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Frage zu Jobs und Krankenversicherung

Hallo zusammen,

aufgrund der Corona Krise eröffnen sich mir einige Jobmöglichkeiten und ich versuche irgendwie das ganze hin und her zu jonglieren. Seit Jahren arbeite ich als Studentische Hilfskraft mit 8h/Woche auf 450€ Basis. Das war für die Krankenversicherung nie ein Problem und ich war immer in der Familienversicherung.

Jetzt würde ich gerne zusätzlich in einem Coronatestzentrum (auf Honorarbasis mit Rechnungen schreiben, 40€/h) UND im Impfzentrum (kurzfristige Beschäftigung, 38,50€/h) arbeiten. 
Meine Krankenkasse ist bei der Kombi total verwirrt und weiß nicht genau was sie mit meiner Situation anfangen soll. Evtl. müsse ich den normalen Versicherungsbeitrag zahlen da man als Selbstständige auf Honorarbasis prinzipiell keine studentische Krankenversicherung haben kann (dabei machen das doch so ganz viele Studenten??). Mir ist bewusst, dass ich aus der Familienversicherung rausfliege, aber als Studentin würde ich doch schon gerne den Studentenbeitrag bei der Krankenkasse zahlen. Könnt ihr mir sagen, auf was ich bei der Kombi allgemein achten muss und ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt, die studentische Krankenversicherung zu kriegen? Evtl. wenn ich im Semester nur bis 20h/Woche arbeite oder gilt das nur für Werksstudenten? Gibt es da Unterschiede in den Semesterferien und im Semester? Gibt es Sonderregelungen weil die Jobs ja systemrelevant für die Corona-Krise und nur kurzfristig sind?

Ich bin ein bisschen verzweifelt, dabei möchte ich doch nur helfen die Krise voranzutreiben. Leider werden einem solche Steine in den Weg gelegt. Vielen Dank schonmal für eure Mühe! 

Liebe Grüße,

Paula

Paula: 24.03.2021 |
  • RE: Frage zu Jobs und Krankenversicherung

    Hallo Paula,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest.

    Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung dann hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Jobs und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

    Dabei ist es auch möglich, einen Minijob, eine kurzfristige Beschäftigung und einen Job auf Honorarbasis zu kombinieren. Die Jobs beeinflussen sich gegenseitig nicht und werden nach unterschiedlichen Regeln abgerechnet.

    Der 450€-Minijob wird nach Minijobregeln abgerechnet. Das bedeutet, der Job ist aufgrund seiner Geringfügigkeit bis auf 3,6% Rentenversicherung (RV) sozialversicherungsfrei. Von der RV kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus.

    Auch die kurzfristige Beschäftigung ist aufgrund ihrer Geringfügigkeit sozialversicherungsfrei. Hier fällt auch keine RV an.

    Beim Job auf Honorarbasis handelt es sich um eine selbstständige Tätigkeit. Hier kommt es darauf an, in welchem Umfang du dieser nachgehst und wieviel du dort verdienst.
    Solange du von deiner Krankenkasse als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du bis zum Erreichen der Einkommensgrenze familienversichert bleiben oder dich, wenn du mehr verdienst, studentisch krankenversichern.

    Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 470€/Monat ODER 450€/Minijob. Nur das Einkommen aus der kurzfristige Beschäftigung wird hier nicht mit eingerechnet, das aus dem 450€-Job und das aus dem Honorarjob schon.

    Wirst du als hauptberuflich selbstständig eingestuft, müsstest du dich ggf. freiwillig krankenversichern.

    Sonderregeln wegen Corona gibt es hier nicht.

    Wenn sich was an deiner Jobsituation ändert, kann sich auch dein Krankenversicherungsstatus wieder ändern. Wenn dein Einkommen z.B. wieder dauerhaft auf unterhalb der Einkommensgrenze sinkt, kannst du in die Familienversicherung zurückwechseln.

    Beachte:
    Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung  zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

    Wenn du gegen Honorar z.B. einer wissenschaftlichen, erzieherischen, unterrichtenden, schriftstellerischen oder künstlerischen Tätigkeit nachgehst, handelt es sich um eine freiberufliche Tätigkeit. Dann musst du nicht zusätzlich noch ein Gewerbe anmelden.
    Handelt es sich aber z.B. um eine handwerkliche oder eine Verwaltungstätigkeit, musst du dich zusätzlich noch beim zuständigen Ordnungs-/Gewerbeamt anmelden.
    Beim Finanzamt meldest du dich mit dem Formular "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" an. Nach deiner Anmeldung erhältst du eine Steuernummer (das ist etwas anderes als deine Steuer-ID!), die dann zukünftig zwingend auf deine Rechnungen drauf muss.
    Du kannst also erst eine rechtsgültige Rechnung schreiben, wenn du angemeldet bist.

    Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab. Ggf. brauchst du eine Berufshaftpflicht, wirst rentenversicherungspflichtig oder musst Mitglied einer Kammer werden.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Beim Thema Steuern kommt es auf dein Gesamteinkommen an.
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt.

    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant. Diesen übermittelst du dem Finanzamt im Folgejahr mit einer Steuererklärung. Das bedeutet: Im laufenden Jahr fallen erstmal keine Steuern auf dein Honorar an, im Folgejahr musst du aber - je nach Einkommenshöhe - eventuell noch Einkommenssteuer nachzahlen.

    Ob das Einkommen aus dem 450€-Minijob mit dazu zählt und ob es bei einer der beiden abhängigen Beschäftigungen eventuell zu Steuereinzügen kommt, hängt davon ab, wie der Minijob versteuert wird.

    Wird er pauschal mit 2% versteuert, zählt das Gehalt daraus nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi "steuerfrei" obendrauf dazuverdient werden.

    Werden der Minijob und die kurzfristige Beschäftigung aber beide über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du in einem der beiden Jobs in die ungünstige Lohnsteuerklasse 6. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über deine Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag (plus Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst aber im Folgejahr mit deiner Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen bzw. wird der Lohnsteuereinzug mit der eventuellen Steuerschuld auf dein Honorar gegengerechnet.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 26.03.2021


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