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Minijob und befristeter Honorarvertrag für weniger als 70 Tage

Hallo,

vielen Dank für Euer Beratungsangebot. Einige Beiträge im Forum habe ich bereits mit großem Interesse gelesen, trotzdem ist mir noch nicht alles klar geworden.

Ich (Student, 21 J.) habe seit Oktober einen befristeten Honorarvertrag für 1 Schuljahr (bis 01.07.2022) als „Leiter eines Ganztagsangebotes“. Die Arbeitszeit ist in 2021 auf 60 h und in 2022 auf 160 h begrenzt und wird an weniger als 70 Tagen ausgeführt. (Honorarsumme in 2021: ca. 960  €; in 2022: ca. 2560 €)

Ich gehe davon aus, dass dies somit als kurzfristige Beschäftigung im Sinne des § 8 SGB 4 zu bewerten ist. Sehen Sie das auch so?

Außerdem wurde mir ein Minijob (1 Tag/Woche und (brutto) 444 € /Monat) zusätzlich von einem Dritten angeboten.

Kann ich dann weiter familienversichert bleiben bzw. was gilt stattdessen?

Wie und wann muss ich mein Einkommen (Honorar – Ausgaben) ermitteln? (keine Steuerpflicht); Kann ich die Übungsleiter_innen_pauschale (3000 €) für jedes Kalenderjahr abziehen?  (Der Vertrag besteht mit dem Schulamt meiner Stadt.)

Wann und was muss ich oder der Minijob-Arbeitgeber der Krankenkasse melden?

 

Vielen Dank im Voraus

Mfg Annuschka

Annuschka: 22.11.2021 |
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  • RE: Minijob und befristeter Honorarvertrag für weniger als 70 Tage

    Hallo Annuschka,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zunächst einmal: du darfst neben dem Studium so viel arbeiten und verdienen wie du möchtest. Solange du immatrikuliert bist ändert sich dadurch nichts an deinem Studierendestatus an deiner Uni oder Hochschule.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden. Allerdings hat die Arbeit Einfluss auf deinen Werkstudierendenstatus, deine Familienversicherung und ggf. auf BAföG, falls du das bekommst.

    Bei deiner Honorartätigkeit handelt es sich um eine selbstständige Tätigkeit. Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi dein eigener Chef und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung). Anders ist das bei deinem Minijob, da ist dein_e Arbeitgeber_in für die korrekte Anmeldung zuständig. Für eine korrekte Anmeldung solltest du bei deinem Job deine selbstständige Tätigkeit melden. Dazu bist du im Rahmen deiner Informations- und Meldepflichen verpflichtet.

    In der Sozialversicherung gibt es für Selbstständige die gleichen Geringfügigkeitsrichtlinien, wie für abhängig Beschäftigte. Dementsprechend musst du aus deinem Einkommen keine Sozialversicherungsabgaben zahlen, wenn du regelmäßig nicht mehr als 450 Euro monatlich verdienst oder kurzfristig (auf max. 70 Tage oder 3 Monate im Jahr befristet) beschäftigt bist.

    Wenn du nur in niedrigem Umfang Honorare beziehst, weil du gelegentlich für öffentlich-rechtliche oder gemeinnützige Träger (Sportverein, Kulturverein, Universität, Kirche, Jugendzentrum, Volkshochschule, Stadtverwaltung etc.) pädagogische Arbeit leistest, werden diese Honorare nicht auf das zu versteuernde Einkommen angerechnet. Die Übungsleiter_­innenpauschale liegt bei 3.000 Euro. Diese Pauschale kann von den Einnahmen abgezogen werden.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Solltest du derzeit über die Familie krankenversichert sein, ist weiterhin für dich dann eine andere Grenze maßgeblich. Im Minijobstatus liegt diese bei 450€ pro Monat. Ohne Minijob liegt sie bei 470€ (+ 83,30€ ; Stand 2021). Du könntest also ca. 538€ pro Monat verdienen, ohne dich selbst studentisch krankenversichern zu müssen. Wenn du nicht das ganze Jahr über 470€ verdienst, ist es evtl. möglich in einzelnen Monaten etwas mehr zu verdienen, ohne die Familienmitversicherung zu verlieren. Das kannst du dann am besten mit deiner Krankenkasse abklären. (Hintergrund hier ist, dass es sich bei den 83,30€ um einen auf Monate umgelegten jährlichen Betrag von 1.000€ handelt, der auch in weniger Monaten geltend gemacht werden kann, wenn nicht das ganze Jahr gearbeitet wird). Beachte, dass die Werbungskostenpauschale nicht für selbstständige Tätigkeiten gilt. Eine Ausnahme bilden kurzfristige Beschäftigungen (bis zu 3 Monate oder 70 Arbeitstage), auch Einkünfte hieraus sind möglich, ohne die Familienversicherung zu verlieren. Du kannst dich bei Fragen auch an deine Krankenkasse wenden.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort nutzen oder dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Miriam
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 23.11.2021


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