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Steuerklasse und Rentenverischerungsbeiträge bei mehreren Jobs neben dem Studium

Hallo,

ich bin 26 Jahre alt und studiere in einem Master-Lehramtstudiengang. Ich bin als WHK für 8h/Woche in einem Drittmittelprojekt an der Universität angestellt und verdiene dort 390€ im Monat. Ab August fange ich einen weiteren Job als Lehrkraft in Teilzeit an (12h/Woche) und verdiene dort ca. 1600€ brutto. (Beide Anstellungen sind im öffentlichen Dienst, allerdings in unterschiedlichen Bundesländern)

Ich habe bei dem neuen Arbeitgeber die Steuerklasse 1 angegeben und muss bei meinem alten Arbeitgeber nun den Personalbogen neu ausfüllen. Dabei will er unter anderem eine Steuerklasse wissen und ob ich mich von den Rentenversicherungbeiträgen befreien will. Nun habe ich mehrere  Fragen dazu:

1. Warum muss ich bei dem 390€ Job eine Steuerklasse angeben, wenn ich dort unter 450€ verdiene? Ich dachte ein Nebenjob unter 450€ neben einem sozialversicherungspflichtigen Job ist Beitragsfrei. Und wenn ich doch was angeben muss, müsste ich die Steuerklasse 6 angeben oder?

2. Ist es sinvoll sich von den Rentenversicherungsbeiträgen bei dem 390€ Job befreien zu lassen? Oder ist es sinnvoll bei beiden Jobs RV-Beiträge zu zahlen?

Vielen Dank für die Hilfe
Beste Grüße
Yun

Yun: 27.07.2020 |
  • RE: Steuerklasse und Rentenverischerungsbeiträge bei mehreren Jobs neben dem Studium

    Hallo Yun,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    1. 450€-Minijobs sind - bis auf 3,6% Rentenversicherung - sozialversicherungsfrei, aber nicht steuerfrei.

    Steuerlich werden Minijobs jedoch in der Regel pauschal mit 2% (über die Arbeitgeber_innen) versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden - und ist dann für dich gefühlt steuerfrei.

    Wenn der Minijob aber über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort ggf. in die ungünstige Lohnsteuerklasse 6. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine bzw. geringere Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. Achtung: Das gilt nur für über die Steuer-ID eingezogene Steuern. Die Pauschalsteuer kannst du grundsätzlich nicht zurückbekommen.

    2. Im Minijob besteht die Möglichkeit, sich von der Rentenversicherung befreien zu lassen. Du erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus.
    Da du im Minijob mit einem Beitragssatz von nur 3,6% die vollen Ansprüche erwirbst (so, also ob du die regulären 9,3% einzahlen würdest), raten wir in der Regel davon ab, sich befreien zu lassen. Im Endeffekt musst du die Entscheidung aber für dich selbst treffen. Was ist dir wichtiger? Jetzt 3,6% mehr im Minijob ausgezahlt bekommen oder später höhere Rentenansprüche haben?

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich direkt dort oder gleich bei deiner Mitgliedsgewerkschaft beraten lassen. Du kannst dich aber auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 27.07.2020


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