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freiwilliges Praktikum + 2 Nebenjobs

Hallo Zusammen, 

ich werde für drei Monate ein freiwilliges Praktikum absolvieren (wöchentliche Arbeitszeit: 40h).

Nebenbei würde ich gerne noch meine zwei Nebenjobs beibehalten. Bei einem Nebenjob arbeite ich 6h pro Woche und bei dem anderem 8,25h pro Woche. 

Ist dies überhaupt erlaubt oder muss ich einen Nebenjob vertraglich pausieren lassen? 

Zudem wollte ich fragen wie das Praktikum in diesem Fall steuerlich behandelt wird und ob ich weiterhin in der studentischen Versicherung bleibe?

Vielen Dank im Voraus und liebe Grüße

Maria: 24.03.2021 |
  • RE: freiwilliges Praktikum + 2 Nebenjobs

    Hallo Maria,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Auch für freiwllige Praktika greifen die Regelungen nach dem Arbeitszeitgesetz. Demnach darfst du nicht mehr als 8h/Tag (10h/Tag bei Ausgleich) bei einer 6-Tage-Woche und damit nicht mehr als 48h/Woche abhängig beschäftigt werden.

    Hat das Praktikum also einen Umfang von 40h/Woche, kannst du noch maximal 8h/Woche nebenbei arbeiten. Auch die gesetzlichen Pausen- und Ruhezeiten sind dabei einzuhalten. Das bedeutet, dass du mind. einen der Nebenjobs pausieren musst und dass es nicht erlaubt ist, erst 8h im Praktikumsbetrieb zu sein und dann am gleichen Tag nochmal 4h im Nebenjob zu arbeiten.

    Welche Auswirkungen welche (verbleibende) Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.
    Daher lässt sich deine Frage nicht pauschal beantworten. Je nach Kombi und Einkommenshöhe kann es sein, dass die Jobs sozialversicherungsfrei sind oder dass du voll sozialversicherungspflichtig angemeldet werden musst. Dann entfiele für diese Zeit die studentische Krankenversicherung, jedoch mit der Möglichkeit, wieder dorthin zurück wechseln, wenn die Voraussetzungen wieder vorliegen.

    Zum Praktikum:
    Wenn du ein freiwilliges Praktikum absolvierst, wird das in der Sozialversicherung wie ein reguläres Beschäftigungsverhältnis angesehen. Je nach Umfang und Einkommenshöhe musst du dann entsprechend angemeldet werden. Ein freiwilliges Praktikum kann also - je nachdem, welcher Kriterien erfüllt sind - als Minijob, als kurzfristige Beschäftigung, als Werkstudijob oder voll sv-pflichtig abgerechnet werden.

    Ist das Praktikum auf höchstens 3 Monate befristet, kommt eine Anmeldung als kurzfristig Beschäftigte infrage (sofern du nicht bereits in einem deiner anderen Nebenjobs kurzfristig beschäftigt bist).
    Die Praktikumsvergütung wäre dann unabhängig von ihrer Höhe sozialversicherungsfrei. Handelt es sich bei dem verbleibenden Nebenjob um einen Minijob (Gehalt bis 450€/Monat), könntest du in der Kombi studentisch versichert bleiben.
    Kommt eine Anmeldung als kurzfristige Beschäftigung nicht infrage und liegt die Praktikumsvergütung über 450€/Monat, musst du dort wahrscheinlich voll sv-pflichtig angemeldet werden.
    Kommt eine Anmeldung als kurzfristige Beschäftigung nicht infrage und liegt deine Vergütung dort unter 450€/Monat, käme eine Anmeldung als Minijobberin infrage - sofern nicht der zusätzliche Nebenjob, den du weiterhin ausübst, auch ein Minijob ist. Ggf. werden dann nämlich beide voll sv-pflichtig.
    Solltest du im Nebenjob über 450€/Monat verdienen und im Praktikum als Minijobberin oder kurzfristig Beschäftigte angemeldet werden, würdest du vermutlich im Nebenjob für die Dauer des Praktikums voll sv-pflichtig werden.

    Je nachdem, ob das Praktikum und/oder (einer) der Nebenjob(s) als Minijob abgerechnet werden, kann das auch unterschiedliche Auswirkungen im Bereich Steuern haben.
    Davon hängt ab, ob einer der Jobs pauschal mit 2% versteuert werden kann (und soamit nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein zählt), oder ob Job(s) und Praktikum alle über deine Steuer-ID abgerechnet werden (also alle in den Freibetrag mit hinein zählen).
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird tatsächlich Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt.

    Jedoch kannst du bei mehreren Beschäftigungen in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen ggf. auch dann hohe Abzüge haben, wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleibst.  Du kannst dann aber sämtliche zu viel eingezogenen Steuern mit einer Steuererklärung zurückbekommen.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 26.03.2021


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