Deutscher Gewerkschaftsbund

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(14. Januar 2022). Achtung! Derzeit kann krankheitsbedingt keine Beratung stattfinden. Demnächst sind wir dann wieder uneingeschränkt für euch da.

Bafög, angestellt als Werkstudentin + Nebengewerbe

Hallo zusammen, 

Ich bin 28 Jahre alt und befinde mich zur Zeit in einem Masterstudium (noch 2 Semester) und habe im Oktober mit einem Fernstudium an einer privaten Hochschule begonnen (da noch 6 laufende Semester). Gefördert werde ich nur noch so lange ich mich im Masterstudium befinde. 

Zu meiner finanziellen Situation: 

ich bekomme ca. 500 Euro Bafög  monatlich (Höchstförderungsdauer März 22), kein Kindergeld mehr und bin als Werkstudentin mit 15 Stunden wöchentlich eingestellt und selber gesetzlich versichert.

Von der Werstudententätigkeit bekomme ich monatlich ca. 550- 600 Euro. Da mir vom Bafög der Höchstsatz zusteht, habe ich bereits mit der Werkstudententätigkeit Abzüge. Insgesamt sind es jeden Monat ca. 1100 Euro.

Nun würde ich gerne mit einem Freud ein Nebengewerbe/eine Nebentätigkeit im handwerklichen Bereich anmelden und diese dann im Rahmen der Kleinunternehmerregelung ausüben. 

Da ich bereits eine Tätigkeit ausübe und noch Bafög bekomme, bin ich ein wenig unischer, wie sich das Nebengewerbe auf meine jetztige Lage auswirken würde/könnte. Macht es für mich denn überhaut Sinn ein Nebengewerbe anzumelden, solange ich noch Bafög beziehe? Und welche Auswirkungen hat dann die Kombi aus Werkstudententätigkeit/Nebengewerbe auf meinen Versichertenstatus?

Bezüglich Steuern/Bafög/Arbeitszeit und Vericherung wäre ich für jede Info unheimlich dankbar!!

Freundliche Grüße, 

Agi

abee: 10.01.2022 |
  • RE: Bafög, angestellt als Werkstudentin + Nebengewerbe

    Hallo Agi,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi dein eigener Chef und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

    Damit die Sozialversicherungsträger_innen davon ausgehen können, dass dein Studium weiterhin im Vordergrund steht, ist die 20-Stunden-Regel wichtig. Leider gibt es bei selbstständig Tätigen oftmals verschiedene Handhabungen zu dieser Regel. Denn einige Krankenkassen unterstellen noch Vor- und Nachbereitungszeiten. Deshalb wird als weiche Grenze eher 15-18h pro Woche angesetzt. Dabei werden die Stunden aus allen Tätigkeiten, selbstständig wie abhängig beschäftigte, zusammen gerechnet. Solltest du darüber kommen, dann musst du zum einen im Werkstudent_innenjob versichert werden und dich auch mit einer Anmeldung der Krankenversicherung für die Selbstständigkeit beschäftigen.

    Es gelten aber auch bei Selbstständigen die Ausnahmen der abhängig Beschäftigten: Arbeitszeit nachts, am Wochenende sowie in der vorlesungsfreien Zeit wird nicht betrachtet. Dabei darf aber nicht mehr als 26 Wochen in einem Zeitraum von einem Jahr über 20 Stunden wöchentlich gearbeitet werden. Bei dieser Grenze werden dann die Arbeitszeiten aus all deinen Tätigkeiten zusammen gerechnet. Frage aber am besten auch bei deiner Krankenkasse, wie sie konkret verfährt. Es gibt zwar allgemeine Richtlinien, aber im Endeffekt trifft die Krankenkasse die Entscheidung, wie sie dich versichert.

    Einkommenssteuer zahlst du erst für den Teil deines Einkommens, der den Freibetrag von aktuell 9.984 Euro pro Kalenderjahr überschreitet. Dabei wird dein Einkommen aus abhängiger und selbstständiger Tätigkeit gemeinsam betrachtet. Als Einkommen zählt bei Selbstständigen nur der Gewinn, du kannst also alle Ausgaben von den Einnahmen abziehen. Dein Einkommen teilst du dem Finanzamt mit einer Steuererklärung mit, wenn du über dem Freibetrag verdient hast. Meistens musst du aber auch eine einreichen, wenn du weniger verdient hast. Zum Beispiel, wenn du neben einer abhängigen Beschäftigung mehr als 410 Euro pro Jahr (!) aus einer selbstständigen Tätigkeit verdient hast. Oder immer dann, wenn das Finanzamt dich dazu auffordert. Die Steuererklärung für 2021 ist bis zum 31. Juli 2022 fällig.

    Neben der Einkommensteuer fällt auch Umsatzsteuer an, wenn du im vergangenen Jahr mehr als 17.500 Euro Umsatz hattest und im laufenden Jahr voraussichtlich mehr als 50.000 Euro Umsatz haben wirst. Wenn du vorhersehbar einen geringeren Umsatz haben wirst, kannst du gleich mit der Anmeldung beim Finanzamt die Befreiung von der Umsatzsteuer beantragen. Du machst dann Gebrauch von der Kleinunternehmer_innenregelung und musst das auch entsprechend so in deinen Rechnungen kennzeichnen.

    Auf deine Rechnungen gehört in jedem Fall deine Steuernummer (die vom Finanzamt für deine selbstständige Tätigkeit; nicht zu verwechseln mit deiner persönlichen Steuer-ID). Auch bei den Rechnungen für deine ehrenamtliche Tätigkeit braucht es eine Steuernummer, denn Rechnungen haben zwingende Inhalte. Was da sonst noch reingehört, haben wir in unserer Broschüre zur Selbstständigkeit (auf S. 11) aufgelistet. Du findest auch zahlreiche Vorlagen im Netz.

    Wenn du bereits jetzt bei BAföG Abzüge hast wegen deinem Job dann würde dir der Gewinn aus deiner selbständigen Tätigkeit ebenfalls voll abgezogen werden (beachte: Gewinn ist nicht das gleiche wie das, was du von Auftraggebern gezahlt bekommst bei der Selbstständigkeit).

    Für eine korrekte Anmeldung solltest du deine selbstständige Tätigkeit bei deinem Job melden. Dazu bist du im Rahmen deiner Informations- und Meldepflichen verpflichtet.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Miriam
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 10.01.2022


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