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Krankenversicherung bei Vollzeit arbeiten und Studium

Liebe DGB, Ich befinde mich am Ende meines Studiums und habe durch ein Praktikum ein Jobangebot erhalten, dass ich im Herbst unbedingt annehmen möchte. Leider werden nur 30 Stunden bewilligt und da es im sozialen Bereich ist, wird der Lohn nicht besonders gut sein. Dazu kommt, dass ich in eine andere Stadt dazu pendeln muss und obwohl es nur 30km sind, kostet das mich 163 Euro im Monat. Deshalb überlege ich, mir mit meiner letzten Prüfung noch Zeit zu lassen oder mich in einem Studium einfach so einzuschreiben, damit ich das Semesterticket nutzen kann. Doch was passiert dann mit meiner krankenversicherung? Sie bekommt ja dann sowohl von Arbeitgeber*in als auch von der Universität die Info, dass ich eingeschrieben bin. Und muss ich bei der Immatrikulation in ein neues Studium nicht auch immer meinen Krankenversicherungsschein mitschicken? Hat man einen Krankenversicherungsnachweis überhaupt auch als Arbeitnehmerin so vorliegen wie auch als Studentin?

Würde es mehr Sinn ergeben, sich für ein Teilzeitstudium zu bewerben, weil dann die Krankenversicherung Studium und über 20 Stunden arbeiten erlaubt? Das sind super viele Fragen, ich weiß..aber leider ist mein zukünftiger Arbeitgeber so klein (Verein), dass es kein Jobticket. Liebend gerne hätte ich das gemacht udn somit regulär bezahlt, aber leider wird einem das mal wieder nicht möglich gemacht...
Vielen Dank für eure Hilfe!!!

leo

Leo: 22.06.2020 |
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  • RE: Krankenversicherung bei Vollzeit arbeiten und Studium

    Hallo Leo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.
    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung sowie der Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort, das hat mit deinem Status innerhalb der Uni nichts zu tun.
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status im Job neben dem Studium ist deine regelmäßige Arbeitszeit und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudentin nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als sogenannte Werkstudentin angemeldet. Arbeitest du regelmäßig mehr (was bei einer regulären 30h-Stelle ja der Fall wäre), musst du dort eben als voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin angemeldet werden. Etwas "schlimmeres" passiert da nicht.
    Ob du dann neben dem Job noch länger eingeschrieben bist, um dein Studium zu beenden oder ein Zweitstudium aufnimmst, ist dafür nicht relevant. Das ist dann quasi dein "Privatvergnügen". Auch macht es in dem Fall keinen Unterschied, ob du Teil- oder Vollzeit immatrikuliert bist, da der Werkstudent_innenstatus bei einer regelmäßigen Arbeitszeit von 30h/Woche sowieso nicht greift.

    Volle Sozialversicherungspflicht bedeutet, dass von deinem Bruttogehalt Beiträge in die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (RV, KV, PV, AV) abgeführt werden würden - insgesamt knapp 20% Sozialversicherungsbeiträge. Dafür bist du dann aber auch über den Job renten-, kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert und erwirbst entsprechende Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). Die studentische Krankenversicherung (und damit auch die Kosten dafür) entfällt dann.
    Und selbstverständlich kannst du dir auch als Arbeitnehmerin von deiner Krankenkasse einen Versicherungsnachweis für die Uni ausstellen lassen. Es ist auch nicht verboten, neben einem Vollzeitstudium voll sozialversicherungspflichtig zu arbeiten. Solltest du in deinem bisherigen Studienfach noch länger eingeschrieben sein und die Abschlussprüfung erst später machen, kannst du dich lediglich nicht auf den Job als Grund für die Verzögerung berufen, falls deine Uni wegen hoher Fachsemesterzahl Stress machen sollte. Du hast also keinen Rechtsanspruch länger zu studieren, nur weil du (viel) arbeitest. Wenn deine Uni da aber sowieso locker ist und nicht wegen der Fachsemesterzahl stresst, brauchst du dir keine Sorgen machen. Wenn du dir unsicher bist, wie bei euch damit umgegangen wird, frage mal beim StuRa nach, die sollten sich auskennen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 23.06.2020


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