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Mehrere Minijobs und Kündigungsfristen

Liebes dgb-Team,

ich arbeite als studentische Hilfskraft an der Uni in Job 1 mit 20h/Woche und einem Monatslohn von 236,94 Euro (vermutlich ein Minijob?) und habe einen weiteren Minijob (Job 2) bei dem ich ebenfalls 20h/Woche bei einem Monatslohn von 250 Euro arbeite. In meinem Job an der Uni bin ich in Steuerklase 6 gemeldet.

Mein Problem ist nun folgendes: Ich habe einen neuen Minijob (Job 3), den ich gerne statt Job 2 annehmen würde. Bei Job 2 habe ich allerdings eine 4-wöchige Kündigungsfrist. Was ist für die Übergangszeit nun am schlausten? Frage ich bei Job 3 nach, ob ich in den gegebenen vier Kündigungswochen nur so viel arbeiten kann, dass ich maximal 200 Euro verdiene und Job 3 deshalb nicht in Steuerklasse 6 anmelden muss? Oder bitte ich bei Job 2 darum, in Steuerklasse 6 zu wechseln?

Habe ich überhaupt Entscheidungsmacht über die verschiedenen Arten der Abrechnung oder muss ich ohnehin das annehmen, was mir der Arbeitgeber vorschlägt (z.B. Steuerklasse 6 für Job 3)?

Vielen herzlichen Dank für eure Antwort und die Hilfe beim Zurechtfinden im Regelungsdschungel schon einmal im Voraus und liebe Grüße

Anna

annaleonie: 23.11.2021 |
  • RE: Mehrere Minijobs und Kündigungsfristen

    Hallo Anna,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Vorneweg: Ich gehe davon aus, dass du 20h/Monat und nicht 20h/Woche pro Job meinst.

    Um deine Fragen zu beantworten, fange ich mal des besseren Verständnisses wegen von vorne an:

    Wenn du in beiden Jobs nicht mehr als jeweils 450€/Monat verdienst, handelt es sich bei jedem für sich betrachtet um geringfügige Beschäftigungen/Minijobs. Minijobsd werden aber in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet. Kommst du dann insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs.

    Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du in beiden als Werkstudentin angemeldet. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an.
    Das gleiche gilt, wenn du einen dritten (für sich betrachtet) Minijob dazu aufnimmst. Auch der muss dann im Werkstudistatus angemeldet werden.

    Zudem müssen in der Kombi beide (ggf. auch alle drei) Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du einen (bzw. zwei davon) davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen musst. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere indivieduell besteuerte Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kommt es auch zu Steuereinzügen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleibst.
    Du kannst aber im Folgejahr mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    In der Steuererklärung kannst du dann auch noch Vorsorgeaufwendungen und ggf. Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten geltend machen, so dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, auch bei einem Gesamtbruttoeinkommen von 13.000 oder 14.000 € im Jahr noch keine Einkommenssteuer zahlen zu müssen.

    Wie du in der Sozialversicherung angemeldet und versteuert werden musst, ist gesetzlich geregelt. Nur bei geringfügigen Beschäftigungen gibt es die Möglichkeit der Pauschalversteuerung. So können Minijobs pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Jedoch entscheiden deine Arbeitgeber_innen, ob dein Gehalt pauschal oder individuell besteuert wird. Du kannst aber immer fragen, ob das auch geändert werden kann.
    Beachte: Die Pauschalversteuerung mit 2% ist tatsächlich nur im Minijob möglich! Liegst du mit beiden (oder allen drei) Jobs über 450€/Monat, muss zwingend individuell besteuert werden, eine Pauschalversteuerung ist dann nicht möglich!
    Was die Steuerklssen angeht, da kannst du selbst entscheiden, welcher Job über LSK 1 und welche/r über LSK 6 laufen. Dafür musst du lediglich deinen Arbeitgeber_innen mitteilen, welcher der Jobs dein Hauptjob sein soll, der kommt dann in LSK 1.

    Um den doch recht hohen Steuereinzug über deine LSK 6 zu vermeiden, kannst du außerdem versuchen, beim zuständigen Finanzamt einen Übertrag eines Teils deines Freibetrags auf die LSK 6 zu beantragen. Schau mal hier unter Freibeträge flexibel handhaben.  

    Nun zu deiner eigentlichen Frage: Wenn ich deine Kombi richtig verstehe, verdienst du aktuell etwas über 480€/Monat mit beiden Jobs. In der Kombi würde es dann keine Rolle spielen, ob für eine Übergangszeit ein dritter Job über oder unter 200€/Monat liegt und ob du im zweiten Job, den du kündigen möchtest, bis zur Kündigung weniger arbeitest.
    Solange du mit allen drei Jobs über 450€/Monat liegst, werden alle bis zu einer wöchentlichen Gesamtarbeitszeit als Werkstudijobs abgerechnet. Liegst du mit allen Jobs (egal ob zwei oder drei) unter 450€/Monat, sind alle Minijobs.

    Bei der Sozialversicherung haben Arbeitgeber_innen nämlich keinen Handlungsspielraum. Je nachdem, welche Kriterien erfüllt sind, so musst du dann auch entsprechend angemeldet werden.
    Wenn du also aktuell als Minijobberin angemeldet sein solltest, läuft da was nicht korrekt - außer dir ist bei deinen Gehaltsangaben ein Tippfehler unterlaufen und du verdienst doch nicht über 450€/Monat? Dann handelt es sich doch um Jobs im Minijobstatus und es ist ggf. eine Pauschalversteuerung alternativ zu der individuellen Besteuerung über Lohnsteuerklassen möglich.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.
    Um nicht an die gesetzliche Kündigungsfrist gebunden zu sein und dennoch die Überschneidung von drei Jobs zu vermeiden, kannst du übrigens auch immer um einen Aufhebungsvertrag bitten. Das bedeutet, dass du und dein_e Arbeitgeber_in euch einvernehmlich auf die Beendigung des Arbeitsverhältnisses einigt.

    Und noch ein Hinweis:
    Ob und wenn ja, welche Auswirkungen das auf deine Krankenversicherung haben könnte, können wir nicht einschätzen. Private Krankenversicherungen unterliegen nicht den Regelungen der Sozialgesetzgebung, Einkommens- und Altersgrenzen aus der gesetzlichen Familienversicherung müssen nicht gelten. Ausschlaggebend ist euer Versicherungsvertag. Erkundige dich dazu am besten direkt bei eurer PKV.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 25.11.2021


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