Deutscher Gewerkschaftsbund

Minijob mit Freelancer Tätigkeit aufstocken

Hallo Liebes DGB-Jugend Team,

ich habe neben meinem Vollzeitstudium einen 450€ Job, habe mich nicht von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen und zahle somit Rentenbeiträge und die 2% Steuer, welche auf mich als Arbeitnehmer verlagert wurden. Krankenversichert bin ich in der Familienversicherung.

Da ich nicht immer auf 450€ komme, wollte ich zusätzlich als Freelancer soz. aufstocken. Wenn ich das richtig verstanden habe ändert sich zumindest für die Krankenkasse nichts, solange ich die 450€ Grenze nicht überschreite.

Wenn ich in meinem 450€ Job nun z.B. nur 100€ im Monat verdiene und den Rest mit einer Freelancer Tätigkeit verdiene, muss ich dann davon auch Steuer und Rentenversicherungsbeiträge abziehen? Wie würde es aussehen wenn ich mal ein bis zwei Monate nur die Freelancer Tätigkeit ausübe oder wenn ich gar nicht mehr Angestellt wäre?

Vielen Dank für eure Hilfe!

LG Mellie

Mellie: 17.06.2022 |
  • RE: Minijob mit Freelancer Tätigkeit aufstocken

    Hallo Mellie,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du als Freelancerin arbeitest, bist du selbstständig tätig. Du bist dann quasi deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung), falls welche anfallen.

    Wenn du gegen Honorar einer wissenschaftlichen, erzieherischen, unterrichtenden, schriftstellerischen oder künstlerischen Tätigkeit nachgehst, handelt es sich um eine freiberufliche Tätigkeit. Dann musst du nicht zusätzlich noch ein Gewerbe anmelden.
    Handelt es sich aber z.B. um eine handwerkliche oder eine Verwaltungstätigkeit, musst du dich zusätzlich noch beim zuständigen Ordnungs-/Gewerbeamt anmelden. Wenn du unsicher bist, frag beim Finanzamt nach.
    Beim Finanzamt meldest du dich mit dem Formular "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" an. Nach deiner Anmeldung erhältst du eine Steuernummer (das ist etwas anderes als deine Steuer-ID!), die dann zukünftig zwingend auf deine Rechnungen drauf muss.
    Du kannst also erst eine rechtsgültige Rechnung schreiben, wenn du angemeldet bist.

    Solange du von deiner Krankenkasse als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst und die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung nicht überschreitest, kannst du familienversichert bleiben. Diese beträgt 470€/Monat (bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn - Einnahmen minus Betriebsausgaben - relevant) ODER 450€/Minijob. In der Kombination aus beidem zählt die Grenze in Höhe von 470€/Monat. Verdienst du insgesamt mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 110€/Monat).

    Beachte, dass für Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.

    Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab. Ggf. brauchst du eine Berufshaftpflicht oder musst Mitglied einer Kammer werden. Einige selbstständige Tätigkeiten sind auch rentenversicherungspflichtig, in der Regel fallen aber erst Beiträge an, wenn dein Gewinn aus der Selbstständigkeit über 450€/Monat liegt.
    Steuern sollten auch erstmal keine anfallen. Der Steuergrundfreibetrag beträgt 10.347€/Jahr. Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – aund auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. Auch hier ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant und der pauschal mit 2% versteuerte Minijob zählt nicht mit hinein. Es kann aber sein, dass du trotzdem eine Steuererklärung machen musst, z.B. wenn dich das Finanzamt dazu auffordert.

    Wenn du den Minijob aufgeben und nur noch selbstständig tätig sein solltest, gilt das gleiche. Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 21.06.2022


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