Deutscher Gewerkschaftsbund

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Kombi: Minijob und Werkstudent/ Freiberufler

Liebe Helfende, 

ich werde die kommenden zwei Semster noch mit meinem Studium verbringen und danach ein festen Angestellten-Verhältnis anstreben. 

Nun ist es so, dass ich seit Jahren einem 450€-Job in der Nachtgastro nachgehe, den ich nur ungern aufgeben möchte - die Arbeit macht mir Spaß, der Verdienst ist super und auch das Team ist durch die jahrelange zusammenarbeit hervorragend.

Durch mein Praktikum im Jahr 2021 hat sich zudem eine freiberufliche Tätigkeit ergeben, bei der ich hin und wieder Aufträge wie Texten, bürokratische Assistenzaufgaben, die Begleitung von Events annehme und dadurch pro Monat ca. 600€ (brutto) verdiene. 

Nun habe ich ein Jobangebot bekommen, bei welchem ich pro Woche circa 20h arbeiten soll.

Ich traue mir das alles parallel durchaus zu. Meiner Recherchen nach ist das allerdings nur schwer in die Tat umsetzbar bzw. würde mich einiges an Steuern kosten, sodass sich das finanziell gar nicht lohnen würde. Interessant ist dieser Job vor allem deswegen, weil er eine Festanstellung nach dem Studium in Aussicht stellt. 

Im Zweifel wäre ich bereit, die freiberufliche Tätigkeit aufzugeben; den 450€-Job würde ich aber sehr gerne behalten. 

Was muss ich beachten, um beides ausüben zu dürfen?! 

Vielen Dank für sämltiche Ratschläge! 

mloest: 12.04.2022 |
  • RE: Kombi: Minijob und Werkstudent/ Freiberufler

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal vorab: Auch als Student_in darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest! Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen und deren jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

    Ich würde dir gerne zunächst ein paar Infos zur 20h-Regel mit auf den Weg geben und was du bei deinem Jobangebot beachten könntest:

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudentin oder voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer_in angemeldet.

    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit. Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudent_in nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als Werkstudent_in angemeldet.

    Die 20h/Woche würdest du vermutlich nur mit deinem neuen Jobangebot einhalten können, da sich sowohl die Arbeitszeiten aus dem Minijob als auch aus deiner freiberuflichen Tätigkeit auf deinen Werkstudi-Status auswirken und du somit weit über den 20h/Woche liegen würdest.

    Der Werkstudent_innenstatus bleibt aber in der Regel auch bei einer Arbeitszeit von über 20h/Woche erhalten, wenn die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr durch befristete (!) Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen auf abends, nachts oder das Wochenende fällt. Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien zählen auch in die 26 Wochen mit hinein.

    Bei regelmäßigen Überschreitungen von beispielsweise 30h/Woche wird dich die Krankenkasse jedoch vermutlich als voll sv-pflichtige Arbeitnehmer_in einstufen.

    Grundsätzlich ist das nicht weiter schlimm, denn eine volle SV-Pflicht aber gar nicht so schlimm, wie manche denken. Im Werkstudent_innenstatus fallen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür keine weiteren Kosten für die KV. Du bist dann über den Job krankenversichert und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudent_in. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I), auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Beachten solltest du überdies auf jeden fall, dass du all deine Tätigkeiten bei deinen Arbeitgeber_innen angeben solltest, damit sie dich richtig anmelden und abrechnen können.

    Nun zum Thema Steuern:

    Wie groß deine Steuerlast tatsächlich ist, kann ich dir hier nicht sagen. Aber folgendes könntest du beachten:

    Derzeit liegt der Steuergrundfreibetrag bei 9984€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – aber auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt.

    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.

    Bei der Kombination von Minijob und Werkstudi-Stelle/Teilzeitstelle könnte man noch darauf achten, ob der Minijob auch über deine Steuer-ID abgerechnet wird. Steuerlich werden Minijobs in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
    Da auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen ist, wirst du dort ab dem 1. ct. besteuert. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest. Du kannst aber im Folgejahr mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    Und schließlich noch ein paar Worte zur Selbstständigkeit:

    Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi dein eigener Chef und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

    Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du dich während des Studiums studentisch krankenversichern.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https://jugend.dgb.de/-/Xgf sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Ich hoffe, die Infos helfen dir weiter. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Cecilia
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 10.05.2022


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