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Status zwischen Studienabbruch und neuem Studium

Hallo zusammen, 

Ich wollte fragen, ob ich die Möglichkeit habe in meiner Situation trotzdem normal jobben zu können. Also ob ich einen 450 Euro Job und zusätzlich noch einer kurzfristigen Beschäftigung nachgehen kann.

Meine Situationen ist folgende: Im März habe ich im ersten Semester mein Studium abgebrochen und werde erst im Oktober diesen Jahres mein neues Studium beginnen. Von April bis Juni 2020  war ich noch als arbeitssuchend gemeldet. Jedoch habe ich ab diesem Zeitpunkt einen Minijob angefangen und mich wieder arbeitssuchend abgemeldet. Jetzt ist die Frage, ob ich noch zum geringfügigen Job eine kurzfristige Beschäftigung haben darf. Generell bin ich mir nicht sicher welchen Status ich im Moment habe und ob ich zum Beispiel noch Kindergeld berechtigt bin.

Ich hoffe, ihr könnt mir folgen und dazu eine Antwort geben.

Freundliche Grüße

Lilly: 22.06.2020 |
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  • RE: Status zwischen Studienabbruch und neuem Studium

    Hallo Lilly,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Sozialversicherungsrechtlich ist dein aktueller Status Minijobberin, dein arbeitsrechtlicher Status Arbeitnehmerin bzw. abhängig Beschäftigte. Je nachdem, ob du noch einen weiteren Job aufnimmst oder z.B. Alg II beantragst (das wäre theoretisch möglich, sofern du hilfebedürftig bist), kann sich dein Sozialversicherungs-Status (SV-Status) aber auch ändern.

    Kindergeld:
    Da du schon über 18 Jahre alt bist, besteht nur dann ein Kindergeldanspruch, wenn du dich in Ausbildung befindest, dich nachweislich um einen Ausbildungsplatz/einen Studienplatz bemühst oder wenn du arbeitssuchend gemeldet bist.
    Auch kann für eine Übergangszeit Kindergeldanspruch bestehen, allerdings in der Regel nur für bis zu 4 Monate, ab dem 5. Monat entfällt der Anspruch.
    Wenn du aber z.B. nachgewiesen hast, dass du dich für einen Studienplatz im Oktober beworben hast, könnte dennoch weiterhin Kindergeldanspruch bestehen, obwohl du dich arbeitssuchend abgemeldet hast. Im Zweifel frag mal direkt bei der zuständigen Familienkasse nach. Die können dir Auskunft geben, welche Nachweise sie von dir brauchen, damit der Anspruch weiterbesteht.
    Ansonsten müsstest du dich ggf. wieder arbeitssuchend melden, um den Anspruch nicht zu verlieren. Einen 450€-Minijob kannst du trotzdem ausüben.

    Kurzfristigen Beschäftigung:
    Grundsätzlich kannst du bis zum Beginn deines Studium selbstverständlich einen (befristeten oder unbefristeten) Job aufnehmen, da gibt es keine Begrenzung, solange du insgesamt nicht mehr als 48h/Woche arbeitest. Ob eine Anmeldung als kurzfristig Beschäftigte infrage kommt, kann ich dir aber nicht sicher sagen. Für eine kurzfristige Beschäftigung ist neben der zeitlichen Begrenzung nämlich außerdem Voraussetzung, dass du den Job nicht berufsmäßig ausübst. Was als "berufsmäßige" Ausübung gilt und was nicht, ist nicht ganz eindeutig geregelt bzw. gibt es je nach Konstellation unterschiedliche Annahmen.
    Zum Beispiel gilt ein Job, der die Zeitgrenzen der kurzfristigen Beschäftigung erfüllt, neben einem Studium oder einer voll sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ( = Gehalt >450€/Monat) grundsätzlich als nicht berufsmäßig ausgeübt. Bist du aber z.B. arbeitssuchend gemeldet, wird von berufsmäßiger Ausübung ausgegangen. Hier gibt es eine Ausnahme für die Lücke zwischen Schulabschluss und Aufnahme eines Studiums. In dem Fall wird nicht von einer berufsmäßigen Ausübung ausgegangen. Ob das aber auch auf die Unterbrechung deines Studiums wegen Studenfachwechsel übertragen werden kann, kann ich dir nicht sicher sagen. Ich vermute aber, dass das nicht geht, da während eines Urlaubssemesters ebenfalls keine kurzristige Beschäftigung möglich ist. Ruf am besten mal bei der Infohotline der Minijobzentrale an, die können dir bestimmt genauere Auskunft für den speziellen Fall geben.

    Mal angenommen, du nimmst einen weiteren Job mit einer Gehaltshöhe von >450€/Monat auf und dieser kann (aus welchen Gründen dann auch immer) nicht als kurfristige Beschäftigung angemeldet werden, würde folgendes passieren:
    Du wärst dann ganz normale Arbeitnehmerin und voll sozialversicherungspflichtig anzumelden. Das bedeutet, dass von deinem Bruttogehalt Beiträge in die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (RV, KV, PV, AV). abgeführt werden würden - insgesamt knapp 20% Sozialversicherungsbeiträge. Dafür wärst du dann aber auch über den Job renten-, kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert und erwirbst entsprechende Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). Die Familienversicherung entfällt dann.

    Bis zur Grenze von 1.300€/Monat wird aber nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der SV-Beiträge heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Das nennt sich Übergangsbereich bzw. Midijob-Status.

    Wenn du dann im Oktober dein Studium wieder aufnimmst und sich dein Einkommen entsprechend reduziert, kannst du wieder zurück in die Familienversicherung wechseln.

    Und denke daran, dass du selbst eigentlich nichts falsch machen kannst. Für deine korrekte Anmeldung im Job sind deine jeweiligen Arbeitgeber_innen zuständig. Solange du denen die nötigen Informationen zukommen lässt und auch deiner Krankenkasse keine Einkünfte verschweigst, ist alles ok.
    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 23.06.2020


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