Deutscher Gewerkschaftsbund

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Beschäftigung auf Honorbasis

Guten Tag,

Ich bin aktuell bei einer Firma angestellt und arbeite dort auf Minijob-Basis. Das monatliche Maximal-Einkommen von 450 € reize ich jeden Monat aus, sodass ich jährlich auf 5400 € komme. Bisher habe ich zusätzlich in einem Verein als Software-Entwickler und Webdesigner auf ehrenamtlicher Basis gearbeitet. Für ein neues Projekt wurde mir nun aber eine Entlohnung im mittleren vierstelligen Bereich in Aussicht gestellt.

Meine Fragen/Ansätze sind nun die Folgenden:

1. Für die Arbeit auf Honorarbasis bzw. die Bezahlung müsste ich mich beim Finanzamt als Freiberufler eintragen lassen. Ende des Jahres 2022 (die Bezahlung würde erst nächstes Jahr erfolgen) würde ich dann eine Einkünfte-Ausgaben-Rechnung sowie eine Steuererklärung erstellen. Ich werde mit Minijob und Honorar nicht über den Steuerfreibetrag kommen. Deswegen muss ich keine Einkommenssteuer abführen. Muss ich ab dann jedes Jahr eine Steuererklärung abgeben?

2. Da ich im letzten Jahr nicht als Freiberufler angemeldet war und mein Umsatz nächstes Jahr definitiv nicht über 50000 € steigen wird, kann ich die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen und muss keine Umsatzsteuer angeben bzw. abführen.

3. Derzeit bin ich familienversichert. Da meine Einkünfte die 5400€-Grenze überschreiten, werde ich aus der Familienversicherung fallen und muss mich selbst krankenversichern. 2023 kann ich dann einen Wiederaufnahmeantrag stellen. Auch kann ich ab 2023 wieder BaFög beziehen.

Ist das Beschriebene so korrekt oder hab ich etwas übersehen?

Vielen Dank für Eure Hilfe!

Liebe Grüße,

jf_5430

jf_5430: 23.11.2021 |
  • RE: Beschäftigung auf Honorbasis

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage. Da hast du auf jeden Fall schon mal ziemlich gut recherchiert!
    Hier zu deinen Fragen:

    1. Zur Abgabe einer Steuererklärung bist du u.a. verpflichtet, wenn dein Gewinn oberhalb des Steuerfreibetrags liegt oder wenn du neben einer abhängigen Beschäftigung mehr als 410€/Jahr Gewinn erzielst. Darüber hinauus musst du auch immer eine Steuererklärung abgeben, wenn dich das Finanzamt dazu auffordert. Es kann also sein, dass du in den Folgejahren eine Steuererklärung machen musst, sicher ist das aber nicht.

    Wenn es sich tatsächlich nur um ein einmaliges Honorar handelt, kannst du auch einfach mal bei deinem Finanzamt anrufen und Fragen, ob du das vielleicht sogar formlos angeben kannst. Wenn die nein sagen, musst du halt den offiziellen Weg (Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung + reguläre Abgabe einer Steuererklärung) gehen. Aber einen Versuch wäre das Nachfragen beim Finanzamt sicher wert.
    Wenn du sicher weißt, dass du keine weiteren Aufträge annehmen wirst, kannst du die selbstständige Tätigkeit auch wieder abmelden.

    2. Von der Kleinunternehmer_innenregel im Umsatzsteuerrecht kannst du Gebrauch machen, wenn dein Umsatz nicht über 22.000€/Jahr liegen wird. Die 50.000€/Jahr werden ggf. relevant, wenn es um darauffolgende Jahre geht.
    Das kannst du einfach bei deiner Anmeldung beim Finanzamt im Formular "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" ankreuzen.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    3. Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 470€/Monat (bei Selbstständigkeit zählt dein Gewinn) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat).
    Bei der Familienversicherung ist nicht dein jährliches, sondern dein monatliches Einkommen relevant. Ja nachdem, wann du wieviel verdienst, kannst du also eventuell auch schon vor 2023 wieder in die Familienversicherung zurückwechseln.

    Übrigens: Einkommen aus kurzfristiger Beschäftigung wird bei der Familienversicherung nicht miteingerechnet. Vielleicht wäre es also auch eine Lösung, wenn du den Verein, für den du tätig bist fragst, ob sie dich für die Aufgabe anstatt über Honorar abzurechnen als kurzfristig Beschäftigten anstellen können. Kurzfreistige Beschäftigungen sind für Arbeitnehmer_innen UND Arbeitgeber_innen sozialversicherungsfrei, es sollten dem Verein dadurch also keine extra Kosten entstehen.
    Das hätte den Vorteil, dass du keine Selbstständigkeit anmelden musst und familienversichert bleiben könntest. Es würde so zwar voraussichtlich zu Lohnsteuereinzügen kommen, du kannst aber im Folgejahr mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    Beim BAföG ist dein Einkommen im Bewilligungszeitraum relevant. Der geht in der Regel über 2 Semester. Dauert dein Bewilligungszeitraum z.B. von Oktober 2021 bis September 2022 und verdienst du in dem Zeitraum so viel, dass dein BAföG entfällt, kannst du bei entsprechend verringertem Einkommen ab Oktober 2022 wieder BAföG beziehen.
    Hier macht es keinen großen Unterschied, ob du abhängig beschäftigt plus freiberuflich arbeitest oder mehrere Jobs in abhängiger Beschäftigung hast. Auch wird Einkommen aus kurzfristiger Beschäftigung in der Regel ganz normal angerechnet.
    Der Einkommensfreibetrag beim BAföG in Höhe von 290€/Monat wird auch nicht pro Job, sondern insgesamt pro Monat gewährt. Zudem wird dein Einkommen beim BAföG noch um eine Sozialpauschale in Höhe von 21,3% und bei abhängiger Beschäftigung noch um die Werbungskostenpauschale (1000€/Jahr) bereinigt. So kannst du in abhängiger Beschäftigung bis zu 450€/Monat oder 5400€/Jahr ohne BAföG-Abzüge verdienen. Bei der Selbstständigkeit greift die Werbungskostenpauschale nicht, dafür kannst du dort dein Honorar um die für den Job notwendigen Ausgaben bereinigen (Gewinnermittlung).
    Was dann übrig bleibt und über die 290€/Monat geht, vermindert deinen BAföG-Auszahlbetrag. Bleibt mehr übrig als dein Bedarf nach BAföG wäre, entfallen deine Zahlungen ganz.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 25.11.2021


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