Deutscher Gewerkschaftsbund

Krankschreibung contra strenger Anwesenheitsregelung

vielleicht könnt Ihr mir folgende Frage beantworten:

An fast allen Hochschulen gibt es seit Bologna sehr strenge Anwesenheitsregelungen (die aber keine rechtliche Grundlage haben).

Bei uns (Uni Paderborn) gibt es jetzt den Fall, dass eine Professorin Studierenden den Schein verweigert, die mehr als zwei mal im Semester in ihrer Veranstaltung gefehlt haben. Unabhängig davon, ob mensch krank war/ist, oder nicht. Also ab drei mal Fehlen ist mensch aus dem Rennen, es darf noch nicht mal mehr die Klausur geschrieben werden.

Nun ist es ja so, dass es bei studentisch beschäftigten-freundlichen ArbeitgeberInnen eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt. Dafür muss mensch natürlich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung abgeben, ansonsten gibt es die Lohnfortzahlung nicht. Den kleinen Zettel erhält ArbeitgeberIn, den großen Zettel mit Diagnose erhält die Krankenkasse.

Beim dritten mal Krankschreibung wäre mensch, hält er/sie sich wegen strenger Anwesenheitsregelungen an der Hochschule auf, im Falle eines Unfalls nicht versichert. Oder?

Wenn der Arbeitsplatz an der Hochschule selbst ist und der/die Vorgesetzte bekommt mit, dass der/die krankgeschriebene StudentIn trotzdem an der Hochschule rumrennt, kann abgemahnt werden, oder?

Habt Ihr Euch schon mal mit so etwas beschäftigt? Gibt es da gesetzliche Regelungen zu, die mensch den Profs bei ihren Ankündigungen zu Semesterbeginn vielleicht mal direkt unter die Nase halten könnte? Gibt es sonst Mittel und Wege, die Profs rechtlich zu überzeugen (menschlich war leider in diesem Fall nicht möglich)?

Christiane Schmidt: 03.03.2008 12:00:00 |
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  • Re: Krankschreibung contra strenger Anwesenheitsregelung

    Hallo Christiane,

    es ist richtig, dass im Zuge der Bologna-Reformen eine Verstraffung des Studiums zu beobachten, die es vielen Menschen schwer macht, dem Leistungs- und in deinem Fall Anwesenheitsdruck nachzukommen. Für diese Personen verlängert sich damit die Studienzeit, wegen Krankheit, wegen Kindererziehung etc. Das wiegt bei den eingeführten Studiengebühren besonders schwer. In unserem Team diskutieren, wir auch über dieses Problem, aber hier erst einmal

    Leider greift hier die Analogie zum Arbeitsrecht jedoch nicht ganz, weil es sich in meinen Augen hier um Ausbildungs-, genauer um Prüfungsrecht (Bereich Verwaltungsrecht) handelt. Hierbei handelt es sich um ein vielschichtiges Rechtssystem, bei dem Rahmenvorgaben und genaue Prüfungsordnungen eine Rolle spielen.

    Zuerst sollte also geprüft werden, ob tatsächlich keine Rechtsgrundlage für das Verweigern des Scheines gibt. Hierfür empfehle euren Allgemeinen Studierendenausschuss AStA als Ansprechpartner. Viele ASten geben Rechtsgutachten auf, um dann genau solche Probleme zu klären.

    Sollte der AStA auf die Anfragen nicht eingehen oder es zur Klage kommen, so empfehle ich dir, dich an eine Gewerkschaft, zum Beispiel die GEW zu wenden. Sie führt häufiger Klagen im Hochschulbereich durch, allerdings nur für Mitglieder. Sie kann auch ein Rechtsgutachten erstellen. Der Ansprechpartner der GEW im Hochschulbereich in Paderborn ist Dr. Ulrich Nehm, seine Daten findest du auf: http:/​/​www.gew-paderborn.de/​.

    Mit freundlichen Grüßen

    Sören Becker
    students at work

    students at work: 06.03.2008 12:00:00


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