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Werkstudentenjob : Nachhilfe Selbstständig welche Abzüge

Hallo zusammen, ich hoffe ihr könnt mir bei meinem Problem helfen. Ich bin Studentin und fange demnächst an als Nachhilfelehrerin zu arbeiten. Dabei würde ich gerne mehr als 450 Euro verdienen, bin mir aber unsicher welche Abzüge/Steuern/Versicherungen ich dann zahlen muss, vor allem da die Nachhilfe zwar über eine Agentur läuft aber trotzdem als Selbstständige Arbeit betitelt ist. Meine Krankenversicherung läuft über die Halbweisenrente, weswegen hier eigentlich kein Problem auftauchen sollte. Wie ist das allerdings mit der Rentenversicherung? Müsste ich den vollen Prozentsatz von 18,6% zahlen? Und müsste ich Dinge wie Unfallversicherung etc zahlen? Und wie wäre das mit der Lohnsteuer? Also im Grunde würde ich nur gerne wissen, mit welchen Abzügen ich zu rechnen habe. Da ich dazu nirgendwo eine klare Antwort finde, wäre es super wenn ich mir helfen könntet.

Ich wäre mit der Nachhilfe unter 20 h die Woche und mein Verdienst läge dann pro Monat bei ca. 680 Euro

Madeleine: 23.11.2021 |
  • RE: Werkstudentenjob : Nachhilfe Selbstständig welche Abzüge

     

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi dein eigener Chef und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

    Du kannst im Miniojob oder im Werkstudent_innenjob weiter über die Halbwaisenrente krankenversichert bleiben. Damit die Sozialversicherungsträger_innen davon ausgehen können, dass dein Studium weiterhin im Vordergrund steht, ist die 20-Stunden-Regel wichtig. Leider gibt es bei selbstständig Tätigen oftmals verschiedene Handhabungen zu dieser Regel. Denn einige Krankenkassen unterstellen noch Vor- und Nachbereitungszeiten. Deshalb wird als weiche Grenze eher 15-18h pro Woche angesetzt.

    Es gelten aber auch bei Selbstständigen die Ausnahmen der abhängig Beschäftigten: Arbeitszeit nachts, am Wochenende sowie in der vorlesungsfreien Zeit wird nicht betrachtet. Dabei darf aber nicht mehr als 26 Wochen in einem Zeitraum von einem Jahr über 20 Stunden wöchentlich gearbeitet werden. Bei dieser Grenzen werden dann die Arbeitszeiten aus all deinen Tätigkeiten zusammen gerechnet.

    Frage aber am besten auch bei deiner Krankenkasse, wie sie konkret verfährt. Es gibt zwar allgemeine Richtlinien, aber im Endeffekt trifft die Krankenkasse die Entscheidung, wie sie dich versichert.

    In einigen Fällen sind auch Selbständige rentenversicherungspflichtig. Das betrifft zum einen manche Freiberufler_innen, zum Beispiel Erzieher_innen, Pfleger_innen oder Publizist_innen. Auch wer gegen Honorar wie ein_e Lehrer_in arbeitet, ist in der Regel rentenversicherungspflichtig. Verdienst du in diesen Tätigkeiten mehr als 450 Euro monatlich, musst du dich bei der Deutschen Rentenversicherung melden. Es fällt in der Regel der volle Rentenversicherungsbeitrag von 18,6 Prozent des Einkommens an. Deshalb ist es sinnvoll, zu deinem Honorar zusätzlich 10 Prozent Beteiligung an der Rentenversicherung auszuhandeln (vergleichbar der Regelung für ordentliche Arbeitnehmer_innen).

    Einkommenssteuer zahlst du erst für den Teil deines Einkommens, der den Freibetrag von aktuell 9.744 Euro pro Kalenderjahr überschreitet. Dabei wird dein Einkommen aus abhängiger und selbstständiger Tätigkeit gemeinsam betrachtet. Als Einkommen zählt bei Selbstständigen nur der Gewinn, du kannst also alle Ausgaben von den Einnahmen abziehen. Dein Einkommen teilst du dem Finanzamt mit einer Steuererklärung mit, wenn du über dem Freibetrag verdient hast. Meistens musst du aber auch eine einreichen, wenn du weniger verdient hast. Zum Beispiel, wenn du neben einer abhängigen Beschäftigung mehr als 410 Euro pro Jahr (!) aus einer selbstständigen Tätigkeit verdient hast. Oder immer dann, wenn das Finanzamt dich dazu auffordert. Die Steuererklärung für 2020 ist bis zum 31. Juli 2021 fällig.

    Neben der Einkommensteuer fällt auch Umsatzsteuer an, wenn du im vergangenen Jahr mehr als 17.500 Euro Umsatz hattest und im laufenden Jahr voraussichtlich mehr als 50.000 Euro Umsatz haben wirst. Wenn du vorhersehbar einen geringeren Umsatz haben wirst, kannst du gleich mit der Anmeldung beim Finanzamt die Befreiung von der Umsatzsteuer beantragen. Du machst dann Gebrauch von der Kleinunternehmer_innenregelung und musst das auch entsprechend so in deinen Rechnungen kennzeichnen.

    Auf deine Rechnungen gehört in jedem Fall deine Steuernummer (die vom Finanzamt für deine selbstständige Tätigkeit; nicht zu verwechseln mit deiner persönlichen Steuer-ID). Auch bei den Rechnungen für deine ehrenamtliche Tätigkeit braucht es eine Steuernummer, denn Rechnungen haben zwingende Inhalte. Was da sonst noch reingehört, haben wir in unserer Broschüre zur Selbstständigkeit (auf S. 11) aufgelistet. Du findest auch zahlreiche Vorlagen im Netz.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Miriam
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 24.11.2021


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