Deutscher Gewerkschaftsbund

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Pflichtpraktikum + Nebentätigkeit + Bafög

Hi,

folgendes:

Ich starte im März in ein 6-monatiges Praktikum mit 40 Stunden die Woche. Aufgrund Bestimmungen der Uni und des Bafögamts habe ich einen Vertrag für 3 Monate Pflichtpraktikum und im Anschluss 3 Monate studienbegleitendes Praktikum. Die Bezahlung liegt bei 1800 € Brutto im Monat. Aufgrund dessen kürzt mir das Bafögamt auch entsprechend die Bezüge.

Nun habe ich heute ein Jobangebot bekommen, welches mich sehr reizt. Hierbei würde ich ab März wöchentlich bis zu 10 Stunden (ich vermute jedoch, aufgrund des Arbeitsrechts dürften nur bis zu 8 Stunden gehen) bei einer weiteren Firma eingesetzt werden, mit einem Lohn von 16 € die Stunde.

Kann es dahingehend Probleme mit der Hochschule oder dem Bafögamt geben, wenn ich parallel zum Praktikum auch dort arbeite? Wie sieht es dann eigentlich steuerrechtlich aus und mit der Versicherung? Und würde sich eher eine Anstellung als Werkstudent, eine Anmeldung über ein Nebengewerbe oder als Minijobber lohnen (im Falle dessen, dass ich die Stunden reduzieren könnte.)

Janusch01: 12.01.2023 |
  • RE: Pflichtpraktikum + Nebentätigkeit + Bafög

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zunächst zu deiner ersten Frage bezüglich der Hochschule: als Student*in darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Das hat absolut keinen Einfluss auf deinen Status in der Uni.

    Hingegen haben unterschiedliche Jobkombinationen Auswirkungen auf die Bereiche Bafög, Sozialversicherung und Steuern.

    Dem Bafög musst du grundsätzlich alle zusätzlichen Einkünfte melden. Hier gibt es einen Einkommensfreibetrag, der bei abhängigen Beschäftigungen bei bis zu 520,92€/Monat oder 6251,04€/Jahr liegt. Was dann übrig bleibt oder darüber liegt, vermindert deinen Bafög-Auszahlbetrag. Mehr kannst du gerne hier nachlesen.

    Nun zum Thema Sozialversicherung (SV):

    Hier kommt es sehr auf deine einzelnen Beschäftigungen an.

    Praktikum

    Wenn es sich bei deinem Praktikum um ein Pflichtpraktikum handelt, dann handelt es sich nicht um ein Arbeitsverhältnis, sondern um einen Teil deines Studiums. Erhälst du dabei eine Vergütung, ist diese sozialversicherungsfrei, aber steuerpflichtig. Außerdem zählen die Arbeitsstunden im Praktikum nicht in die 20h-Regel mit hinein und haben somit keinen Einfluss auf den sogenannten „Werkstudierendenstatus“ (hierzu gleich mehr).

    Nun bin ich mir nach deinen Angaben nicht sicher, ob es sich über deinen gesamten Praktikumszeitraum um ein Pflichtpraktikum handelt. Ausschlaggebend ist, was deine Studien- und Prüfungsordnung vorschreibt. Ist die Absolvierung eines Praktikums verpflichtend, dann handelt es sich um ein Pflichtpraktikum.

    Dann gibt es jedoch auch noch freiwillige Praktika. Wenn du ein freiwilliges Praktikum absolvierst, wird das in der Sozialversicherung wie ein reguläres Beschäftigungsverhältnis angesehen. Je nach Umfang und Einkommenshöhe musst du dann entsprechend angemeldet werden. Ein freiwilliges Praktikum kann also - je nachdem, welche Kriterien erfüllt sind - als Minijob, als kurzfristige Beschäftigung, als Werkstudijob oder voll sv-pflichtig abgerechnet werden. Außerdem zählen die Arbeitsstunden hier in die 20h-Regel hinein.

    Job mit 8-10h/Woche: hier handelt es sich entweder um eine sozialversicherungspflichtige abhängige Beschäftigung, also ein sog. Midijob. Das trifft zu, wenn dein Gehalt im Durchschnitt zwischen 520€ und 1300€/Monat liegt. Wenn du hier jedoch nicht mehr als 520€/Monat verdienst, handelt es sich um eine geringfügige Beschäftigung/Minijob. Grundsätzlich sind diese rentenversicherungspflichtig (3,6%), allerdings kannst du dich hiervon auch befreien lassen. Ansonsten sind Minijobs grundsätzlich sozialversicherungsfrei.

    Was musst du nun also genau beachten?

    Für Studierende ist vor allem der sogenannte Werkstudent*innenstatus relevant. Hier handelt es sich lediglich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung, den Vollzeitstudent*innen i.d.R. immer dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten. Ausschlaggebend ist hierfür deine regelmäßige Arbeitszeit.

    Kombinierst du dein Pflichtpraktikum + Minijob (<520€/Monat), kannst du familienversichert bleiben und zahlst keine Sozialversicherungsbeiträge.

    Kombinierst du dein Pflichtpraktikum + Werkstuditätigkeit (bis max. 20h/Woche), musst du dich selbst krankenversichern (studentische Krankenversicherung um die 120€/Monat) + Rentenversicherungsbeiträge (anteilig du und anteilig dein AG).

    Kombinierst du dein freiwilliges Praktikum (bei 40h/Woche wirst du voll sozialversicherungspflichtig angemeldet) + Midijob, entfällt dein Status als Werkstudi (da du insgesamt über 40h/Woche arbeitest) und du musst doppelt Sozialversicherungsbeiträge zahlen (also in beiden Jobs).

    Kombinierst du dein freiwilliges Praktikum mit einem Minijob, bleibt der Minijob sozialversicherungsfrei und du bist über deinen Praktikumsgeber sozialversichert.

    Und schließlich zum Thema Steuern:

    Sowohl deine Vergütungen aus dem Praktikum als auch aus deinen abhängigen Beschäftigungen sind steuerpflichtig. Du hast jedoch einen Steuergrundfreibetrag, der bei 10.908€/Jahr liegt.

    Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – aber auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt.

    Hast du mehrere Beschäftigungen, werden diese über unterschiedlichen Lohnsteuerklassen abgerechnet und es kann ggf. zu hohen Abzügen kommen. Zu viel eingezogene Steuern kannst du aber mit einer Steuererklärung zurückbekommen.

    Beachte, dass es bei Minijobs die Möglichkeit gibt, diese pauschal mit 2% zu versteuern. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.

    Und nicht zuletzt der Hinweis, dass du im Rahmen der Informations- und Meldepflichten verpflichtet bist, allen deinen Arbeitgeber*innen immer alles für deine Anmeldung relevante (dazu gehören insb. andere Jobs, aber auch die Aufnahme eines Studiums) mitzuteilen. Nur so können diese ihrer Pflicht, dich korrekt anzumelden, nachkommen.

    Ich hoffe, du kannst auf Grundlage dieser Infos die beste Entscheidung für dich treffen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Cecilia
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 20.01.2023


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