Deutscher Gewerkschaftsbund

Beschäftigungsmöglichkeiten Familienversicherung

Hallo,

ab April beginne ich Vollzeit zu studieren. Ich möchte mich gerne wieder über die Familienversicherung versichern lassen, aber trotzdem bei meinem aktuellen Arbietgeber angestellt bleiben. 

Meine Idee war es, meine aktuelle Stelle auf 20% zu reduzieren, aber nur ca. einmal monatlich zu arbeiten. Damit würde ich jeden Monat Minusstunden machen. Das wäre gewollt, damit ich in den Semesterferien diese Minusstunden aufholen kann & somit in den Semesterferien mehr areiten kann.
Jetzt meine Frage: kann man sich innerhalb der Familenversicherung als Werkstudent anstellen lassen? Würde dann das Bruttogehalt als Nettogehalt gelten? Ich weiß, dass ich in der Familienversicherung nicht mehr als 450 Euro im Monat verdiehnen darf, wichtig zu wissen, wäre nun, ob das auf Brutto oder Netto zu beziehen ist. Über 20h Arbeitszeit würde ich während der Studienzeit definitiv nicht kommen.

Desweiteren würde ich gerne einen weiteren Job auf Minibasis annehmen, in der Stadt, in der ich studieren werde. Wäre dies möglich, solange ich mit beiden Jobs nicht mehr als 450 Euro verdiehne? 

Bei meinem aktuellen Arbeitgeber möchte ich nicht als Geringfühgig angestellt sein, da ich dann in den Semesterferien meine Arbeitszeit nicht erhöhen könnte. 

Gibt es auch die Möglichket als Arbietnehmer in der Familienversicherung versichert zu sein? Oder macht das rechnerisch keinen Sinn, da man dann hohe Abgaben hat, die man mit 450 Euro kaum decken kann?

Vielen Dank schon im Voraus!

tippel2: 10.02.2020 |
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  • RE: Beschäftigungsmöglichkeiten Familienversicherung

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 455€/Monat (das entspricht ca. 538€/Monat brutto) ODER 450€/Monat im Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat).

    Wenn du in beiden Jobs nicht mehr als jeweils 450€/Monat verdienst, handelt es sich bei beiden um geringfügige Beschäftigungen/Minijobs. Diese werden in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet.

    Verdienst du in beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 450€/Monat, werden beide nach Minijobregeln abgerechnet. Dann fallen auf beide Gehälter jeweils 3,6% Rentenversicherungsbeiträge an. Von diesen kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus.
    Eine Anmeldung als Werkstudent_in wäre in der Kombi nicht möglich.

    Kommst du insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs.
    Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du dann in beiden als Werkstudent_in angemeldet. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an und du musst dich selbst studentisch krankenversichern, wenn du in der Kombi über die Einkommensgrenze in der Familienversicherung kommst.
    Zudem müssen dann auch noch beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    Nur wenn du im einen Job mehr als 450€/Monat (bei schwankendem Einkommen im Durchschnitt der Beschäftigungsmonate) verdienst und im anderen weniger als als 450€/Monat, kannst du im einen als Werkstudent_in und im anderen als Minijobber_in angemeldet werden.
    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Was genau du mit "als Arbeitnehmer" meinst, bin ich mir gerade unsicher. Falls du voll sozialversicherungspflichtig damit meinst, dann ist das je nach Einkommenshöhe sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudent_in. Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Darüber hianus sind arbeitsrechtlich auch Werkstudent_innen und Minijobber_innen Arbeitnehmer_innen im Sinne von abhängig Beschäftigten.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 11.02.2020


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