Deutscher Gewerkschaftsbund

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Sozialversicherungspflichtig plus Minijob

Hallo,

Wieviel Arbeit ist erlaubt ohne den Studentenstatus zu verlieren? Ist eine Anstellung zzgl Minijob theoretisch möglich? Welche Grenzen zeitlich oder finanziell müssen beachtet werden? 
Vielen Dank im Voraus 

Stella: 05.01.2023 |
  • RE: Sozialversicherungspflichtig plus Minijob

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Student*in darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss. Dort bist und bleibst du Student*in, solange du immatrikuliert bist.

    Die Auswirkungen der verschiedenen Jobkombinationen sind sehr unterschiedlich und pauschal nicht zu beantworten. Je nach Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe, werden die Bereiche BAföG, Steuern und Sozialversicherung unterschiedlich beeinflusst.

    Leider kann ich mit deinen Angaben nur sehr allgemeine Informationen mit dir teilen.

    Als Studentin ist insbesondere die 20h-Regel bzw. der Werkstudierendenstatus relevant. Beim sogenannten Werkstudent*innenstatus handelt es sich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV), den Vollzeitstudent*innen i.d.R. immer dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten (zeitlich werden alle Beschäftigungen hier summiert). Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.

    Hast du also zum Beispiel eine abhängige Beschäftigung mit circa 15h/Woche und möchtest diese mit einem Minijob kombinieren, verlierst du den Werkstudistatus sobald du regelmäßig über 20h/Woche arbeitest. Prinzipiell ist das aber nicht so schlimm, wie viele befürchten.

    Im Vergleich:

    Im Werkstudent*innenstatus fallen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 120€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür keine weiteren Kosten für die KV. Du bist dann über den Job krankenversichert und zudem auch arbeitslosenversichert.

    Von der 20h-Regel gibt es dann auch noch Ausnahmen, nach denen du mehr als 20h/Woche arbeiten kannst, ohne dass sich dein Status von Werkstudent auf Arbeitnehmer verändert. Dies ist z.B. der Fall, wenn durch befristete Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr aufs Wochenende, nachts oder die Semesterferien fällt.

    In Kombination mit einem anderen Job bleibt der Minijob grundsätzlich immer sozialversicherungsfrei (bis auf 3,6% RV, davon kannst du dich aber befreien lassen). Nur wenn du zwei Minijobs miteinander kombinierst und über 520€/Monat verdienst, verlierst du den Minijobstatus für beide Jobs.

    Was gibt es zum Thema Steuern zu beachten?

    Steuerlich werden Minijobs in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.

    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Kombination mit anderen abhängigen Beschäftigungen in Steuerklasse 6. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 10.908€/Jahr (plus Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast. Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.

    Arbeitszeit:

    Beachte auch die Regelungen nach dem Arbeitszeitgesetz. Demnach darfst du nicht mehr als 8h/Tag (10h/Tag bei Ausgleich) bei einer 6-Tage-Woche und damit nicht mehr als 48h/Woche abhängig beschäftigt werden.

    Und schließlich ein letzter Hinweis bezüglich der Krankenversicherung:
    Meine Ausführungen hier beziehen sich alle auf gesetzliche Krankenversicherung. Leider kann ich nicht einschätzen, ob diese Regelungen auch bei deiner Krankenkasse so zutreffen. Private Krankenversicherungen unterliegen nicht den Regelungen der Sozialgesetzgebung, Einkommens- und Altersgrenzen aus der gesetzlichen Familienversicherung oder der gesetzlichen studentischen Krankenversicherung müssen nicht gelten. Ausschlaggebend ist euer Versicherungsvertag. Erkundige dich dazu am besten direkt bei deiner PKV.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Cecilia
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 06.01.2023


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