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30h Job (kurzfristig beschäftigt & 450 Euro Job)

Liebes Team von Jugend-dgb,

ich arbeite derzeit in einem kurzfristigen Beschäftigungsverhältnis seit September 2021 (bis Dezember 2021) mit 20h in der Woche und arbeite noch als Hiwi auf 450 Euro Basis (mit 8-10h) in der Woche. 

Wie wirkt sich das auf meinen Studentenstatus aus? Fallen beide Jobs in Lohnsteuerklasse 1? Kann ich familienversichert bleiben? Bin ich weiterhin kindergeldberechtigt? Gibt es sonst noch steuerrechtliche Auswirkungen?

Ich würde mich wahnsinnig über eine Amtwort freuen, da ich einfach nicht weiß, wen ich fragen kann.

Viele Grüße 
Lina

Lina: 08.10.2021 |
  • RE: 30h Job (kurzfristig beschäftigt & 450 Euro Job)

    Hallo Lina,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zunächst einmal: du darfst neben dem Studium so viel arbeiten und verdienen wie du möchtest. Solange du immatrikuliert bist ändert sich dadurch nichts an deinem Studierendestatus an deiner Uni oder Hochschule.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden. Allerdings hat die Arbeit Einfluss auf deinen Werkstudierendenstatus, deine studentische Versicherung und ggf. auf BAföG, falls du das bekommst.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr als oder bis zu 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudent_in oder als voll sv-pflichtige_r Arbeitnehmer_in angemeldet.

    Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt. Am besten du prüfst wie deine Arbeitszeiten in der kurzfristigen Beschäftigung verteilt sind und ob unter Berücksichtigung der Ausnahmen du über die 20h/Woche kommst oder nicht.

    Solltest du derzeit über die Familie krankenversichert sein, ist weiterhin für dich dann eine andere Grenze maßgeblich. Im Minijobstatus liegt diese bei 450€ pro Monat. Ohne Minijob liegt sie bei 470€ (+ 83,30€ ; Stand 2021). Du könntest also ca. 538€ pro Monat verdienen, ohne dich selbst studentisch krankenversichern zu müssen. Wenn du nicht das ganze Jahr über 470€ verdienst, ist es evtl. möglich in einzelnen Monaten etwas mehr zu verdienen, ohne die Familienmitversicherung zu verlieren. Das kannst du dann am besten mit deiner Krankenkasse abklären. (Hintergrund hier ist, dass es sich bei den 83,30€ um einen auf Monate umgelegten jährlichen Betrag von 1.000€ handelt, der auch in weniger Monaten geltend gemacht werden kann, wenn nicht das ganze Jahr gearbeitet wird).

    Du kannst weiter Kindergeld bekommen, wenn du einem Minijob bzw. einer kurzfristige Beschäftigung nachgehst oder wöchentlich die 20h/Woche nicht überschreitest. Bei Fragen dazu kannst du dich an die Familienkasse wenden.

    Bei Steuern gibt es keine Besonderheiten für Studierende zu beachten. Sowohl Einkommen aus einer kurzfrisitgen Beschäftigung als auch Minijobs sind grundsätzlich steuerpflichtig. Allerdings nicht schon ab dem ersten Cent. 
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9.744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. Ob tatsächlich Steuern fällig werden, hängt also nicht davon ab, ob du als Bachelorandin, Werkstudentin oder normale Arbeitnehmerin angemeldet wirst, sondern davon, wie viel du tatsächlich verdienst.

    Wenn du mehrere Jobs nebeneinander hast, werden in der Regel im zweiten, dritten etc. Job Lohnsteuer eingezogen, selbst dann die Jahresfreibetragsgrenze (von derzeit 9.744€, Stand 2021) voraussichtlich nicht überschritten wird. Das hängt mit den Steuerklassen zusammen. Mehr dazu hier. Am Ende gibt‘s aber für alle Einkünfte nur einen gemeinsamen Steuersatz, du kannst auch noch Werbungskosten von mind. 1.000€ geltend machen und ggf. Vorsorgeaufwendungen. Zuviel gezahlte Steuern kannst du dir aber per Steuererklärung wieder holen bzw. auf Antrag auch einen Teil des Freibetrags auf andere Tätigkeiten übertragen.

    Doch es gibt beim Minijob eine Besonderheit. Du hast du 2 verschiedene Möglichkeiten der Besteuerung:

    a)  Wenn dein Minijob über Steuer-ID abgerechnet wird und du so den Minijob gemeinsam mit deinem anderen versteuerst, so gilt für beide gemeinsam der jährliche Steuergrundfreibetrag i.H.v. 9744€ (Stand 2021). Zu diesem hinzu kommt, dass du von deinem Einkommen noch Werbungskosten i.H.v. mindestens 1.000€ und ggf. Vorsorgeaufwendungen und Sonderausgaben abziehen kannst. Nur derjenige Teil deines Einkommens, der dann noch den Steuerfreibetrag überschreitet wird am Ende tatsächlich besteuert, zunächst auch nur mit dem Eingangssteuersatz von 14%.
    In der Regel wird nun aber im zweiten Job Lohnsteuer eingezogen, selbst dann die Jahresfreibetragsgrenze  voraussichtlich nicht überschritten wird. Das hängt mit den Steuerklassen zusammen. Zu viel gezahlte Beiträge kannst du dir am Jahresende per Steuererklärung zurückerstatten lassen oder bereits im Vorfeld auf Antrag einen Teil deines Freibetrags auf den anderen Job übertragen. Mehr dazu hier.

    b)  Wenn dein Minijob pauschal mit 2% versteuert wird, so zählt das Einkommen aus dem Minijob nicht mehr in dein zu versteuerndes Jahreseinkommen, du kannst dir wiederum aber auch evtl. insgesamt zu viel bezahlte Steuern nicht zurückerstatten lassen.

    Du kannst dir überlegen welche Art der Besteuerung bei deinem Minijob für dich vorteilhafter ist.

    Es ist wichtig, dass du allen Arbeitgebern deine jeweils andere(n) Tätigkeit(en) mitteilst. Dazu bist du verpflichtet, damit die Sozialversicherungsbeiträge und ggf. Steuern korrekt gezahlt werden können.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort nutzen oder dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Miriam
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 13.10.2021


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