Deutscher Gewerkschaftsbund

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Werkstudentenjob und kurzfristige Beschäftigung

Hallo liebes DGB-Team,

ich habe einen wahrscheinlich eher ungewöhnlichen Fall und benötige bitte eure Hilfe. Ich bin seit Juli des letzten Jahres als Werkstudentin mit 12 Wochenstuden angestellt und erhalte dafür 1900 € brutto in Steuerkl. I und zahle dafür natürlich auch Lohnsteuer und RV.

Nun schreibe ich noch in diesem Monat mein 1. Staatsexamen und möchte unmittelbar danach, ab Mai, eine weitere Stelle als kurzfristige Beschäftigung für 6 Monate mit 20 Wochenstunden antreten für 2400 € brutto in Steuerklasse VI. 

Falls ihr euch wundert: die sehr hohen Verdienste basieren auf meiner Qualifikation aufgrund einer vorangegangenen Ausbildung und sind deshalb nicht ungewöhnlich. Soweit mir bekannt ist, gibt es finanziell auch keine Grenze hinsichtlich des Werkstudentenprivilegs, sondern lediglich über die Zahl der Wochenstunden. Dennoch käme ich kumuliert ja auf ein Bruttogehalt von 3.300 €, dies ist vielleicht dennoch eine wichtige Info.

Jedenfalls würde ich mit diesem Vorhaben natürlich die 20 Wochenstunden deutlich überschreiten, wobei ich immer wieder lese, dass hierbei sämtliche Beschäftigungszeiten der vergangenen 12 Monate zugrunde gelegt werden und im Mai 2021 habe ich ja noch gar nicht gearbeitet. Könnte also die ab Mai eintretenden 32 Wochenstunden dadurch kompensiert werden, dass in den vergangenen 12 Monaten entsprechend weniger bzw. gar nicht gearbeitet wurde?

Griffe bei mir speziell außerdem der Einwand, dass ich mein Staatsexamen bereits geschrieben habe und nur noch auf die mündliche Prüfung im September 22 warte, sodass ich in der Zwischenzeit eigentlich ruhigen Gewissens arbeiten kann ohne horrenden Abzügen in der SV zu unterfallen? Das Studium ist ja insoweit nahezu abgeschlossen. Oder ist das Gesetz hier eng auszulegen, sodass ich auch eigentlich nach Absolvierung der schriftlichen Prüfung nicht mehr als 20 Stunden arbeiten darf, um das Werkstudentenprivileg nicht zu verlieren? Könnte ich sodann arbeitsvertraglich mit dem neuen Arbeitgeber ab Mai vereinbaren, dass ich in der "Vorlesungszeit" (natürlich habe ich keine Vorlesungen mehr, da alles bis auf die mündliche Prüfung abgeschlossen) 8 Stunden arbeite und in der Vorlesungsfreien Zeit entsprechend mehr um mir weiter mein monatliches Festgehalt von 2400 € brutto zu sichern?

Ich bin auf die Gehälter unbedingt angewiesen, da ich durch das selbstfinanzierte Studium enorme Kreditschulden sowie private Schulden aufgebaut habe. Ich befürchte aber, dass der neue Arbeitgeber mich für eine voll sozialversicherungspflichtige Tätigkeit nicht für 2400 € brutto anstellen wird. 

Für eine Antwort zu diesem verzwickten Fall wäre ich ausgesprochen dankbar, da ich langsam nicht mehr weiter weiß wie ich hier weiter verfahren soll.

Viele Grüße

Arbeiterkind

Arbeiterkind: 12.04.2022 |
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  • RE: Werkstudentenjob und kurzfristige Beschäftigung

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage!

    Ich versuche, dir so viele praktische Infos wie möglich mit auf den Weg zu geben, jedoch können wir keine individuelle Fallberatung leisten. Trotzdem helfen dir die folgenden Auskünfte hoffentlich weiter.

    Zunächst einmal zu deiner ersten Frage bezüglich der 20h-Regel:

    Die 20h-Regel wird zur Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) herangezogen, um deinen Status dort zu ermitteln. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudentin oder voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer_in angemeldet. Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist also deine regelmäßige Arbeitszeit (wobei einzelne Spitzen in der Regel keine Rolle spielen) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht. Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudent_in nicht mehr als 20h/Woche arbeitest.

    Es gibt hiervon jedoch auch einige Ausnahmen, wodurch die 20h/Woche überschritten werden können. Ausnahmen sind somit in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt.

    Bei einer regelmäßigen Arbeitszeit von 32h/Woche vermute ich allerdings, dass die Krankenkasse dich als voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin einstufen wird, selbst wenn du am Anfang des in Betracht stehenden Zeitraumes nicht gearbeitet hast. Beachte auch bitte, dass du deine Arbeitgeber_innen über deine Tätigkeiten informieren musst, damit sie dich richtig anmelden und abrechnen können.

    Leider ist es auch unerheblich, wie sehr du in der verbleibenden Zeit deines Studiums tatsächlich ausgelastet bist. Schließlich bist du ja immernoch als Vollzeitstudentin immatrikuliert. Entsprechend darf die 20h-Regel wirklich nur im Rahmen der Ausnahmen überschritten werden, solange man das „Werkstudentenprivileg“ nicht verlieren möchte. Somit gilt als vorlesungsfreie Zeit gilt die Zeit, in der an deiner Uni/in deinem Bundesland offiziell keine Vorlesungen stattfinden.

    Kurzfristige Beschäftigung

    Kurzfristige Beschäftigungen liegen vor, wenn dein Job auf 70 Tage bzw. 3 Minate im Jahr befristet ist und die Beschäftigung nicht berufsmäßig ausgeübt wird (sie muss also von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung). Wenn es sich bei deiner umschriebenen Tätigkeit um eine solche kurzfristige Beschäftigung handeln sollte, würdest du meines Wissens nach in deiner anderen Tätigkeit als voll sv-pflichtige AN angemeldet werden. Denn: kurzfristige Beschäftigungen sind aufgrund ihrer Geringfügigkeit sowieso sozialversicherungfrei. Liegen die Voraussetzungen also vor und du überschreitest aufgrund deiner kurzfristigen Beschäftigung die 20h-Regel, wirst du nur in deiner anderen Tätigkeit sozialversicherungspflichtig. Der Wechsel im Sozialversicherungs-Status ist im übrigen kein Kündigungsgrund!

    Du zahlst dann wohl kanpp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent_in. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Ich hoffe, die Infos helfen dir weiter. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Cecilia
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 04.05.2022


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