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HiWi + Werkstudent - was ist zu beachten?

Hallo,

was ist in meinem Fall zu beachten zweckks Steuer, Solzalversicherungsstatus etc.?

Danke im Vorraus!

Meine Eckdaten:

23,

Masterstudent in Köln

Halbwaise -> Halbwaisenrente

Desswegen bin ich auch über die Rentenversicherung meines verstorbenen Vaters familienversichert und habe keine extra Studenten-KV.

Ich beziehe außerdem Kindergeld.

Ich habe eine Werkstudententätigkeit im Umpfang von ca. 16h/Woche.

Darüberhinaus beginne ich ab November meine Masterarbeit in Kooperation mit einer weiteren Firma.

Die Masterarbeit ist nicht vergütet, aber im November+Dezember bekomme ich Zeit mich in die Thematik einzuarbeiten, bin währenddessen als HiWi in dem Institut angestellt (40h/Monat) und bekomme diese auch vergütet. (Vergütung muss noch geklärt werden)

Habe ich dadurch, dass ich 20+ h/Woche arbeite probleme mit irgendwelchen Versicherungen/ Einkünften/Steuern?

Meiner Meinung nach dient die einarbeitung für die Masterarbeit dem Studium, wie seht ihr das, wie sieht das der Staat?

Vielen Dank vorab

Matthias

Matthias: 09.09.2020 |
  • RE: HiWi + Werkstudent - was ist zu beachten?

    Hallo Matthias,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Grundsätzlich sind erstmal die beiden Bereiche Steuern und Sozialversicherung (SV) auseinanderzuhalten. Dort gelten jeweils eigene Gesetze und Regelungen.

    Sozialversicherung:
    Bist du als Masterand ausschließlich zur Erstellung deiner Abschlussarbeit im Unternehmen und erbringst keine direkt für den Betrieb verwertbare Arbeitsleistung, zählt die Zeit, die du dort verbringst nicht als Arbeitszeit, sondern als Zeit für dein Studium (ähnlich wie bei Pflichtpraktika) und damit auch nicht in die 20h-Regel mithinein.

    Es gibt in der SV auch einen speziellen Status für Masterand_innen. Erhältst du eine Vergütung, ist diese grundsätzlich sozialversicherungsfrei (aber steuerpflichtig, dazu weiter unten mehr).

    Wenn du nebenbei noch als Werkstudent in einem anderen Betrieb tätig bist, ist das in der Regel kein Problem. Dort ändert sich dann durch die zusätzliche Masterand_innenstelle nichts.

    Wenn du dort allerdings als Hiwi angestellt wirst und direkt für den Betrieb verwertbare Arbeitsleistungen erbringst, handelt es sich um einen regulären Job und du musst je nach Umfang und Art der Beschäftigung sowie nach Einkommenshöhe entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden. Der Masterand_innensatus kommt dann nicht infrage, auch wenn es eine inhaltliche Nähe zu deinem Studium gibt und der Job der Vorbereitung deiner Masterarbeit dient.

    Der Job zählt dann ganz regulär in die 20h-Regel mit hinein und du wirst in deinem ersten Job ggf. voll sozialversicherungspflichtig - außer es greift eine der Ausnahmen:
    Der Werkstudent_innenstatus bleibt nämlich in der Regel auch bei einer Arbeitszeit von über 20h/Woche erhalten, wenn die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr durch befristete (!) Beschäftigungen oder Arbeitszeiterhöhungen auf abends, nachts oder das Wochenende fällt. Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien zählen auch in die 26 Wochen mit hinein. Es kommt also auch auf die Lage deiner Arbeitszeit an.

    Da die Hiwi-Stelle auf 2 Monate begrenzt ist, vermute ich, dass es sich um eine kurzfristige Beschäftigung handelt. Diese ist aufgrund ihrer Geringfügigkeit sozialversicherungsfrei, so dass bei einem eventuellen Wegfall des Werkstudierendenstatus nur von deinem Gehalt aus dem ersten Job die regulären Sozialversicherungsbeiträge fällig werden.

    Das wäre vielleicht auch gar nicht so schlimm: Im Werkstudent_innenstatus fallen auf das Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man musst in der Regel selbst die Kosten für die KV tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du bist dann über den Job krankenversichert und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe kann eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudent_in sein. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I).

    Ich muss aber ehrlich zugeben, dass ich im Bereich Waisenrente nur grundsätzliches Wissen habe und dir daher nicht sagen kann, welchen Einfluss das auf deinen Rentenbezug und die KV darüber hat. Ich bin mir gerade auch unsicher, ob du über den Rentenbezug beitragsfrei familienversichert bist oder ob hier auch die Grenzen der gesetzlichen Familienversicherung greifen und du aktuell schon einen Beitrag von deiner Rente dafür abdrücken musst.
    Frag da am besten mal direkt bei der Deutschen Rentenversicherung nach, was in der Kombi aus den beiden Jobs passieren würde.

    Um den mit der Jobkombi eventuell verbundenen Stress zu vermeiden, kannst du dort, wo du deine Masterarbeit schreibst, auch mal nachfragen, ob nicht ein Masterand_innenvertrag möglich ist oder - falls nicht - deine Arbeitszeit so gelegt werden kann, dass die Ausnahmen von der 20h-Regel erfüllt werden.
    Dann bliebe bei deinem ersten Job und deiner KV über die Rente alles wie bisher.

    Steuern:
    Hier spielt der Werkstudierendenstatus keine Rolle und auch nicht, ob du als Masterand oder als kurzfristig Beschäftigter im Unternehmen bist.
    In beiden Kombinationsmöglichkeiten müssen nämlich beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 10.09.2020


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