Deutscher Gewerkschaftsbund

Praktikum abbrechen?

Hallo,

ich mache seit zwei Wochen ein Praktikum bei einem mittelgroßen Bildungsträger. Hauptgeschäft ist die Vermittlung Arbeitsloser in Beschäftigungsverhältnisse. Mein Praktikum soll noch bis Ende des Jahres dauern. In den Vorgesprächen war ausgemacht worden, dass ich in den Vermittlungskursen helfe, dies aber nur in der ersten Zeit des Praktikums und auch nur in überschaubarem Umfang. Nach ca. 4 Wochen sollte ich hauptäshlich in der Projektarbeit und Konzeption arbeiten. Ursprünglich waren mir auch eine Aufwandsentschädigung und ein Praktikumsvertrag zugesichert worden, so wie auch die Aussicht auf Übernahme in eine Anstellung nach Beendigung des Praktikums, da ich bis Ende des Jahres voraussichtlich fertig sein werde mit meinem Studium. Bisher sieht es so aus, dass ich bereits in der ersten Woche drei Tage ganz allein einen Arbeitsmarkt-Integrations-Kurs geleitet habe ohne jede Einarbeitung oder Vorerfahrung in dem Bereich. Meine Chefin, die nicht wusste, dass die Kollegen mich bereits hatten unterrichten lassen sagte zwar, sie sei darüber erbost, trotzdem stand ich zwei Tage später wieder allein vor der Klasse und habe unterrichtet, in einem Bereich in dem ich dafür eigentlich nicht qualifiziert bin. Jetzt bin ich schon bis mindestens Mitte November für mindestens zwei Tage die Woche in der Lehre eingeplant (also gut 6 Wochen anstatt 4) und von der Projektarbeit habe ich bisher auch noch nichts mitbekommen. Nächste Woche soll ich zum ersten Mal 1 1/2 Tage an einem Projekt mitarbeiten, was genau das sein wird weiß ich nicht. Ich bekomme keine Einarbeitung in das Kursmaterial und die Organisation der Kurse und die Lehre an sich ist sehr, sehr unstrukturiert und chaotisch. Mehrere Kurse haben sich bereits bei der Leitung beschwert. Ich selbst möchte auf so einem schlechten Niveau nicht arbeiten, bekomme aber auf Nachfragen auch keinen Leitfaden an die Hand, geschweige denn mehr als einen Ordner mit der Anweisung den einfach mal durchzublättern. Ich weiß heute nicht, was morgen im Kurs durchgenommen werden soll, soll ihn aber halten. Das verstehe ich nicht unter professioneller pädagogischer Arbeit. Von einem Vertrag oder einer Vergütung ist bisher auch keine Rede mehr gewesen. Es ist schon deutlich, dass ich eine Arbeitskraft ersetze und wenn ich tatsächlich dort eingestellt werden würde, würde ich auch weiter in der Lehre eingesetzt, obwohl ich ausdrücklich gesagt habe, dass ich im Bereich Lehre nicht arbeiten möchte sondern Organisation und Konzeption. Ich überlege wie es jetzt weiter gehen soll. Es ist ein freiwilliges Praktikum das ich machen wollte um Erfahrungen im Bereich Konzeption und Organisation einer Bildungseinrichtung zu sammeln. Bisher habe ich nichts gelernt sondern war einfach schockiert von der schlechten Organisation und der schlechten Qualität der Lehrgänge. Ich habe selbst schon Lehrgänge konzipiert und hier fehlen basale Dinge. Deshalb schwanke ich im Moment, ob es Sinn macht das Praktikum fortzusetzen, ob ich meine Chefin noch einmal auf die Kritikpunkte ansprechen soll und ob das überhaupt Sinn hat, da die Lehrqualität dadurch sicher nicht verbessert würde und ich nicht weiß ob ich das unterstützen will. Für einen Rat wäre ich deshalb sehr, sehr dankbar!

Hanna: 13.10.2007 13:00:00 |
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  • Re: Praktikum abbrechen?

    Hallo Hanna,

    in meinen Augen ist es grundsätzlich am besten, die Kritikpunkte noch einmal anzusprechen. Ich teile auch deine Einschätzung, dass du als Praktikantin keine Arbeitskraft erstzen, sondern dass das Lernen und Weiterbilden für dich, nicht unbedingt für andere, zentraler Bestandteil eines Praktikums ist. Daher sollte es nicht passieren, dass du alleine und ohne Einführung bzw. Unterstützung mit einer sehr fordernden Tätigkeit betraut wirst.

    Die genauen Aufgabenbereiche bzw. Stationen, die du durchläufst, sollten ebenso wie Arbeitszeit und eine eventuelle Vergütung im Praktikumsvertrag festgehalten, der dir hier vorenthalten wird. Trotzdem hast du mündliche du daher auch gültige Absprachen bezüglich deiner Aufgabenfelder, an die du deine Chefin erinnern solltest.

    Es wäre also möglich, dass du deine Einschätzung inwieweit dich das Praktikum in Bezug auf Wissenserwerb in dem Bereich, der dich interessiert, weiterbringt zur Grundlage deiner Entscheidung machst, ob du es weiterführst oder nicht. Zusätzlich solltest du bedenken, dass es sich um ein freiwilliges Praktikum handelt und ob du dich bisher ohne Vergütung einer Arbeit hingeben möchtest, die dir keine Vorteile bringt.

    Die rechtliche Situation sieht folgendermaßen aus: Grundsätzlich endet das Praktikum erst, wenn die vereinbarte Praktikumszeit abgelaufen ist. Wenn es vorher beendet werden soll, gibt es drei Möglichkeiten:
    a) Aufhebungsvertrag: Du schließt mit dem Praktikumsgeber einen Vertrag, mit dem ihr das Praktikumsverhältnis übereinstimmend beendet.
    b) Fristlose Kündigung: Es liegt ein wichtiger Grund vor, der es dir oder der Praktikumsgeberin unzumutbar macht, das Praktikumsverhältnis fortzuführen.
    c) Ordentliche Kündigung: Befristete Verträge kannst du nur kündigen, wenn du diese Möglichkeit vertraglich vereinbart hast oder ein Tarifvertrag das vorsieht. Darunter fällt auch die Probezeit.

    Ich denke, im ersten Schritt ist es ratsam, deine Bedenken und Probleme noch einmal offen mit deiner Chefin zu besprechen, bevor du eine endgültige Entscheidung triffst. Vielleicht findest du in der Rubrik „Rund ums Praktikum“ auf unserer Seite noch weitere Anregungen. Schau am besten in unseren Leitfaden für ein faires Praktikum unter http:/​/​studentsatwork.org/​UNIQ119255679319577/​doc117877A.html

    Mit freundlichen Grüßen

    Sören Becker
    students at work

    S@W: 16.10.2007 22:07:22


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