Deutscher Gewerkschaftsbund

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Vollzeit+Studium

Hallo,

erstmal vielen Dank für diesen Service!

Ich arbeite momentan 19 Stunden/Woche und würde sehr gerne Vollzeit arbeiten, weil ich dieses Semester nicht so viel zu tun habe. Allerdings wurde mir nun von der Dame am Servicetelefon der Uni gesagt, dass ich nur maximal 20 Stunden arbeiten dürfe und ansonsten exmatirkuliert werden würde. Sie kenne sich aber auch nciht mit der Materie aus. Ich studiere an der Uni Duisburg-Essen.

Dies steht auch in folgendem Beitrag: https://www.studentjob.de/blog/5094-vollzeit-arbeiten-und-studieren-geht-das

Die Krankenkasse hat mir aber gesagt es sei ihr und der Uni egal wie viel ich arbeite. 

Was stimmt nun? 

Liebe Grüße

Studi: 19.11.2021 |
  • RE: Vollzeit+Studium

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Was in dem von dir mitgeschickten Link steht, ist Quatsch. Leider hält sich das Gerücht, man dürfe als Student_in nicht mehr als 20h/Woche arbeiten, sehr hartnäckig - obwohl es dafür keinerlei gesetzliche Grundlage gibt.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich aber gar nicht um eine Verbotsgrenze, sondern lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort im Job. Je nachdem, ob du neben dem Studium regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du im Job entweder als Werkstudentin oder voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet.

    Das bedeutet: auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Je nach Umfang und Art der Beschäftigung sowie der Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.
    Auf deinen Studierendenstatus innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss. Du kannst auch nicht einfach exmatrikuliert werden, nur weil du mehr arbeitetst.
    Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass dich die Uni auffordert, für die Zeit, die du Vollzeit arbeitest, im Studium auf Teilzeit zu wechseln. Und selbst das geht nur, wenn es entsprechende hochschulrechtliche Regelungen (z.B. in der Satzung deiner Hochschule, dem Landeshochschulrecht oder deiner Fakultätsordnung) gibt. In der Realität habe ich noch nicht erlebt, dass tatsächlich jemand von der Uni zu einem unfreiwilligen Wechsel in ein Teilzeitstudium gezwungen wurde - es wäre rechtlich unter entsprechenden Umständen aber zumindest möglich.

    Im Job bedeutet Vollzeit bzw. mehr als 20h/Woche arbeiten nichts anderes, als dass sich die Sozialversicherungsabgaben ändern.
    Der Unterschied: Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du bei voller SV-Pflicht auch entsprechend Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I), auf die Werkstudent_innen keinen Anspruch haben.

    Ich hoffe, das hilft dir weiter!
    Falls es dich interessiert, hier noch die rechtliche Grundlage der sogenannten 20h-Regel: Rundschreiben zur versicherungsrechtlichen Beurteilung beschäftigter Studierender

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 23.11.2021


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