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Kombination Werkstudent und kurzfristige Beschäftigung

Hallo zusammen,
ich stehe kurz vor dem Abschluss meines Studiums und habe daher zeitliche Kpazitäten, die ich gerne für den ein oder anderen Gelgenheitsjob (kurzfriustige beschäftigung über Instaff o.Ä.) nutzen würde. 

Die Situation: 
- Werkstudentenstelle hat laut Vertrag 20h/Woche.

- Studentische Krankenversicherung zahle ich selbst. 

- der relevante Zeitraum liegt in der Vorlesungszeit

Frage:

- Muss ich mit höheren Beiträgen  in der Sozialversicherung rechnen, wenn ich an ein paar Tagen im Monat im Rahmen einer kurzfristigen Beschäftigung was dazuverdiene?

- Wenn ja: vie viel mehr wäre das und welche Bereiche der Sozialversicherung wären davon betroffen? 


- Habe ich außer der SV noch etwas übersehen, was davon beeinflusst werden könnte? 

Vielen Dank für eure Hilfe! 
Gruß, ankr5372

ankr5372: 11.04.2022 |
  • RE: Kombination Werkstudent und kurzfristige Beschäftigung

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Grundsätzlich ist die Kombination von Werkstudi-Job und kurzfristiger Beschäftigung möglich. Dabei solltest du in den Bereichen Sozialversicherung und Steuern folgendes beachten:

    Sozialversicherung
    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudentin oder voll sozialversicherungs-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet.

    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit. Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudent_in nicht mehr als 20h/Woche arbeitest.

    Hiervon gibt es jedoch auch Ausnahmen, die es erlauben, die 20h/Woche zu überschreiten ohne dass sich dein Status von Werkstudentin auf Arbeitnehmerin verändert. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn durch befristete Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr aufs Wochenende, nachts oder die Semesterferien fällt. Darüber hinaus kannst du auch in der vorlesungsfreien Zeit die 20h-Regel problemlos überschreiten. Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien zählen auch in die 26 Wochen mit hinein.

    Zu den SV-Beiträgen als Werkstudentin:
    Greift der  Werkstudent_innenstatus, fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung an und du trägst die Kosten für die studentische Krankenversicherung (um die 100€/Monat).
    Die kurzfristige Beschäftigung ist hingegen aufgrund ihrer Geringfügigkeit sozialversicherungsfrei.

    Solltest du die 20h/Woche regelmäßig überschreiten, wirst du als voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin angemeldet. Das ist aber garnicht so schlimm, wie manche denken! Hier die Beiträge:

    Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.
    In der von dir beschriebenen Kombi würden die SV-Abgaben auch nur auf den Werkstudi-Job anfallen.

    Steuern:

    Hier sind alle Jobs und damit die Höhe deiner jährlichen Einkünfte insgesamt relevant. Dabei fällt aber nicht schon ab dem ersten Cent Einkommenssteuer an.
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9984€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt.

    Was bedeutet das für dich konkret?
    Sofern du deine Steuer-ID bei deinem Arbeitgeber abgibst, wirst du individuel besteuert. Falls also beide Jobs über deine Steuer-ID laufen, wird einer über Lohnsteuerklasse 1 versteuert und der zweite Job überlicherweise über Lohnsteuerklasse 6.  Hier ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst.

    Hast du jedoch bei mehreren abhängigen Beschäftigungen in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen ggf. hohe Abzüge, kannst du sämtliche zu viel eingezogenen Steuern im Folgejahr mit deiner Steuererklärung zurückbekommen.

    Ich hoffe, die Infos helfen dir weiter. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden!

    Beste Grüße
    Cecilia
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 04.05.2022


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