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Kurzfristige Beschäftigung während des Werkstudentenjobs ratsam?

Hallo,

ich stehe aktuell etwas auf dem Schlauch, was meine Beschäftigungssituation in den kommenden Monaten auf lange Sicht für meine SV und Steuer bedeuten kann.

Ich arbeite noch bis zum 1.12 im öffentlichen Dienst und werde mit ein wenig über 450€ für 8h die Woche vergütet, zahle bisher nur in die RV ein und bin familienversichert.

Bei meinem Werkstudentenjob bin ich aufgrund von Überstunden im November arbeitstechnisch "freigestellt", um sie abzubauen. Ich bekomme den November normal bezahlt sowie meine Restüberstunden am Ende meiner Beschäftigung, ein 13. Gehalt sowie eine Zusatzleistung ausbezahlt, wodurch ich im November vermutlich mit einem einmaligen Gehalt von bis zu 1.500€ rechnen kann.

Damit mir im November nicht die Decke auf den Kopf fällt (Unikurse habe ich aufgrund eines 6-monatigen Vollzeitpflichtpraktikums direkt im Anschluss an die Werkstudentenstelle keine gewählt), wollte ich gerne eine kurzfristige Beschäftigung, die auf eine Woche beschränkt ist, annehmen und mir so auch etwas dazu verdienen. Bei dieser Beschäftigung komme ich nicht über die 450€ Grenze.

Meine Frage ist nun, ob sich für mich aus sozialversicherungs/steuerlicher Sicht irgendetwas gravierend ändert, wenn ich dieser kurzfristigen, einmaligen Beschäftigung nachgehe und mit circa 1.900€ Einkommen rechnen kann. Kann ich z.B. aus der Familienversicherung geworfen werden oder muss ich nun auch mit Lohnsteuerabgaben rechnen? Ist es somit ratsam diese kurzfristige Beschäftigung eventuell nicht anzunehmen, weil es sich entgeltlich nicht lohnt bzw. sich zu negativ auf Steuer etc. auswirkt und ich dann auch für das Pflichtpraktikum im Bezug auf die Krankenversicherung mehr bezahlen?

Liebe Grüße

hsnl2021: 06.10.2021 |
  • RE: Kurzfristige Beschäftigung während des Werkstudentenjobs ratsam?

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zunächst einmal: du darfst neben dem Studium so viel arbeiten und verdienen wie du möchtest. Solange du immatrikuliert bist ändert sich dadurch nichts an deinem Studierendestatus an deiner Uni oder Hochschule.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden. Allerdings hat die Arbeit Einfluss auf deinen Werkstudierendenstatus, deine Familienversicherung und ggf. auf BAföG, falls du das bekommst.

    Sozialversicherung

    Solltest du derzeit über die Familie krankenversichert sein, ist weiterhin für dich dann eine andere Grenze maßgeblich. Im Minijobstatus liegt diese bei 450€ pro Monat. Ohne Minijob liegt sie bei 470€ (+ 83,30€ ; Stand 2021). Du könntest also ca. 538€ pro Monat verdienen, ohne dich selbst studentisch krankenversichern zu müssen. Wenn du nicht das ganze Jahr über 470€ verdienst, ist es evtl. möglich in einzelnen Monaten etwas mehr zu verdienen, ohne die Familienmitversicherung zu verlieren. Das kannst du dann am besten mit deiner Krankenkasse abklären. (Hintergrund hier ist, dass es sich bei den 83,30€ um einen auf Monate umgelegten jährlichen Betrag von 1.000€ handelt, der auch in weniger Monaten geltend gemacht werden kann, wenn nicht das ganze Jahr gearbeitet wird). Wenn du dir unsicher bist, dann frag am besten bei deiner Krankenkasse nach.

    Wenn du aus der Familienversicherung fällst, dann kannst du dich, solange du weniger als 20h/Woche arbeitest, studentisch krankenversichern. Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr als oder bis zu 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudent_in oder als voll sv-pflichtige_r Arbeitnehmer_in angemeldet.

    Wenn du in deinem neuen Job nur bis zu 3 Monaten oder bis zu 70 Tage im Jahr arbeitest dann handelt es sich um eine kurzfristige Beschäftigung. Diese Grenze gilt auch für mehrere kurzfristige Beschäftigungen im Jahr zusammen genommen. Sie ist nicht sozialversicherungspflichtig.

    Steuern

    Bei den Steuern gibt es keine Besonderheiten für Studierende zu beachten. Sowohl Einkommen aus einem Werkstudent_innenjob als auch die Vergütung für eine Bachelorarbeit sind grundsätzlich steuerpflichtig. Allerdings nicht schon ab dem ersten Cent. 
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9.744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. Ob tatsächlich Steuern fällig werden, hängt also nicht davon ab, ob du als Bachelorandin, Werkstudentin oder normale Arbeitnehmerin angemeldet wirst, sondern davon, wie viel du tatsächlich verdienst.

    Wenn du mehrere Jobs nebeneinander hast, werden in der Regel im zweiten, dritten etc. Job Lohnsteuer eingezogen, selbst dann die Jahresfreibetragsgrenze (von derzeit 9.744€, Stand 2021) voraussichtlich nicht überschritten wird. Das hängt mit den Steuerklassen zusammen. Mehr dazu hier. Am Ende gibt‘s aber für alle Einkünfte nur einen gemeinsamen Steuersatz, du kannst auch noch Werbungskosten von mind. 1.000€ geltend machen und ggf. Vorsorgeaufwendungen. Zuviel gezahlte Steuern kannst du dir aber per Steuererklärung wieder holen bzw. auf Antrag auch einen Teil des Freibetrags auf andere Tätigkeiten übertragen.

    Deine kurzfristige Beschäftigung muss auch von deiner_m Arbeitgeber_in dem Finanzamt gemeldet und versteuert werden. Bei einer kurzfristigen Beschäftigung hast die wie beim Minijob die Möglichkeit einer Pauschalbesteuerung. Das heißt, dass dein Job pauschal mit 2% versteuert werden würde. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6. Welche Variante für dich günstiger kommt, hängt davon ab, was du eventuell an Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen oder zusätzlichen Freibeträgen geltend machen kannst. Die Pauschalsteuer kannst du nämlich nicht mit einer Steuererklärung zurückbekommen, über die Steuer-ID zu viel eingezogene Steuern aber ggf. schon.

    Es ist wichtig, dass du allen Arbeitgebern deine jeweils andere(n) Tätigkeit(en) mitteilst. Dazu bist du verpflichtet, damit die Sozialversicherungsbeiträge und ggf. Steuern korrekt gezahlt werden können.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Miriam
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 08.10.2021


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