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Werkstudentenjob + Minijob

Hallo liebes DGB-Team,

seit Anfang diesen Jahres arbeite ich als Werkstudentin 16 Stunden die Woche. In diesem Job werde ich über den Steuerfreibetrag kommen.

Sobald das wieder möglich ist, möchte ich nebenher wieder bei meinem Minijob in der Gastronomie arbeiten. Das möchte ich nur noch am Wochenende machen, sodass es nicht zu der 20-Stunden-Grenze gerechnet wird. Ich habe an manchen Stellen gelesen, dass es eine begrenzte Tagesanzahl gibt, an denen diese Sonderregelung zählt. An anderen Stellen konnte ich dazu widerum nichts finden. Gibt es eine begrenzte Tageszahl, an der ich die 20-Stunden-Grenze mit Hilfe von Arbeiten am Wochenende umgehen kann?

Hat es auf meine Arbeitgeberin bei dem Werkstudentenjob einen Einfluss, wenn ich über die Steuerfreigrenze komme oder hat das lediglich auf mich einen Einfluss? Zählt der Verdienst aus dem Minijob ebenfalls in die Steuerfreigrenze?

Ich bin mir unsicher, ab welchem Pensum oder bis zu welchem Pensum es sich lohnt, zusätzlich einem Minijob nachzugehen. Gibt es eine Möglichkeit, wie ich das im Voraus berechnen kann?

Ich wollte mich über eine persönliche Beratung an der Stelle in Ulm informieren. Allerdings konnte ich dort niemanden erreichen und meine E-Mail wurde nicht zugestellt. Gibt es einen Tipp, wie ich persönlich jemanden erreichen kann?

Vielen Dank für die Hilfe!

Liebe Grüße

Sophie

phie: 23.03.2021 |
  • RE: Werkstudentenjob + Minijob

    Hallo Sophie,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Grundsätzlich ist es kein Problem, einen Job als Werkstudentin mit einem zusätzlichen Minijob zu kombinieren.

    Solange die 20h-Regel (inkl. Ausnahmen) eingehalten wird, hat der zusätzliche Minijob keinen Einfluss auf deinen Job als Werkstudentin. Dieser wird weiter wie bisher abgerechnet und es fallen darauf nur 9,3% Rentenversicherung (RV) an. Krankenversichert bleibst du studentisch.
    Der Minijob selbst ist bis auf 3,6% RV aufgrund seiner Geringfügighkeit sozialversicherungsfrei, so dass hier keine weiteren Sozialversicherungsabgaben fällig werden (selbst dann, wenn du regelmäßig mehr als 20h/Woche arbeitest). Im Minijob kannst du dich von der RV auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus.

    Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV). Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudentin oder als voll sv-pflichtige_r Arbeitnehmer_in angemeldet.

    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudentin nicht mehr als 20h/Woche arbeitest.
    Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt.
    Das bedeutet: In den Semesterferien kannst du problemlos mehr arbeiten, die Arbeitsstunden am Wochenende während der Vorlesungszeit werden aber nur dann nicht in die 20h-Regel hineingerechnet, wenn dein Minijob auf maximal ein halbes Jahr (entspricht 26 Wochen) befristet ist. Ist der Minijob längerfristiger bzw. auf Dauer angelegt, wird auch Arbeitszeit, die aufs Wochenende oder abends/nachts fällt, in die 20h-Regel hineingerechnet.
    Es gibt also keine feste Begrenzung der Tage, an denen du am Wochenende ohne SV-Statusänderung arbeiten kannst o.ä., sondern eher sowas wie eine Richtlinie, anhand der festgestellt wird, ob du im Sinne der SV noch vorrangig Studentin bist oder doch eher das Erscheinungsbild einer Arbeitnehmerin hast (die nebenbei studiert).

    Genauer nachlesen kannst du all das hier: Rundschreiben zur versicherungsrechtlichen Beurteilung beschäftigter Studierender

    Sollte es zu einer Überschreitung der 20h-Regel kommen und sich dadurch dein SV-Status im Werkstudijob ändern, ist das aber gar nicht so schlimm, wie manche denken. Im Gegenteil:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% RV an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.
    Für deinen Arbeitgeber dort wirst du dann zwar auch teurer, das ist aber kein Kündigungsgrund. Und auf deinen Studierendenstatus innerhalb der Uni hat das auch keinen Einfluss.

    Außerdem wird bis zu einer Gehaltshöhe von 1300€/Monat brutto auch nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der SV-Beiträge (bei Werkstudis: der RV-Abgaben) heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Das nennt sich Übergangsbereich bzw. Midijob-Status. Wie groß dieser Anteil im Werkstudijob ist, kannst du mit unserem Midijobrechner ausrechnen. Weitere Infos zum Midijob-Status findest du hier.

    Im Bereich Steuern spielt dein SV-Status keine Rolle. Dort ist ausschlaggebend, wieviel du verdienst. Eventuell anfallende Lohnsteuer geht von deinem Gehalt ab, auf die Kosten für deine Arbeitgeber_innen hat das keinen Einfluss.
    Ob der Minijob dann dort mit hineinzählt, hängt davon ab, wie dieser steuerlich angemeldet wird.

    Steuerlich werden Minijobs in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi (gefühlt "steuerfrei") obendrauf dazuverdient werden.
    Wird der Minijob aber über deine Steuer-ID abgerechnet, fällst du dort in die ungünstige Lohnsteuerklasse 6.
    Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über deine Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe (ca. 1050€/Monat brutto) im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest oder nur leicht drüber kommst.
    Du kannst dann aber mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    In der Steuererklärung kannst du dann auch noch Vorsorgeaufwendungen und ggf. Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten geltend machen, so dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, auch bei einem Gesamtbruttoeinkommen von 13.000 oder 14.000 € im Jahr noch keine Einkommenssteuer zahlen zu müssen.

    Um ungefähr zu berechnen, wie hoch deine Abgaben im (ggf. bisherigen) Werkstudijob sind, kannst du, falls die 20h-Regel voraussichtlich überschritten wird, die üblichen Brutto-Netto-Rechner im Internet benutzen.
    Den Minijob lässt du dann einfach weg, da dieser wie oben beschrieben, sowieso sozialversicherungsfrei ist.
    Wird der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet, kannst du eine Übersicht zum voraussichtlichen Lohnsteuereinzug ebenfalls mit den üblichen Brutto-Netto-Rechner bekommen. Du musst dann einfach bei der Steuerklassse die 6 anklicken und bei den sozialversicherungsabgaben überall "nicht gesetzlich versichert" anklicken.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden. Eine Beratungsangebot von uns gibt es bei dir vor Ort leider nicht. Wenn du persönliche gewerkschaftliche Beratung in Anspruch nehmen möchtest, müsstest du Gewerkschaftsmitglied werden. Dann hast du sofort ab Eintritt Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung über deine Mitgliedsgewerkschaft.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 25.03.2021


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