Deutscher Gewerkschaftsbund

Honorartätigkeit und Bafög

Hallo,

Ich habe gerade ein Jobangebot bekommen, in dem ich im Durchschnitt 10h pro Monat arbeite und mit 16€ Stundenlohn vergütet werden würde. Allerdings beziehe ich Bafög (366€/Monat) und kann mir nicht leisten, dass dieses gekürzt wird (wenn es um so viel gekürzt würde, wie ich verdiene, würde ich den Job nicht annehmen). Ich würde also ungefähr 160€ pro Monat verdienen. Über 300€ im Monat eürde ich auf keinen Fall kommen. Nun sagte mir eine Freundin solange ich unter 450€ verdiene, habe das keinen Einfluss auf mein Bafög. Stimmt das? Und gint es irgendwas worauf ich achten muss?

Vielen Dank im Voraus und liebe Grüße

Nina

Nina: 13.06.2022 |
  • RE: Honorartätigkeit und Bafög

    Hallo Nina,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Deine Freundin hat halb recht. Der Einkommensfreibetrag beim BAföG beträgt 290€/Monat.
    Dein Einkommen wird beim BAföG aber auch noch um eine Sozialpauschale in Höhe von 21,3% und bei abhängiger Beschäftigung noch um die Werbungskostenpauschale (1200€/Jahr) bereinigt. So kannst du in abhängiger Beschäftigung bis zu 466€/Monat oder 5600€/Jahr ohne BAföG-Abzüge verdienen.
    Bei der Selbstständigkeit greift die Werbungskostenpauschale jedoch nicht, dafür kannst du dort dein Honorar um die für den Job notwendigen Ausgaben bereinigen (Gewinnermittlung). Die Sozialpauschale wird aber auch hier abgezogen.
    Erst das, was dann übrig bleibt und über die 290€/Monat geht, vermindert deinen BAföG-Auszahlbetrag.

    In selbstständiger Tätigkeit kannst du also bis zu 4400€ Gewinn im Jahr erzielen, ohne dass du Abzüge beim BAföG fürchten musst. Mehr dazu hier.

    Nun zum eventuellen kniffligeren Teil deiner Anfrage: eine Honorartätigkeit ist nämlich in der Regel eine Form der selbstständigen Tätigkeit. Das ist vielen nicht klar, daher solltest du dich vor der Annahme des Jobangebots informieren, was das bedeutet.

    Denn wenn du selbstständig tätig bist, bist du formal quasi deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Gegebenefalls musst du dann auch deine Steuererklärung machen.

    Wenn du gegen Honorar einer wissenschaftlichen, erzieherischen, unterrichtenden, schriftstellerischen oder künstlerischen Tätigkeit nachgehst, handelt es sich um eine freiberufliche Tätigkeit. Dann musst du nicht zusätzlich noch ein Gewerbe anmelden.
    Handelt es sich aber z.B. um eine handwerkliche oder eine Verwaltungstätigkeit, musst du dich zusätzlich noch beim zuständigen Ordnungs-/Gewerbeamt anmelden.
    Beim Finanzamt meldest du dich mit dem Formular "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" an. Nach deiner Anmeldung erhältst du eine Steuernummer (das ist etwas anderes als deine Steuer-ID!), die dann zukünftig zwingend auf deine Rechnungen drauf muss.
    Du kannst also erst eine rechtsgültige Rechnung schreiben, wenn du angemeldet bist.

    Auch deiner Krankenkasse musst du Bescheid sagen. Solange du dort als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du bis zu einem Gewinn von 470€/Monat (das ist die Einkommensgrenze) in der gesetzlichen Familienversicherung bleiben. Verdienst du mehr (oder wirst du 25 Jahre alt), musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern.

    Beachte außerdem, dass für Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer*innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 21.06.2022


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