Deutscher Gewerkschaftsbund

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Gewerbeschein + Werksstudent

Hallo zusammen,

kurz etwas Kontext:

ich bin 21 Masterstudent im 1. Semester und Werkstudent mit 20h/Woche a 16€/h.

Ich bin studentisch versichert mit 108€/Monat.

-> Stand jetzt bin ich also ordentlich immatrikulierter Student.

Gerne würde ich mich ein wenig mit dem Thema "Reselling" beschäftigen.

Dafür bräuchte ich allerdings einen Gewerbeschein (am besten mit Kleinunternehmerregelung).

Ungern würde ich meinen ordentlichen Studentenstatus verlieren, da ich dann, glaube ich, nichtmehr als Werkstudent arbeiten kann.

Nun zu meinen Fragen:

1. Auf meinen Fall bezogen - Wann verliere ich meinen Studentenstatus? Wenn man durch das Reselling über einen gewissen Umsatz/Gewinn kommt?

2. Könnte man als "Reseller" / Kleinunternehmer den Studentenstatus verlieren, weil ich ja als Werkstudent schon 20h/Woche arbeite?

3. Also kurz gesagt würde ich gerne wissen, woraus ich beim "resellen" achten müsste, um meinen Studentenstatus zu behalten..

Ich würde das Ganze halt gerne einmal ausprobieren, will aber keinen dummen Fehler machen :D

Vielen Dank schon einmal und viele Grüße

Christoph

Chris: 20.11.2021 |
  • RE: Gewerbeschein + Werksstudent

    Hallo Chris,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zu unterscheiden sind hier erstmal die unterschiedlichen Ebenen Hochschule, Sozialversicherung und Arbeitsrecht.
    Grundsätzlich darfst du nämlich auch als Student darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Wichtig ist nur, die jeweiligen Auswirkungen auf dem Schirm zu haben.

    Hochschule: Auf deinen Studierendenstatus innerhalb der Uni hat es keinen Einfluss, wie viel du arbeitest. Wenn du allerdings aufgrund von (zu) viel Arbeit die Uni vernachlässigst und es zu Verzögerungen kommt, muss die Arbeit nicht als Grund für verspätete Leistungserbringung anerkannt werden.

    Arbeitsrecht: Es gibt kein Gesetz, dass es dir als Student verbieten würde, mehr als 20h/Woche zu arbeiten, auch nicht durch eine zusätzliche Selbstständigkeit - jedoch würde ggf. der Werkstudent_innenstatus entfallen (dazu gleich mehr bei "Sozialversicherung"). Da es sich dabei aber nicht um eine arbeitsrechtliche Kategorie, sondern einen sozialversicherungsrechtlichen Status handelt, kannst du deshalb nicht gekündigt werden. Auf deinen Arbeitsvertrag hat dein SV-Status nämlich keinen Einfluss. Dein Arbeitsvertrag gilt weiterhin wie bisher - egal ob Werkstudent oder voll sv-pflichtiger Arbeitnehmer.
    Jedoch ist es leider möglich, dich dann aus anderen Gründen zu kündigen. Wenn es aber nur der SV-Statuswechsel war, der der Arbeitgeber_innenseite aufgestoßen ist und zur Kündigung geführt hat, ist die Frage, ob man das nachweisen kann. Da kommt es leider sehr auf die Umstände des Einzelfalls an.

    Sozialversicherung: Hier kommen wir vermutlich an den eigentlichen Knackpunkt.
    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort im Job (abhängige Beschäftigung). Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit (hier werden alle Jobs, auch selbstständige Tätigkeiten, miteingerechnet) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudent nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als Werkstudent angemeldet. Arbeitest du insgesamt und regelmäßig mehr, musst du im Job voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer angemeldet werden.

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.
    Für die Arbeitgeber_innenseite fallen dann jedoch anstatt nur RV ebenfalls die vollen Sozialversicherungsabgaben an, weswegen manche Arbeitgeber_innen da rummeckern. Es gibt aber auch Arbeitgeber_innen, die damit kein Problem haben und die gesetzlcihen Regelungen einfach entsprechend umsetzen.

    Von der 20h-Regel gibt es dann auch noch Ausnahmen, nach denen du mehr als 20h/Woche arbeiten kannst, ohne dass sich dein Status von Werkstudent auf Arbeitnehmer verändert. Dies ist z.B. der Fall, wenn durch befristete Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr aufs Wochenende, nachts oder die Semesterferien fällt. Das heißt, wenn du dem Resellen z.B. nur in den Semesterferien nachgehst, sollte das unter die Ausnashmeregelungen fallen. Im Zweifel entscheidet das aber dein_e Arbeitgeber_in. Eine deiner Ansiocht nach falsche Einstufung kannst du bei der Deutschen Rentenversicherung mit einem Statusfeststellungsverfahren rechtssicher prüfen lassen.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen. Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gern wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 23.11.2021


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