Deutscher Gewerkschaftsbund

Werkstudent / Teilzeit / Bachelorand Vertrag?

Liebes Beratungsteam,

ich heiße Anja, bin 24 Jahre alt und bin aktuell dabei, meine Bachelorarbeit in einem Unternehmen zu schreiben, während ich dort auch als Werkstudent angestellt bin. Ich habe keine Vorlesungen mehr, sondern es steht nur noch die Bachelorarbeit aus. Von den Beiträgen her würde ich gerne den Stundenten-Status behalten, sowohl was Steuern als auch Krankenversicherung angeht. 

Jetzt ist die große Frage, was da vertragsmäßig am meisten Sinn ergibt. Momentan kann ich (aufgrund von Semesterferien) mehr als 20h/Woche arbeiten, würde das aber gerne auch danach weiterhin tun. 
Bisher habe ich herausgefunden, dass ich als Werkstudent nicht über die 20h darf, als Bachelorand aber nicht im Tagesgeschäft des Unternehmens involviert sein dürfte. Vorraussichtlich werde ich das aber weiterhin sein, bis auf evt. eine kleine Phase von 4-6 Wochen, in denen ich mich nur mit der Bachelorarbeit beschäftigen würde. Beide Verträge parallel beim gleichen Unternehmen ist ja sozialversicherungs-technisch etc. auch nur bedingt sinnvoll, soweit ich das jetzt verstanden habe.
Eine Freundin meinte schon, dass evt. auch ein Teilzeit-Vertrag funktionieren könnte, da ich ja keine Vorlesungen mehr habe. Dann ändern sich doch aber auch Beiträge, richtig?

Könnt ihr mir helfen zu verstehen, was die verschiedenen Optionen sind und was jeweils die Vor- und Nachteile davon sind? Ich habe das Gefühl dazu gibt es viel gefährliches Halbwissen und jede Situation ist ja doch wieder anders.

Vielen Dank im Voraus!
Anja :)

Anja: 11.02.2020 |
Tags:
  • RE: Werkstudent / Teilzeit / Bachelorand Vertrag?

    Hallo Anja,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zuerst einmal sind die unterschiedlichen Bereiche Steuern und Sozialversicherung auseinanderzuhalten.

    Steuern: hier gibt es keine Besonderheiten für Studierende zu beachten. Sowohl Einkommen aus einem Werkstudijob als auch die Vergütung für eine Bachelorarbeit sind grundsätzlich steuerpflichtig. Allerdings nicht schon ab dem ersten Cent. 
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. Ob tatsächlich Steuern fällig werden, hängt also nicht davon ab, ob du als Bachelorandin, Werkstudentin oder normale Arbeitnehmerin angemeldet wirst, sondern davon, wie viel du tatsächlich verdienst.

    Sozialversicherung: Hier gibt es für jobbende Studierende einen besonderen Status, den sogenannten Werkstudent_innenstatus. Diesen haben Vollzeitstudent_innen in der Regel immer dann inne, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten.
    Zeit, die du im Unternehmen verbringst, um deine Abschlussarbeit zu erstellen, zählt hier nicht mit hinein, da diese Zeit nicht als Arbeitszeit, sondern als Teil deines Studiums angesehen wird.

    Daher ist die Kombination eines Werkstudijobs mit einer Bachelorand_innentätigkeit in der Regel kein Problem. Die Vergütung für die Bachelorarbeit ist sozialversicherungsfrei, auf das Gehalt aus dem Werkstudijob werden 9,3% Rentenversicherungsbeiträge (RV) fällig.

    Schwierig wird es aber, wenn beides im gleichen Betrieb ausgeübt wird. Denkbar ist diese Kombination nur, wenn es sich wirklich um zwei völlig unterschiedliche, klar abgrenzbare Tätigkeiten handelt (lies auch mal hier). Außerdem gehen die Sozialversicherungsträger bei zwei Verträgen bei der_m selben Arbeitgeber_in normalerweise von einem einheitlichen Arbeitsverhältnis aus und verbeitragen entsprechend zusammen. Damit wäre zumindest der Anreiz der Sozialversicherungsfreiheit im Bachelorand_innenverhältnissen nicht mehr gegeben.

    Das bedeutet: Wird beides zusammen im Werkstudierendenstatus verbeitragt, fallen auf Bachelor-Vergütung UND Gehalt jeweils 9,3% RV an.

    Sollte der Werkstudierendenstatus in der Kombi nicht anerkannt werden (z.B. weil das Bachelorand_innenverhältnis die strengen Voraussetzungen nicht erfüllt oder eine eindeutige Abgrenzung der beiden Tätigkeiten nicht möglich ist), heißt das aber nicht, dass du nicht beides kombinieren kannst. Du musst dann lediglich voll sozialversicherungspflichtig angemeldet werden.

    Und eine volle SV-Pflicht ist auch gar nicht so schlimm, wie manche denken. Im Werkstudent_innenstatus fallen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen.
    Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du bist dann über den Job krankenversichert und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I).

    Ich hoffe, die Infos helfen dir weiter!

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 11.02.2020


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