Deutscher Gewerkschaftsbund

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Werkstudent(15h)+ HiWi(10h)

Hallo,

Aktuell arbeite ich als Werkstudent 15 Stunden pro Woche zwischen 18.00 und 21.00 Uhr in einem Unternehmen und bin als Student versichert. Ich habe ein Bruttoeinkommen von ca. 950 € und zahle die Studentenversicherung selbst. Ich habe die Möglichkeit, 10 Stunden pro Woche als HiWi in einem Institut der Universität zu arbeiten und dabei maximal 450€ zu verdienen. Erstens, wie wäre in diesem Fall mein Versicherungsstatus? Zweitens, wird die Versicherung aus meinem ersten Arbeitseinkommen bezahlt? Drittens, welcher Steuerklasse gehöre ich an? Wenn ich den zweiten Job annehme, hat mein erster Arbeitgeber das Recht, ihn nicht anzunehmen? 

Vielen Dank

Viele Grüße

Onur: 20.11.2021 |
  • RE: Werkstudent(15h)+ HiWi(10h)

    Hallo Onur,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Welche Auswirkungen diese Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab. Ich fange mal mit drittens an.

    Steuern:
    In welche Lohnsteuerklasse du mit deinem ersten Job fällst, hängt davon ab, ob du verheiratet bist oder nicht und ob du Kinder hast. Bist du unverheiratet und kinderlos, greift Lohnsteuerklasse (LSK) 1.

    Wenn du in dem zweiten Job nicht mehr als 450€/Monat verdienst, handelt es sich um eine/n geringfügige Beschäftigung/Minijob.
    Steuerlich werden Minijobs in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.

    Wird der Minijob aber über deine Steuer-ID abgerechnet, fällst du dort in die ungünstige LSK 6. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst aber im Folgejahr mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    In der Steuererklärung kannst du dann auch noch Vorsorgeaufwendungen und ggf. Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten geltend machen, so dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, auch bei einem Gesamtbruttoeinkommen von 13.000 oder 14.000 € im Jahr noch keine Einkommenssteuer zahlen zu müssen.

    Nun zu den anderen Fragen, die alle in den Bereich Sozialversicherung fallen:
    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort im Job. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du im Job entweder als Werkstudent oder voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer angemeldet.

    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt.

    Auf Basis deiner Angaben lässt also nicht wirklich einschätzen, ob eine der Ausnahmen greifen würde oder nicht.

    Falls nein, müsstest du in deinem bisherigen Job voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer angemeldet werden.
    Das bedeutet, dass der Werkstudent_innenstatus entfällt und auf dein Gehalt im ersten Job nicht mehr nur 9,3% Rentenversicherung (RV) anfällt, sondern insgesamt knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt abgeführt werden. Dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an (in der studentische KV immerhin um die 100€/Monat). Du wärst dann über deinen Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Da kann dein Arbeitgeber dort dann auch nichts verweigern - er muss sich an die Gesetze halten und dich korrekt anmelden.

    Falls eine der Ausnahmen greift, bleibst du in deinem ersten Job wie bisher als Werkstudent angemeldet und musst dich weiterhin selbst studentisch krankenversichern. Dann hat die Aufnahme des zusätzlichen Jobs an der Hochschule also keine Auswirkungen auf deinen SV-Status und deine Krankenversicherung.

    Auf den Hiwijob selbst hat all das keinen Einfluss. Solange du dort nicht mehr als 450€/Monat verdienst, ist der Job geringfügig und wird als Minijob abgerechnet - unabhängig von deinem SV-Status im ersten Job.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort und das deiner Mitgliedsgewerkschaft. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 23.11.2021


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