob von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, bleibt das so.

    2. Für deinen Arbeitgeber im Minijob ändert sich nichts. Lediglich die Steuerklasse ummelden müsste er vermutlich (siehe 3.), wenn du den neuen Job in Lohnsteuerklasse (LSK) I abrechnen lassen möchtest.

    3. Grundsätzlich sind Arbeitgeber_innen und Arbeitnehmer_innen an die zu Beginn des Jahres gewählte Art der Versteuerung rür den Rest des Kalenderjahrs gebunden. Ob es hier Ausnahmen gibt und falls ja, welche, kann ich dir leider nicht sagen.
    Werden beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet, musst du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse VI laufen lassen. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über Steuer-ID hast, von denen nur einer über die LSK I abgerechnet werden kann.
    In der LSK I ist dein Steuergrundfreibetrag von 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe (ca. 1050€/Monat brutto) im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK VI ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleibst.
    Du kannst aber mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    Um den doch recht hohen Steuereinzug über deine LSK VI zu vermeiden, kannst du versuchen, beim zuständigen Finanzamt einen Übertrag eines Teils deines Freibetrags auf die LSK VI zu beantragen. Schau mal hier unter Freibeträge flexibel handhaben.  

    4. Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudentin oder voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet.

    Das ist aber nur für sozialversicherungspflichtige, also nicht-geringfügige Jobs ( = Gehalt >450€/Monat und nicht kurzfristig) relevant. Ist der neue Job auf 10 Wochen befristet, handelt es sich sehr wahrscheinlich nicht um einen Job als Werkstudentin, sondern um eine kurzfristige Beschäftigung.
    Diese ist aufgrund ihrer Geringfügigkeit sowieso sozialversicherungsfrei, unabhängig von der 20h-Regel oder der Einkommenshöhe dort.
    Du hättest dann zwei geringfügige Jobs (ein geringfügig entlohnter Job = 450e-Minijob und ein vom Umfang her geringfügiger Job = kurzfristige Beschäftigung). In der Kombi spielt die 20h-Regel keine Rolle!

    Mit dem Steuerfreibetrag hat all das enichts zu tun. Im Bereich Steuern gibt es keine Sonderregeln für Studierende wie die 20h-Regel und der Grundfreibetrag gilt für alle gleichermaßen. Es ist auch nicht verboten, mehr zu verdienen. Je mehr du verdienst, desto mehr Steuern fallen lediglich an (falls du über den Freibetrag kommst).
    In der Steuererklärung kannst du aber auch noch Vorsorgeaufwendungen und ggf. Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten geltend machen, so dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, auch bei einem Gesamtbruttoeinkommen von 13.000 oder 14.000 € im Jahr noch keine Einkommenssteuer zahlen zu müssen.

    5. Nur wenn der Minijob pauschal versteuert wird, zählt das Gehalt daraus nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi "steuerfrei" obendrauf dazuverdient werden.
    Wird der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet, zählt das Einkommen aber ganz regulär mit hinein - auch in den Monaten, in denen du nur den einen Minijob hattest.
    Für die Berechnung der Einkommenssteuer ist immer das gesamte Einkommen im Kalenderjahr maßgebend.

    Beachte auch die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung in Höhe von 470€/Monat (das entspricht ca. 553€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich ggf. selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat). Nur das Einkommen aus kurzfristiger Beschäftigung zählt hier nicht mit hinein. Sollte es sich aber doch um einen Job als Werkstudentin handeln, wird das Gehalt daraus hier mit dazugerechnet.
    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 26.03.2021


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